Im nordgriechischen Drama, unweit der Ausläufer des Pangeo-Gebirges, hat sich seit dem späten 20. Jahrhundert eine Weinlandschaft entwickelt, die von vergleichsweise jungen, zugleich aber konsequent auf Qualität ausgerichteten Betrieben geprägt ist. Zu diesen zählt das Weingut MANOLESAKI ESTATE der Familie Manolesakis, dessen Geschichte im Jahr 1989 beginnt und eng mit der Wiederbelebung des Weinbaus in der Region verbunden ist.
Von HB-Redakteurin Nadja Becker
Lifestyle/Drama – Die Anfänge des Betriebs fallen in eine Phase, in der in der Gegend um Adriani die Grundlagen für eine moderne, zugleich aber terroirorientierte Weinproduktion geschaffen wurden. Auf den Hängen nahe dem Ort Adriani wurden erste Weinberge angelegt, deren Bepflanzung bewusst auf international etablierte Rebsorten setzte. Sauvignon Blanc, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah bildeten den Ausgangspunkt eines Sortenspiegels, der sowohl an kosmopolitische Weintraditionen anknüpft als auch die klimatischen Bedingungen des Standorts berücksichtigt.

George Manolesakis zählt zu den Persönlichkeiten, die in dieser Region frühzeitig die Potenziale des Weinbaus neu bewertet und praktisch umgesetzt haben. Gemeinsam mit seinem Sohn Stavros Manolesakis ist er bis heute in sämtliche wesentlichen Arbeitsprozesse eingebunden, von der Bewirtschaftung der Weinberge bis zur Weinbereitung im Keller. Die Verbindung von persönlicher Verantwortung und unternehmerischer Kontinuität prägt die Struktur des Betriebs, in dem Entscheidungsprozesse eng an die Beobachtung der Reben und der natürlichen Gegebenheiten gekoppelt sind.
Ein zentrales Element der Betriebsentwicklung war der Ausbau der infrastrukturellen Kapazitäten im Jahr 1998. Mit der Fertigstellung moderner Produktionsanlagen auf einer Fläche von rund 1.500 Quadratmetern entstand im Herzen eines etwa 200 Hektar umfassenden Privatweinbergs ein technischer Kern, der die Verarbeitung der eigenen Trauben unter kontrollierten Bedingungen ermöglicht. Die Anlage liegt unmittelbar in den Weinbergen an den Hängen von Adriani und damit in direkter Nähe zu den Rohstoffen, die verarbeitet werden.
Die Ausrichtung des Weinbaus folgt einer klar definierten Philosophie: Die Erzeugung von Weinen ausschließlich aus den Trauben des eigenen Anbaus. Ziel ist es, die charakteristischen Eigenschaften jeder Rebsorte im Zusammenspiel mit Boden, Mikroklima und topographischen Gegebenheiten herauszuarbeiten. Die Region weist eine ausgeprägte morphologische Homogenität auf, zugleich jedoch ein semikontinentales Klima, das zwischen mediterranen und kontinentalen Einflüssen vermittelt. Kalte Winter mit regelmäßigen Niederschlägen sichern die Wasserversorgung der Reben, während heiße Sommer mit deutlichen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht eine langsame und gleichmäßige Reifung der Trauben begünstigen.
Die Weinberge sind überwiegend nach Nordwesten ausgerichtet, was die Sonneneinstrahlung moduliert und die klimatischen Extreme abmildert. Diese Kombination aus Exposition, Höhenlage und klimatischen Schwankungen gilt als entscheidender Faktor für die Entwicklung aromatischer Komplexität und struktureller Ausgewogenheit in den Weinen. Unter der Aufsicht von Stavros Manolesakis sowie in Zusammenarbeit mit einem betriebseigenen Agronomen werden regelmäßig Versuchsreihen mit verschiedenen Rebsorten durchgeführt. Dabei werden sowohl griechische autochthone als auch internationale Sorten hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit und ihres önologischen Potenzials untersucht.

Nach der ersten Phase des Aufbaus und der Etablierung internationaler Rebsorten folgte ab den frühen 2000er Jahren eine schrittweise Erweiterung des Sortenspektrums um einheimische griechische Varietäten. Ab 2004 wurden Malagouzia, Muscat of Alexandria, Assyrtiko und Agiorgitiko in die Anbauflächen integriert, wodurch eine stärkere Verankerung im regionalen Rebsortenerbe erfolgte. Weitere Ergänzungen folgten 2008 mit Moschomavro und Limnio sowie 2014 mit Pinot Noir, einer Rebsorte, die aufgrund ihrer sensiblen Ansprüche besondere Aufmerksamkeit in der Bewirtschaftung erfordert.
Die Verbindung von Tradition, Experimentierfreude und technischer Präzision spiegelt sich auch in der organisatorischen Struktur des Betriebs wider. George Manolesakis betont die Fortführung einer gewachsenen Weinbaukultur, während Stavros Manolesakis den Fokus auf die Optimierung der Produktionsabläufe und die präzise Umsetzung des Terroir-Gedankens legt. Beide Perspektiven ergänzen sich in einem Ansatz, der sowohl handwerkliche als auch analytische Elemente vereint.
Die Anerkennung der Weine des Hauses zeigt sich unter anderem in einer Reihe internationaler Auszeichnungen. Bei Wettbewerben wie den Thessaloniki Wine & Spirits Trophies wurden im Jahr 2026 mehrere Produkte mit Bronze prämiert, darunter der „Birth of a Soul Rosé 2025“, der „Birth of the Soul White 2025“, der trockene Rotwein „Estate Manolesakis 2022“ sowie die Malagouzia 2025. Bereits in den Jahren zuvor hatte die Malagouzia mehrfach internationale Aufmerksamkeit erhalten, etwa mit Bronze-Auszeichnungen beim Brussels World Competition sowie bei den Decanter World Wine Awards für Jahrgänge 2024 und 2025. Silbermedaillen wurden zudem für die Weine „Exis Rot 2024“ und „Exis Weiß 2024“ vergeben, ebenfalls im Rahmen der Decanter World Wine Awards.

Neben der Produktion spielt auch die Vermittlung der eigenen Arbeitsweise eine Rolle. Das Weingut öffnet seine Tore für Besucher, die die Abläufe von der Traube bis zur Flasche nachvollziehen möchten. Die Besichtigung umfasst die Weinberge ebenso wie die Produktions-, Abfüll- und Reifebereiche. In einem Zeitraum von etwa 30 bis 45 Minuten erhalten Gäste Einblicke in die verschiedenen Stufen der Weinbereitung. Ergänzend dazu besteht die Möglichkeit, Weine aus einer hauseigenen Auswahl zu verkosten und so einen direkten Eindruck von den unterschiedlichen Stilistiken und Rebsortenprofilen zu gewinnen.
Die enge Verzahnung von Standort, Sortenwahl und Produktionsmethoden macht das Weingut zu einem Beispiel für eine Form des Weinbaus, die ihre Grundlagen im spezifischen Mikroklima der Region verankert und gleichzeitig den Anspruch verfolgt, international anschlussfähige Weine zu erzeugen. Die Lage in der Region Adriani innerhalb der Nähe zur Stadt Drama bildet dabei den geographischen Rahmen für ein System, das auf Kontinuität, Eigenanbau und präzise Abstimmung zwischen Natur und Technik setzt (https://manolesakis.gr/). (nb)





