Das griechische Kulturministerium setzt sein Programm zur Rettung, Organisation und Förderung des modernen Theatererbes des Landes fort. Die museografische Studie zur Umwandlung des symbolträchtigen Soutsos-Hauses in der Athener Stadiou-Straße 47 in eine Bibliothek und ein Archiv des Theatermuseums wurde abgeschlossen.
Kunst & Kultur/Athen – Die Restaurierung und Umnutzung sind Teil der integrierten Rauminvestition (ISI) des Kultursektors, die vom Kulturministerium verwaltet und vom Programm „Attika“ des Nationalen Forschungsfonds (NSRF) 2021–2027 mit einem Gesamtbudget von 9 Millionen Euro finanziert wird. Gleichzeitig wurde die Studie zur präventiven Konservierung aller beweglichen Dokumente des Theatermuseums und des Zentrums für Griechisches Theater abgeschlossen. Das Haus von Alexandros Soutsos, einem Förderer der bildenden Künste, ist Teil des gleichnamigen Nachlasses, der von der Nationalgalerie – Alexandros-Soutsos-Museum – verwaltet wird. Es handelt sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude der Moderne und es gehört zu einer Gruppe bemerkenswerter Bauwerke, die das historische Bild der Stadiou-Straße widerspiegeln, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine der zentralen Geschäftsachsen Athens war. Die gewerbliche Nutzung des Gebäudes wurde 2012 aufgegeben. Es wurde durch das Erdbeben von 2018 und den Brand von 2020 schwer beschädigt. Die Sammlung, die vor ihrem Übergang in den Besitz des Kulturministeriums in die Dauerausstellung des Theatermuseums aufgenommen wird, wurde vom Verein „Zentrum für das Studium und die Erforschung des griechischen Theaters – Theatermuseum“ (KMEET-THM) verwaltet.

Die Kulturministerin Lina Mendoni erklärte: „Als wir 2021 die gesamte Sammlung und das Archiv des Theatermuseums und des Zentrums für Griechisches Theater erwarben, leiteten wir gleichzeitig die notwendigen Schritte zur Restaurierung des Soutsos-Hauses ein, um dort die Theaterbibliothek und das geschützte Archiv des Theatermuseums unterzubringen. Bibliothek und Archiv dokumentieren mit äußerst wichtigen Elementen die Geschichte des modernen griechischen Theaters. Im selben Gebäude soll eine Dauerausstellung entstehen – ein Vorläufer der großen Ausstellung im Komplex in der Pireos-Straße 260 –, die zusätzlich zur Nutzung von Bibliothek und Archiv betrieben wird. Diese doppelte Ausrichtung, Archivierung und Ausstellung, prägt seit jeher das Erscheinungsbild des Theatermuseums. Die Ausstellungsfunktion, die zur Offenheit und öffentlichen Präsenz des Museums beiträgt, ist eng mit der zentralen Lage des Gebäudes in der Stadt und in einem historisch mit dem Theaterleben verbundenen Viertel verbunden. Die Ausstellungsfläche ist ausreichend, um den Besuchern die Gesamterzählung des Theatermuseums auf einfache Weise näherzubringen.“ Das Museum ist für die griechische und internationale Öffentlichkeit zugänglich. Der aktuelle Erhaltungszustand der Sammlungen des Theatermuseums – die Material zur Theatergeschichte vom 19. Jahrhundert bis heute umfassen – stellt aufgrund des langjährigen Mangels an geeigneten Lagerbedingungen besondere Herausforderungen an Konservierung und Lagerung dar. Nach dem Erwerb der Sammlung hat die Direktion für die Erhaltung antiker und moderner Denkmäler des Kulturministeriums wichtige Maßnahmen ergriffen, darunter die Überführung, Klassifizierung und grundlegende Dokumentation des Materials in einen neuen sicheren Raum. Zudem wurden bereits Rettungsaktionen durchgeführt und ausgewählte Objekte für die Ausstellung vorbereitet. Der Abschluss aller Untersuchungen ist der entscheidende Schritt für die effektive Verwaltung dieses einzigartigen Kulturguts, das die Geschichte und Entwicklung des griechischen Theaters dokumentiert.

