Vom Samen zur universellen Maßeinheit: Die faszinierende Geschichte des Karats

Wussten Sie, dass eine unscheinbare Schote einst die Welt des Handels revolutionierte? Und was haben eigentlich die Griechen damit zu tun?
Von HB-Redakteur Dietmar Thelen

Geschichte – In den Tiefen der Antike entdeckten die Griechen eine erstaunliche Eigenschaft des Johannisbrotbaumes (Ceratonia siliqua): Die Samen seiner Schoten hatten unabhängig von Größe und Form stets das gleiche Gewicht – exakt 0,2 Gramm. Dieses mathematische Wunder der Natur sollte Geschichte schreiben.

Schon in der griechischen und römischen Epoche fand die präzise gewichtete Verwendung als Maßstab für Edelmetalle und Edelsteine. Der Name „Karat“ für diese Einheit hat seine Wurzeln tief in der Vergangenheit. Das griechische Wort kerátion, was so viel wie „kleines Horn“ oder „Hörnchen“ bedeutet, verweist auf die charakteristische Form der Johannisbrot-Schoten. Arabische Händler bezogen diese Bezeichnung als qīrāṭ und brachten sie später nach Europa, wo sie im Italienischen zu Karat und schließlich im Französischen zu Karat wurde. Mitte des 15. Jahrhunderts gelangte der Begriff auch in die englische Sprache.

Der Johannisbrotbaum war nicht nur botanisch bemerkenswert, sondern prägte auch die Welt der Juweliere und Apotheker. Die unveränderliche Masse der Samen bot eine perfekte, zuverlässige Grundlage für Handelsgewichte. So wurde das Karat-Gewicht von 0,2 Gramm seit über 1000 Jahren zur universellen Maßeinheit für Edelsteine ​​und Edelmetalle.

Doch Achtung: Das Karat als Gewichtsmaß (Abkürzung: ct) unterscheidet sich vom Karat, das den Anteil reinen Goldes in einer Legierung beschreibt. Dieses sogenannte Feingehalt-Karat gibt beispielsweise an, wie viele 24-stellige Anteile einer Goldlegierung aus reinem Gold bestehen.

Das Vermächtnis des Johannisbrotbaumes lebt weiter: Seine Samen sind nicht nur Sinnbild der Naturpräzision, sondern auch Basis eines Systems, das über Kulturen und Jahrhunderte hinweg Bestand hat. Vom Horn des Johannisbrotbaumes bis zur modernen Schmuckkunst – das Karat bleibt ein Maß für Perfektion und Wert. (dt)

Foto: malubeng/Pixabay

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