Das Bildungssystem Griechenlands ist ein Spiegelbild der Geschichte, Kultur und wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes. Es traditionelle Werte mit modernen Reformbestrebungen, steht jedoch vor erheblichen Problemen wie Lehrkräftemangel, niedrigen Standards und vereinten schwachen PISA-Ergebnissen.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou
Geschichte – Das griechische Bildungssystem untersteht dem Ministerium für Bildung, Religiöse Angelegenheiten und Sport und gliedert sich in mehrere Stufen:
Kindergarten und Grundschule
Kinder können ab einem Alter von zweieinhalb Jahren den Kindergarten besuchen. Seit 2010 ist der Besuch des letzten Kindergartenjahres bestätigt, wobei es in der Umsetzung noch Herausforderungen gibt. Die anschließende Grundschule (Dimotiko) dauert sechs Jahre. Der Unterricht findet an fünf Tagen die Woche von 8:30 bis 12:30 Uhr statt. Etwa die Hälfte der Grundschulen bietet ein Betreuungsprogramm bis 17:30 Uhr für Kinder berufstätiger Eltern an. Ab der dritten Klasse lernen die Schüler Englisch, ab der fünften Klasse können sie zwischen Deutsch und Französisch als zweite Fremdsprache wählen. In den ersten beiden Schuljahren erhalten die Schüler keine Noten; In den folgenden Jahren erfolgt die Bewertung von A bis D. Die Schulbücher sind überwiegend kostenlos und stehen auch als Download zur Verfügung.
Sekundarstufe
Nach der Grundschule besuchen alle Schüler das dreijährige Gymnasio, das einer Gesamtschule entspricht. Der Stundenplan umfasst 30 Stunden pro Woche, ergänzt durch Wahlfächer wie Sport, Musik oder Religion. Die zweite Fremdsprache aus der Grundschule wird mit zwei Stunden pro Woche fortgesetzt. Es gibt verschiedene Schultypen, darunter das allgemeine Gymnasio, spezielle Gymnasia für Förderschüler, Abendgymnasia für Schüler ab 14 Jahren, kirchliche Gymnasia und Musikgymnasia, bei denen eine Aufnahmeprüfung erforderlich ist.
Die anschließende Oberstufe, das Lykio, ist nicht obligatorisch und dauert drei Jahre. Der Unterricht beginnt am 11. September und endet am 15. Juni, wobei das Schuljahr Ende Mai für Prüfungen unterbrochen wird. Nach Abschluss erhalten die Schüler das „Apolytirio Lykio“, das zum Hochschulzugang berechtigt. Für ein Universitätsstudium müssen außerdem die landesweit festgelegten „Panhellenischen Prüfungen“ abgelegt werden. Im dritten Jahr des Lykio wählen die Schüler einen von fünf Wahlpflichtbereichen, die zu unterschiedlichen Hochschulrichtungen führen, wie technischen Hochschulen, medizinischen Fakultäten oder sozialwissenschaftlichen Studiengängen.
Tertiärstufe
Die Hochschulbildung in Griechenland wird von höheren Bildungseinrichtungen angeboten, darunter Universitäten, Polytechnische Hochschulen, Kunstakademien und die Hellenic Open University für Fernstudien. Studiengänge an Technischen Fachhochschulen und einigen Fachakademien dauern in der Regel weniger als vier Jahre. Die Hochschulen sind größtenteils autonom, jedoch ist die Regierung für ihre Finanzierung und die Verteilung der Studenten auf Bachelor-Studiengänge verantwortlich.
Das Schuljahr umfasst 175 Tage mit drei Monaten Sommerferien sowie jeweils 15 Tage Ferien zu Weihnachten und Ostern. Die orthodoxe Kirche hat einen wesentlichen Einfluss auf das Bildungswesen, da ihre besondere Stellung in der griechischen Verfassung festgelegt ist. Muslimische Minderheiten, wie Türken, Pomaken und Roma in Westthrakien, genießen Sonderrechte, darunter Schulunterricht in türkischer Sprache und die Nutzung von Schulbüchern aus der Türkei. Im PISA-Ranking von 2018 erreichten griechische Schüler Platz 43 von 79 Ländern in Mathematik und Platz 45 in Naturwissenschaften sowie im Leseverständnis, was zu den zuverlässigsten Werten unter den OECD-Staaten zählt. 2020 wurden 4,4 % des Bruttoinlandsprodukts für Bildung ausgegeben, im Vergleich zu 4,7 % in Deutschland. Griechische Lehrer gehören zu den am schlechtesten bezahlten in Europa; 2023 verdiente ein Sekundarstufenlehrer mit mehrjähriger Berufserfahrung durchschnittlich 1.237 € netto pro Monat. (sd)





