Erst ist da nur Musik. Dann setzen die ersten Schritte ein. Einer nach dem anderen, im gleichen Rhythmus, aufeinander abgestimmt. Eine Hand findet die nächste, die Reihe bewegt sich gemeinsam, ein Schritt folgt dem anderen. Was zunächst wie eine einfache Abfolge von Bewegungen aussieht, wird schnell zu einem gemeinsamen Rhythmus.
Von HB-Redakteurin Nadja Becker
Viersen – Im ALO in Dülken wird sonntags getanzt. Nicht irgendein Tanz und auch nicht nur für einen Auftritt. Hier wird ein Stück griechische Kultur gepflegt … Woche für Woche, Schritt für Schritt. Rund 25 Menschen gehören derzeit zur Tanzgruppe Meraki. Manche sind schon lange dabei, andere haben erst vor Kurzem angefangen. Gemeinsam ist ihnen die Freude an traditionellen griechischen Tänzen und an einer Kultur, die in Viersen seit Jahrzehnten ihren festen Platz hat.

Seit 2004 gibt es Meraki. Die Gruppe gehört zur Griechischen Gemeinde Viersen, die bereits seit 1979 den kulturellen Austausch pflegt und damit einen wichtigen Beitrag zum vielfältigen Leben der Stadt leistet. Denn Kultur zeigt sich nicht nur in großen Veranstaltungen. Manchmal findet sie sonntagnachmittags in einem Raum in Dülken statt.
Dann geht es um Taktgefühl, um Konzentration und darum, die Bewegungen der anderen aufzunehmen. Aber ebenso um das Miteinander. Denn ein Gruppentanz funktioniert nur, wenn die Einzelnen aufeinander achten. Jeder Schritt hat seinen Platz, jeder trägt dazu bei, dass aus vielen Menschen eine Gemeinschaft entsteht.
Angeleitet wird die Gruppe von Georgios Dimitroulas. Auf dem Programm stehen traditionelle Tänze aus verschiedenen Regionen Griechenlands. Und genau diese Vielfalt macht den Reiz aus. Unterschiedliche Gegenden haben ihre eigenen musikalischen Traditionen, Rhythmen und Tanzformen. Wer bei Meraki tanzt, lernt deshalb nicht einfach eine feste Choreografie, sondern begegnet immer wieder neuen Facetten Griechenlands. Dabei muss niemand bereits tanzen können. Keine Vorkenntnisse, kein Leistungsdruck
Wer zum ersten Mal dabei ist, darf zunächst zuschauen, sich informieren und ausprobieren. Eine eigene Anfängergruppe gibt es zwar nicht, doch das Training richtet sich bewusst nach dem Leistungsstand der Gruppe. Das Tempo soll für alle passen. Das macht den Einstieg unkompliziert und nimmt zugleich eine häufige Sorge: die Angst, nicht mithalten zu können.
Gerade bei traditionellen Tänzen ist das gemeinsame Lernen ohnehin Teil des Konzepts. Man schaut auf die anderen, orientiert sich an den Bewegungen und findet nach und nach seinen eigenen Rhythmus. Was anfangs vielleicht noch ungewohnt wirkt, wird mit jeder Runde vertrauter. Und irgendwann geht es nicht mehr darum, welchen Fuß man als Nächstes setzen muss. Dann geht es um die Musik. Um das Zusammenspiel. Und um den Spaß daran, etwas gemeinsam zu können.
Trainiert wird jeden Sonntag von 15.30 bis 17.30 Uhr im ALO Dülken. Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt zehn Euro. Wer neugierig ist, muss sich allerdings nicht sofort festlegen. Interessierte können einfach vorbeikommen, sich das Training anschauen und vor Ort ihre Fragen stellen. Erst wenn die Entscheidung gefallen ist, kann beim nächsten Mal die Anmeldung erfolgen.

Dass Gruppen wie Meraki heute noch bestehen, ist keineswegs selbstverständlich. Traditionen können verloren gehen, wenn sie nicht weitergegeben werden. Tänze leben davon, dass Menschen sie kennen, sie beherrschen und sie schließlich an andere weitergeben. Genau hier liegt die kulturelle Bedeutung der Gruppe. Meraki bewahrt griechische Tradition nicht hinter verschlossenen Türen auf. Die Tänzerinnen und Tänzer bringen sie nach außen. Bei Stadtfesten, Feiern und anderen Veranstaltungen wird aus dem sonntäglichen Training eine öffentliche Begegnung.
Dann stehen die Tänzerinnen und Tänzer vor einem Publikum, das vielleicht griechische Wurzeln hat, vielleicht aber auch zum ersten Mal einen solchen Tanz sieht. Für einen Moment treffen unterschiedliche Lebensgeschichten aufeinander … verbunden durch Musik und Bewegung. Das ist kultureller Austausch in seiner unmittelbarsten Form. Man muss nicht dieselbe Sprache sprechen, um einen Rhythmus zu verstehen. Man muss nicht aus Griechenland stammen, um Freude an einem griechischen Tanz zu haben. Und man muss auch nicht die Geschichte jedes einzelnen Tanzes kennen, um zu spüren, dass darin etwas Besonderes steckt.
Für die Griechische Gemeinde Viersen gehört diese Arbeit seit vielen Jahren zu ihrem kulturellen Engagement. Seit 1979 schafft die Gemeinde Möglichkeiten, griechische Sitten, Gebräuche und Traditionen zu bewahren und gleichzeitig mit dem Leben in Viersen zu verbinden. Meraki ist ein Teil davon. Dabei geht es längst nicht nur um Menschen griechischer Herkunft. Die Gruppe steht grundsätzlich allen offen, die sich für die Tänze interessieren. Gerade das macht sie zu einer Bereicherung für die Viersener Kulturlandschaft.
Denn eine Stadt wird kulturell nicht allein durch ihre großen Bühnen und Veranstaltungen geprägt. Es sind auch die Vereine, Gruppen und Initiativen, in denen Menschen regelmäßig zusammenkommen. Sie schaffen Begegnungen, bewahren Erinnerungen und geben Traditionen einen Platz in der Gegenwart. Bei Meraki geschieht das mit Musik und Bewegung. Vielleicht ist das auch das Geheimnis des Tanzes: Er bewahrt etwas Altes, ohne stehen zu bleiben. Und manchmal reicht genau dieser eine Schritt, um ein Stück Griechenland mitten in Viersen lebendig werden zu lassen.
Tanzgruppe Meraki
Training: jeden Sonntag, 15.30 bis 17.30 Uhr
Ort: ALO Dülken, Viersen-Dülken
Tanzlehrer: Georgios Dimitroulas
Mitglieder: derzeit rund 25 aktive Tänzerinnen und Tänzer
Mitgliedsbeitrag: 10 Euro monatlich (nb)





