Zwölf Ulmer Rettungsschwimmer bitten Neptun um seinen Segen

Eigentlich sind sie gekommen, um Menschen zu retten. Doch bevor zwölf Rettungsschwimmer der DLRG-Ortsgruppe Ulm in Heiligenhafen ihren ersten Küstendienst antreten durften, mussten sie sich zunächst einer deutlich ungewöhnlicheren Herausforderung stellen: Sie mussten sich Neptun stellen.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler und Leo Dillikrath

Magazin – Für die zwölf Ulmer begann damit eine besondere Woche an der Ostsee. Im Rahmen ihres ersten Einsatzes beim Zentralen Wasserrettungsdienst Küste übernehmen sie für eine Woche die Bewachung des Strandes in Heiligenhafen. Die traditionelle Taufe der sogenannten Erstwachgänger gehört dabei zum festen Ritual für Rettungsschwimmer, die erstmals an der schleswig-holsteinischen Küste Dienst tun. Dass die Aufnahme in die Gemeinschaft der Küsten-Rettungsschwimmer nicht ganz trocken über die Bühne gehen würde, war schnell klar.

Foto: Hellas-Bote/Leo Dillikrath

Als die Zeremonie begann, fehlte zunächst ausgerechnet der wichtigste Teilnehmer: Neptun. Mehrfach wurde der Meeresgott gerufen … ohne Erfolg. Schließlich mussten die Täuflinge selbst dafür sorgen, dass der Herrscher der Meere an Land kam. Neptun hatte es sich auf einem Stand-up-Paddle-Board im Wasser bequem gemacht. Die Rettungsschwimmer mussten zu ihm hinaus und ihn gemeinsam zurück an den Strand bringen. Eine zusätzliche Schwierigkeit: Der Meeresgott hielt seinen Dreizack in der Hand und sollte dabei möglichst nicht ins Wasser fallen.

Spätestens bei dieser Aufgabe war klar, dass es bei der Taufe nicht nur um eine symbolische Zeremonie ging. Gefragt waren Zusammenarbeit, Geschicklichkeit und natürlich die Fähigkeit, auch unter ungewöhnlichen Bedingungen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Doch damit war Neptun noch längst nicht zufrieden. Die zwölf Rettungsschwimmer mussten weitere Aufgaben absolvieren, bevor ihnen der göttliche Segen sicher war. Bei einem Strandstuhlrennen ging es zunächst um Geschwindigkeit und Teamwork. Anschließend wurde der Geschmackssinn auf eine harte Probe gestellt. Serviert wurden unter anderem eine „rote Scholle“, „saure Kaulquappen“ und eine „schwabbelige Qualle“. Hinter den fantasievollen Namen verbargen sich entsprechend gewöhnungsbedürftige Speisenkombinationen. Für die Zuschauer war die Prüfung mindestens ebenso unterhaltsam wie für die Teilnehmer.

Foto: Hellas-Bote/Leo Dillikrath

Auch das eigentliche Taufbecken mussten die angehenden Küsten-Rettungsschwimmer selbst vorbereiten. Im Sand entstand ein großer Halbkreis, in dem die Täuflinge später Platz nehmen sollten. Neptun konnte von seinem erhöhten Platz aus das Geschehen beobachten und prüfen, ob seine Anforderungen erfüllt worden waren.

Die zwölf Rettungsschwimmer hatten sämtliche Prüfungen bestanden und durften vor Neptun Platz nehmen. In seinem Taufspruch erinnerte der Meeresgott daran, dass die Ausbildung zwar die Grundlage für den Rettungsdienst bilde, zur Gemeinschaft der Küsten-Rettungsschwimmer aber noch etwas anderes gehöre: Zusammenhalt, Mut und die Bereitschaft, anderen zu helfen.

Mit Sand und Ostseewasser wurden die Täuflinge anschließend geweiht. Jeder von ihnen erhielt zudem einen individuellen Taufnamen. So wurden aus den Ulmer Rettungsschwimmern unter anderem eine „Bonziger Baracuda“, eine „Lockige Latissimus-Languste“, ein „Wasserscheuer Seestern“, eine „Quasselnde Qualle“, ein „Spielender Sägefisch“, eine „Blonde Vorstadt-Forelle“ und ein „Neopren-Backfisch“. Die Namen dürften den Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben.

Nach der Taufe ging es für die frisch aufgenommenen Küsten-Rettungsschwimmer wieder zurück zu ihrer eigentlichen Aufgabe. Eine Woche lang sind die zwölf Ulmer in Heiligenhafen im Einsatz und bewachen gemeinsam mit weiteren DLRG-Kräften den Strand. Hinter dem humorvollen Ritual steckt dabei ein ernster Hintergrund. Die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer übernehmen an der Küste eine wichtige Verantwortung. Sie beobachten das Badegeschehen, helfen in Notfällen und sind zur Stelle, wenn Menschen im Wasser oder am Strand Unterstützung benötigen. Für die zwölf Ulmer dürfte ihre erste Woche an der Ostsee damit gleich doppelt unvergesslich werden: Sie haben ihren ersten Küstendienst angetreten und zuvor offiziell den Segen von Neptun erhalten. (sk)

Foto: Hellas-Bote/Leo Dillikrath