Die Gesamtfläche der bestehenden Räumlichkeiten beträgt 1.974 m² und umfasst Untergeschoss, Erdgeschoss, Erdgeschoss-Loft, erstes und zweites Obergeschoss sowie ein Dachgeschoss. Die museografische Gestaltung folgt den allgemeinen Prinzipien und Zielen der Restaurierungsstudie. Diese lassen sich zusammenfassen in der Erfüllung der funktionalen Bedürfnisse durch Neubauten, die sich aus der neuen Nutzung und den modernen Anforderungen ergeben, in der Wiederherstellung der ursprünglichen Gebäudeform, in der Sicherstellung der statischen Verstärkung, in der energetischen Sanierung und in einem effektiven Brandschutz. Barrierefreiheit wird durch die entsprechende funktionale Organisation des Gebäudes und den Einsatz moderner, ästhetisch ansprechender Hilfsmittel (Beschilderung, Rampen, Treppenlifte etc.) gewährleistet. Aus statischen Gründen befinden sich die Bücherregale im Untergeschoss und auf den neuen Zwischengeschossen. Die übrigen Räume umfassen die Empfangsbereiche (Lesesaal, Räume für Bildungsprogramme), die Räume für die digitale Sammlung, die Verwaltungsbereiche und weitere Nebenräume.
Das Grundprinzip der Ausstellung, die unter dem Motto „Aspekte der Wiederbelebung des antiken Dramas im modernen Griechenland“ steht, ist die Auffassung, dass das antike Drama ein lebendiges und sich stetig weiterentwickelndes kreatives Feld ist, das in jeder Epoche durch neue szenische und ideologische Ansätze neu definiert wird. Ziel ist es, seine vielfältigen Lesarten und Transformationen im Laufe der Zeit aufzuzeigen und seine Wiederbelebung als dynamischen Prozess zu beleuchten, der auch heute noch zeitgenössische Aufführungen inspiriert. Die Darstellung wird durch ein breites Spektrum an Medien unterstützt, darunter physische Zeugnisse, Archiv- und Fotomaterial sowie Audio- und audiovisuelle Elemente, die kombiniert werden, um die Vielschichtigkeit des Theaterakts zu vermitteln.
Die Ausstellungsbeschilderung ist als hierarchisches Informationssystem aufgebaut, das vom Allgemeinen zum Speziellen führt und so das Verständnis und die Orientierung der Besucher erleichtert. Sie umfasst Schilder, Bildunterschriften und digitale Erweiterungen über QR-Codes für zusätzliches Material. Die Texte sind in Griechisch und Englisch verfügbar, und das gesamte Grafikdesign gewährleistet eine einheitliche Ästhetik, eine klare Abstufung der Informationen und ein harmonisches Zusammenspiel von physischer und digitaler Erfahrung.
Studie zur vorbeugenden Wartung
Die Studie zur präventiven Konservierung wurde von der Direktion für die Erhaltung antiker und moderner Denkmäler (DSANM) des Kulturministeriums erstellt und befasst sich mit der umfassenden Erfassung des Erhaltungszustands der Sammlungen, der Identifizierung der Schadensursachen und der Entwicklung gezielter präventiver Konservierungsmaßnahmen. Die Sammlung umfasst Ausstellungsstücke in rund 4.110 Paketen, darunter Manuskripte und Ausgaben von Theaterwerken, kritische und Pressearchive, Kostüme, persönliche Gegenstände von Künstlern, fotografische und audiovisuelle Materialien sowie eine beträchtliche Anzahl von Bühnenbildern. Faktoren wie Feuchtigkeit, Staub, biologischer Befall und ungeeignete Beleuchtung haben in der Vergangenheit einen Großteil der Objekte beeinträchtigt und die Durchführung systematischer Schutzmaßnahmen unerlässlich gemacht. Geplant ist die systematische Erfassung des Erhaltungszustands, die Desinfektion und präventive Instandhaltung der Objekte nach Materialkategorien, die Anwendung spezieller Verfahren für empfindliche Dokumente wie audiovisuelle Materialien, die Schaffung geeigneter Lager- und Verwaltungsbedingungen für die Sammlungen sowie die Einrichtung und Ausstattung moderner Konservierungslabore. Das Kulturministerium gewährleistet somit den sofortigen Schutz und die wissenschaftliche Dokumentation der Sammlungen, die dadurch für Forschungszwecke und zukünftige Ausstellungen zugänglich werden. (opm)




