Drei Wochen lang wurde das Areos-Feld zum Treffpunkt der Literatur, des Austauschs und der kulturellen Begegnung. Das Athener Buchfestival lockte Leserinnen und Leser jeden Alters an und öffnete seine Türen auch für Verlage aus dem Ausland.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Athen – Wenn die Abendsonne über dem Areos-Feld langsam nachlässt und die Lichter der Bücherstände aufleuchten, beginnt in Athen eine besondere Zeit. Zwischen Bücherregalen, Gesprächen und neugierigen Blicken verwandelt sich der Park in einen Ort, an dem Literatur nicht nur gelesen, sondern erlebt wird. Gestern, am 20. September, ist das 54. Buchfestival nach mehr als zwei Wochen voller Begegnungen und Veranstaltungen erfolgreich zu Ende gegangen.
Vom 4. bis zum 20. September versammelte die traditionsreiche Veranstaltung Verleger, Autoren, Kulturschaffende und ein breites Lesepublikum. Organisiert vom Griechischen Buchverlegerverband (S.E.K.B.), stand das Festival in diesem Jahr unter dem Leitgedanken „Nachhaltige Entwicklung. Das Buch als Architekt von morgen.“ Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag Bücher zur Gestaltung unserer Gesellschaften, zur Bildung und zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten können.

Doch das Buchfestival war weit mehr als ein Ort für Diskussionen über die großen Fragen der Gegenwart. Es war auch ein Fest der Fantasie, der Begegnung und des gemeinsamen Staunens. Besonders die jüngsten Besucherinnen und Besucher tauchten gemeinsam mit ihren Familien in eine märchenhafte Unterwasserwelt ein. Bei der Präsentation von „Alice im Land der Fische“ von Yannis Xanthoulis, erschienen im Methexis Verlag, schien die Grenze zwischen Wirklichkeit und Erzählung für einen Moment zu verschwimmen. Kinder und Erwachsene ließen den Alltag hinter sich und folgten Alice in eine Welt voller Fische, Fantasie und überraschender Entdeckungen. Die Veranstaltung zeigte, wie Literatur Generationen verbinden und selbst einen gewöhnlichen Festivalabend in ein kleines Abenteuer verwandeln kann.
Zwischen den Ständen wurde geblättert, nach Neuerscheinungen gesucht und über Bücher gesprochen. Besucher verweilten bei Lesungen und Präsentationen, während das Festivalgelände zu einem lebendigen Schauplatz des kulturellen Austauschs wurde. Die Vielfalt des Programms reichte von Buchvorstellungen und Gesprächsrunden über Ehrungen bis hin zu musikalischen, theatralischen und pädagogischen Veranstaltungen.
Eine besondere Bereicherung waren auch die ausländischen Verlage, die als Besucher am Festival teilnahmen. Ihre Anwesenheit unterstrich die internationale Dimension der Veranstaltung und bot Gelegenheit, über literarische Verbindungen, Übersetzungen und den Austausch zwischen verschiedenen Kulturräumen ins Gespräch zu kommen.
Zu den anwesenden Verlagen gehörte auch der Kater Literaturverlag, der mit seiner deutsch-griechischen Buchreihe für die Verbindung zweier Sprach- und Kulturräume steht. Mit dabei war die frisch erschienene Anthologie „Grenzenloses Erzählen“ der Gesellschaft griechischer AutorInnen in Deutschland sowie das neuste Werk des bekannten Autors Dimitris Karagiannis „Das oleanderfarbene Martaki“ welches nun auch als eBook in deutscher Sprache erschienen ist. Solche Begegnungen machen deutlich, dass Literatur Grenzen überwinden kann: Bücher schaffen Verbindungen zwischen Menschen, Sprachen und Perspektiven und eröffnen neue Zugänge zu den Geschichten und Gedanken anderer Kulturen.
Das diesjährige Festivalthema nahm Bezug auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. In Gesprächen und Veranstaltungen wurde die Rolle des Buches als Medium der Wissensvermittlung, der Bewusstseinsbildung und des gesellschaftlichen Wandels aufgegriffen. Dabei ging es nicht nur um ökologische Fragen, sondern ebenso um Bildung, soziale Verantwortung und die Zukunft des Zusammenlebens.
Die feierliche Eröffnung hatte Anfang September in Anwesenheit des Präsidenten der Hellenischen Republik, Konstantinos Tasoulas, stattgefunden. In seiner Grußbotschaft betonte er den zeitlosen Wert des Lesens und formulierte den Gedanken: „Die Zukunft gehört denen, die lesen.“ Anschließend besichtigte der Präsident die Ausstellungsstände und sprach mit Vertretern der Verlagswelt, Autoren und Festivalbesuchern. Mit dem Ende der Veranstaltung schließt sich ein weiteres Kapitel der traditionsreichen Athener Buchfestivals. Was bleibt, sind Begegnungen, neue Bücher, angeregte Gespräche und vielleicht die eine oder andere Geschichte, die ihre Leser noch lange begleiten wird.
Das Areos-Feld ist wieder ruhiger geworden. Doch die Welt der Bücher, die dort über mehr als zwei Wochen lebendig war, wirkt weiter … in den Gedanken der Besucher, in den Regalen der Buchhandlungen und in den Geschichten, die nun ihren Weg zu neuen Leserinnen und Lesern finden. (mv)





