Schon lange bevor der erste Verstärker aufgedreht wurde, lag eine besondere Spannung über dem Mönchengladbacher SparkassenPark.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler und Inge Kroese
Magazin – Schwarze Bandshirts prägten das Bild, aus den Lautsprechern liefen Rockklassiker, vor den Merchandising-Ständen bildeten sich Schlangen und überall wurde über Lieblingsalben, legendäre Konzerte und den bevorstehenden Auftritt von Judas Priest diskutiert. Mit seiner dritten Ausgabe bestätigte das BOBfest eindrucksvoll seinen Platz als feste Größe im Festival-Kalender der Rock- und Metal-Szene in Nordrhein-Westfalen.
Vom frühen Nachmittag bis in die Abendstunden gehörte die Bühne ganz der lauten Gitarrenmusik. Das Konzept blieb dabei bewusst unkompliziert: Nur eine Bühne, keine Überschneidungen und damit die Möglichkeit, jeden einzelnen Auftritt vollständig mitzuerleben. Genau das schätzten die Besucherinnen und Besucher, die den gesamten Festivaltag gemeinsam von Band zu Band erlebten.

Den Auftakt machten The Gems. Die schwedische Formation sorgte mit kernigem Hard Rock für einen energiegeladenen Start und brachte das Publikum früh in Bewegung. Vor der Bühne wurde bereits nach wenigen Songs mitgeklatscht, mitgesungen und gefeiert. Die Band legte den Grundstein für einen Tag, der musikalisch kaum abwechslungsreicher hätte sein können.
Im Anschluss bewiesen Nestor, warum sie sich in den vergangenen Jahren eine stetig wachsende Fangemeinde erspielt haben. Mit ihrem hymnischen Rock, der unverkennbar an die großen Stadionbands der 1980er-Jahre erinnert, schufen die Schweden einen Kontrast zu den härteren Klängen des Festivals, ohne dabei an Druck zu verlieren. Große Refrains wechselten sich mit eingängigen Gitarrenmelodien ab und sorgten für ausgelassene Stimmung auf dem Gelände.

Eine ganz andere Atmosphäre entstand wenig später, als Beyond The Black die Bühne übernahmen. Die Band um Sängerin Jennifer Haben verband eindrucksvoll orchestrale Arrangements mit kraftvollen Metal-Riffs. Immer wieder wechselten sich epische Klanglandschaften mit harten Gitarrenpassagen ab. Jennifer Haben überzeugte dabei mit einer stimmlichen Bandbreite, die sowohl gefühlvolle als auch kraftvolle Momente mühelos miteinander verband. Zahlreiche Besucher reckten ihre Arme in den Himmel oder sangen die Refrains gemeinsam mit der Band.
Mit Phil Campbell and the Bastard Sons folgte ein Musiker, dessen Name untrennbar mit der Geschichte des Hard Rock verbunden ist. Jahrzehntelang stand Phil Campbell als Gitarrist an der Seite von Motörhead-Legende Lemmy Kilmister. Gemeinsam mit seiner Band brachte er nun diese unverwechselbare Energie zurück auf die Bühne. Besonders das angekündigte Set mit Motörhead-Songs erwies sich als einer der Höhepunkte des Nachmittags. Vor der Bühne wurden die Klassiker lautstark mitgesungen, während unzählige Fäuste im Takt der Gitarrenriffs durch die Luft flogen.

Kaum war der letzte Ton verklungen, folgte mit Airbourne der nächste musikalische Kraftakt. Die Australier lieferten genau das, wofür sie weltweit bekannt sind: kompromisslosen Hard Rock ohne Verschnaufpause. Sänger Joel O’Keeffe suchte einmal mehr die Nähe zum Publikum, kletterte mit seiner Gitarre durch die Zuschauermenge und verwandelte den Bereich vor der Bühne in einen brodelnden Hexenkessel. Jeder Song wirkte wie eine Einladung zum gemeinsamen Feiern, während Gitarren, Bass und Schlagzeug unaufhaltsam nach vorne drängten.
Mit Einbruch des Abends richteten sich schließlich alle Blicke auf die Bühne, als Judas Priest ihren mit Spannung erwarteten Auftritt begannen. Die britischen Heavy-Metal-Legenden wurden bereits beim Betreten der Bühne mit lautem Jubel empfangen. Was folgte, war eine Reise durch mehr als fünf Jahrzehnte Metal-Geschichte. Klassiker wie „Breaking the Law“, „Living After Midnight“, „Painkiller“ und „You’ve Got Another Thing Comin’“ sorgten für Gänsehautmomente und wurden von Tausenden Fans lautstark begleitet. Der SparkassenPark verwandelte sich in einen riesigen Chor, der jede Zeile mitsang und jeden Gitarrenlauf frenetisch feierte.

Dabei zeigte sich einmal mehr, welche generationsübergreifende Strahlkraft die Band bis heute besitzt. Direkt neben langjährigen Fans standen Jugendliche, die viele der Songs erst Jahre nach ihrer Veröffentlichung kennengelernt haben. Zwischen Lederjacken, Kutten und Festivalshirts feierten mehrere Generationen gemeinsam dieselbe Musik.
Auch jenseits der Bühne bot das Festival zahlreiche Möglichkeiten, den Tag zu genießen. Streetfood aus unterschiedlichsten Ländern sorgte für kulinarische Abwechslung, während Händler seltene Schallplatten, Musikliteratur und exklusive Fanartikel präsentierten. Besonders gefragt waren die limitierten Festival-Shirts und Band-Merchandise, die vielerorts bereits im Laufe des Nachmittags ausverkauft waren. Am Stand von RADIO BOB! herrschte den ganzen Tag über reger Betrieb. Gewinnspiele, Aktionen und zahlreiche Begegnungen mit Gleichgesinnten machten den Bereich zu einem beliebten Treffpunkt.

Mit rund achteinhalb Stunden Live-Musik entwickelte sich das BOBfest zu einer musikalischen Reise durch verschiedene Facetten der Rock- und Metal-Welt. Klassischer Heavy Metal traf auf modernen Symphonic Metal, schnörkelloser Hard Rock auf hymnische Stadionklänge. Gerade diese stilistische Vielfalt machte den besonderen Reiz des Festivals aus.
Als die letzten Lichter auf der Bühne erloschen und sich die Besucher langsam auf den Heimweg machten, endete ein Festivaltag, der den SparkassenPark erneut in den Mittelpunkt der internationalen Rockszene gerückt hatte. Die dritte Ausgabe des BOBfests knüpfte damit an die erfolgreichen Veranstaltungen der Vorjahre an und unterstrich eindrucksvoll, warum sich das Festival innerhalb kurzer Zeit als feste Adresse für Rock- und Metalfans etabliert hat. (sk)




