Jorgos Busianis: Vom griechischen Expressionisten zum internationalen Künstler

Jorgos Busianis, geboren am 8. November 1885 in Athen als Sohn eines Weinhändlers, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten griechischen Maler des 20. Jahrhunderts. Sein künstlerischer Werdegang führte ihn von den Straßen Athens über die Kunstmetropolen Europas bis hin zu internationaler Anerkennung.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Geschichte – Im Jahr 1906 zog es Busianis mit einem Privatstipendium nach München, um seine künstlerische Ausbildung zu vertiefen. Zunächst studierte er an der Privatschule von Walter Thor, bevor er am 4. Mai 1907 an der Akademie der Bildenden Künste München aufgenommen wurde. Dort begegnete er dem etwas jüngeren Athener Giorgio de Chirico, mit dem er zeitweise ein Atelier teilte und eine kreative Freundschaft pflegte. 1909 führte ihn sein Weg nach Berlin zu Max Liebermann, einem der führenden Vertreter des deutschen Impressionismus. In dieser Zeit erlebte Busianis ein Haus in der Arcisstraße in München, beteiligte sich erfolgreich an Ausstellungen und verkaufte seine Werke über renommierte Galerien wie Ritthaler und Thannhauser. Seine Mitgliedschaft in der Münchner Künstlergenossenschaft ab 1914 und später in der „Münchner Sezession“ zeugen von seiner aktiven Rolle in der deutschen Kunstszene.

1921 zog Busianis mit seiner Familie nach Eichenau, einer kleinen Gemeinde westlich von München. Dort ließ er sich in der Zweigstraße ein bescheidenes Haus errichten und schloss sich einer lokalen Künstlerkolonie an. Zu seinen Gästen zählte unter anderem der Dichter Joachim Ringelnatz, mit dem er ausgelassene Feste feierte. Doch trotz dieser inspirierenden Umgebung verschlechterte sich seine finanzielle Lage ab 1927, dass die Familie zeitweise auf öffentliche Unterstützung angewiesen war. Ein Lichtblick war der Leipziger Galerist Heinrich Barchfeld, der Busianis von 1929 bis 1932 einen Studienaufenthalt in Paris ermöglichte. Nach seiner Rückkehr nach Eichenau sah sich der Künstler jedoch mit der düsteren Realität des Nationalsozialismus konfrontiert: Seine Werke wurden als „entartete Kunst“ diffamiert, was seine Karriere in Deutschland abrupt beendete.

1934 kehrte Busianis nach Griechenland zurück, in der Hoffnung, an der Kunsthochschule in Athen eine Lehrtätigkeit aufzunehmen. Doch der erhoffte Lehrstuhl war bereits anderweitig besetzt. Trotz dieses Rückschlags ließ sich seine Familie in Athen nieder, während sein Sohn 1936 nach München zurückkehrte, um dort zu studieren und später wieder in Eichenau zu leben.

Der Zweite Weltkrieg und die Besatzungszeit waren für Busianis von Entführungen geprägt. Dennoch schuf er in dieser Zeit einige seiner eindrucksvollsten Werke, die durch ihre intensive Farbgebung und ausdrucksstarke Pinselführung bestechen. Sein Stil, der sich durch den Verzicht auf klare Konturen und den mutigen Einsatz von Farben auszeichnete, machte ihn zu einem herausragenden Vertreter des Expressionismus.

Nach dem Krieg erlangte Busianis internationale Anerkennung: 1950 vertrat er Griechenland auf der Biennale in Venedig und wurde 1952 als erste Grieche mit dem renommierten Guggenheim-Preis ausgezeichnet. Seine Werke fanden Eingang in bedeutende Sammlungen, darunter die Nationalgalerie in Athen und verschiedene Museen weltweit. In Eichenau erinnert heute ein nach ihm benannter Platz an den Künstler, der einst das kulturelle Leben der Gemeinde bereicherte. Jorgos Busianis starb am 22. Oktober 1959 in Athen. Sein Haus in Daphne, Attika, wurde posthum in ein Museum umgewandelt, das sein künstlerisches Erbe bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich macht. (jk)

Foto: Gumtau – Gemeindearchiv Eichenau, Gemeinfrei, wikimedia.org

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