In der bewegten Geschichte Griechenlands nimmt Alexandros Papanastasiou eine Schlüsselrolle ein. Als visionärer Politiker und Reformer prägte er maßgeblich die politische Landschaft des Landes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Geschichte – Geboren am 8. Juli 1876 in Tripolis, Arkadien, als Sohn des Parlamentsabgeordneten Panagiotis Papanastasiou, verbrachte Alexandros seine Kindheit in Kalamata und Piräus. Sein Bildungsweg führte ihn zunächst an die Nationale und Kapodistrias-Universität Athen, wo er 1899 im Fach Rechtswissenschaften promovierte. Anschließend vertiefte er seine Studien in Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften und Philosophie an renommierten Universitäten in Berlin, Heidelberg, London und Paris, bevor er 1907 nach Griechenland zurückkehrte.
Sein politisches Debüt gab Papanastasiou 1910 mit der Wahl in die Nationalversammlung. Besonders engagierte er sich für Agrarreformen in Thessalien, um die dortigen Großgrundbesitze zugunsten der lokalen Kleinbauern aufzulösen. Während des Ersten Weltkriegs schloss er sich 1916 der Nationalen Verteidigungsbewegung von Eleftherios Venizelos an und wurde zum Gouverneur.
Nach dem Krieg bekleidete Papanastasiou verschiedene Ministerposten, darunter die des Verkehrs- und Gesundheitsministers. Nach der Wahlniederlage von Venizelos 1920 blieb er in Griechenland und kritisierte die Regierungen der Volkspartei für den Umgang mit dem Griechisch-Türkischen Krieg (1919–1922). Seine Kritik kulminierte in der Veröffentlichung eines „Demokratischen Manifests“, das die Monarchie scharf angriff und zu seiner Inhaftierung führte.
Nach der sogenannten Kleinasiatischen Katastrophe und dem Zusammenbruch der Regierung der Volkspartei wurde Papanastasiou am 12. März 1924 zum Ministerpräsidenten ernannt. Unter seiner Führung wurde am 25. März 1924 die Republik ausgerufen, war König Georg II. ins Exil nach Rumänien zwang. Eine Volksabstimmung am 13. April 1924 bestätigte die Abschaffung der Monarchie. Trotz seiner kurzen Amtszeit bis zum 24. Juni 1924 initiierte Papanastasiou bedeutende Bildungsreformen, darunter die Gründung der Aristoteles-Universität Thessaloniki und die Förderung der neugriechischen Sprache in Bildungseinrichtungen.
Zwischen 1926 und 1928 diente er als Landwirtschaftsminister und spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung der Landwirtschaftsbank von Griechenland. Eine weitere kurze Amtszeit als Ministerpräsidente folgte vom 26. Mai bis zum 5. Juni 1932. Nach dem Machtantritt von General Ioannis Metaxas wurde Papanastasiou 1936 unter Hausarrest gestellt, unter dem er am 17. November desselben Jahres an einem Herzinfarkt verstarb. (jk)





