Katy Albrecht lädt in „Glücksorte auf dem Peloponnes“ zu 80 Entdeckungen ein und zeigt eine griechische Halbinsel, die weit mehr ist als die Summe ihrer antiken Sehenswürdigkeiten.
Von Booktokerin und HB-Redakteurin Luisa Müller
Literatur – Wer an den Peloponnes denkt, denkt schnell an Olympia, Sparta, Mykene oder Epidauros. An antike Säulen im gleißenden Sonnenlicht, vielleicht noch an endlose Strände und Olivenhaine. Doch die griechische Halbinsel im Süden des Landes hat deutlich mehr Gesichter. Genau darauf richtet Katy Albrecht in ihrem Reiseführer „Glücksorte auf dem Peloponnes“ den Blick. Ihre 80 ausgewählten Ziele sind eine Einladung, sich von den großen Namen zu lösen und die Region auf eigene Faust und mit etwas Neugier zu entdecken.
Das beginnt schon mit der Bucht von Navarinou. Albrecht beschreibt sie als beinahe perfekt geformten Halbkreis und setzt damit den Ton für ein Buch, das vor allem von Landschaftserlebnissen lebt. Türkisfarbenes Meer bei Elafonissos, spektakuläre Schluchten, Bergseen und Höhlen stehen neben kleinen Orten, Märkten, Tavernen und Geschäften mit regionalen Spezialitäten. Der Peloponnes erscheint dadurch nicht als Museum unter freiem Himmel, sondern als lebendige, abwechslungsreiche Urlaubsregion.
Besonders reizvoll ist die Mischung der Ziele. Wer Ruhe sucht, findet sie im legendären Arkadien. Wer lieber durch malerische Gassen schlendert, kann Monemvasia oder Kardamyli entdecken. Dazwischen liegen mittelalterliche Geisterstädte, Wälder, Weingüter und archäologische Stätten. Selbst Wintersport ist vertreten: Der Peloponnes besitzt Skigebiete … ein Detail, das manchen Leser überraschen dürfte und zugleich zeigt, wie wenig sich die Region auf das klassische Bild vom Griechenlandurlaub reduzieren lässt.
Albrecht beschränkt sich dabei nicht auf Landschaft und Sehenswürdigkeiten. Essen und Trinken gehören selbstverständlich zur Glückssuche dazu. Strandbars in Kalamata, traditionelle Tavernen und ein Olivenöl-Tasting bringen den kulinarischen Alltag der Region ins Buch. Das passt zum Ansatz der Reihe: Ein besonderer Ort muss kein weltberühmtes Monument sein. Manchmal genügt ein gutes Essen, ein lokales Produkt oder ein Platz, an dem man den Sonnenuntergang beobachten kann.
Gerade darin liegt der Charme des Buches, aber auch seine bewusste Begrenzung. „Glücksorte auf dem Peloponnes“ ist kein Reiseführer, der sämtliche Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten oder Verkehrsverbindungen systematisch erfassen will. Wer eine Rundreise minutiös planen möchte, wird zusätzliche Informationen benötigen. Albrecht verfolgt ein anderes Ziel: Sie möchte Appetit machen. Auf Orte, Landschaften, Begegnungen und kleine Umwege.
Die großformatigen Fotos unterstützen diesen Ansatz wirkungsvoll. Sie vermitteln nicht nur einen Eindruck von den einzelnen Zielen, sondern erzeugen jene angenehme Mischung aus Fernweh und Vorfreude, die ein gutes Reisebuch auszeichnet. Die Übersichtskarte hilft dabei, aus den 80 Fundstücken eine eigene Route zusammenzustellen.
Am Ende führt die Glückssuche nach Kato Verga bei Kalamata. Dort, in einem Restaurant, endet der Band mit einem Sonnenuntergang. Das ist durchaus symbolisch: Der Peloponnes wird hier nicht als Checkliste präsentiert, die man möglichst vollständig abarbeiten sollte. Vielmehr geht es darum, unterwegs immer wieder einen Grund zu finden, stehen zu bleiben.
Katy Albrecht gelingt damit ein angenehm unaufgeregtes Porträt einer Region, die zwischen Meer und Gebirge, Antike und Gegenwart, Badeurlaub und Aktivtourismus erstaunlich viele Möglichkeiten bereithält. Wer den Peloponnes bislang vor allem mit seinen berühmten Ausgrabungsstätten verbunden hat, dürfte nach der Lektüre jedenfalls aufmerksamer unterwegs sein.
Katy Albrecht: „Glücksorte auf dem Peloponnes. Fahr hin und werd glücklich“. Droste Verlag, 168 Seiten, 16 Euro. ISBN 978-3-7700-2805-4. (lm)
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