Gedenkmarsch in Volos begleitet laufenden Prozess im Fall Vasilis Maggos

Sechs Jahre nach den Ereignissen um den Tod des Umweltaktivisten Vasilis Maggos haben zahlreiche Menschen in der griechischen Hafenstadt Volos an einem landesweiten Gedenkmarsch teilgenommen.
Von HB-Redakteur Vangelis Makris

Volos – Im Mittelpunkt der Kundgebung standen die Forderungen nach einer umfassenden juristischen Aufarbeitung des Falls sowie nach einer Verurteilung der angeklagten Polizeibeamten. Transparente, Sprechchöre und Plakate erinnerten an den 26-jährigen Aktivisten, dessen Tod im Sommer 2020 landesweit Diskussionen über Polizeigewalt und den Umgang der Behörden mit Demonstrierenden ausgelöst hatte.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung am 13. Juli 2026 stand der derzeit geführte Prozess gegen sechs Polizeibeamte. Ihnen werden unter anderem Folter, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und weitere Straftaten im Zusammenhang mit der Festnahme und Misshandlung von Maggos im Juni 2020 vorgeworfen. Das Verfahren war mehrfach unterbrochen worden und wurde im Juli 2026 fortgesetzt.

Foto: Hellas-Bote

Die Redner auf der Kundgebung warfen den Behörden vor, die juristische Aufarbeitung über Jahre verzögert zu haben. Immer wieder erklangen Rufe nach „Gerechtigkeit für Vasilis“. Zahlreiche Demonstrierende erklärten, der Fall stehe für eine grundsätzliche Debatte über Polizeigewalt, den Schutz des Demonstrationsrechts und die Verantwortung staatlicher Institutionen.

Der Name Vasilis Maggos ist in Griechenland seit Jahren eng mit den Protesten gegen die Müllverbrennung im Zementwerk AGET-Lafarge in Volos verbunden. Am 13. Juni 2020 beteiligte sich der junge Umweltaktivist an einer Demonstration gegen die Verbrennung von Ersatzbrennstoffen in der Anlage. Einen Tag später wurde er vor dem Gerichtsgebäude von Volos festgenommen. Dabei erlitt er schwere Verletzungen und musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Rund einen Monat später wurde Maggos tot in seiner Wohnung aufgefunden. Während die offizielle Todesursache auf ein akutes Lungenödem infolge toxischer Substanzen verwies, sehen Angehörige und Unterstützer einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den körperlichen und psychischen Folgen der Misshandlungen und seinem Tod. Auch internationale Menschenrechtsorganisationen haben den Fall mehrfach dokumentiert und kritisieren die schleppende Aufarbeitung.

Bereits Anfang 2025 waren drei Polizeibeamte wegen gefährlicher Körperverletzung im Zusammenhang mit dem Angriff vor dem Gerichtsgebäude schuldig gesprochen worden. Das Gericht verhängte Freiheitsstrafen von zwei Jahren, setzte deren Vollstreckung jedoch zur Bewährung aus. Parallel dazu wurde das umfangreichere Verfahren gegen insgesamt sechs Beamte wegen schwerwiegenderer Vorwürfe eröffnet.

Die Organisatoren verbanden das Gedenken an Maggos mit weiteren politischen Themen. In ihren Redebeiträgen stellten sie Bezüge zu sozialen Protesten, steigenden Lebenshaltungskosten, Arbeitskämpfen, Wohnungsnot sowie internationalen Konflikten her. Ebenso kritisierten sie die Umweltpolitik im Zusammenhang mit industriellen Großprojekten und forderten einen stärkeren Schutz von Bürgerrechten.

Foto: Hellas-Bote

Immer wieder verwiesen Redner auf den Ursprung der Protestbewegung in Volos. Der Widerstand gegen die Müllverbrennung entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer der größten lokalen Umweltbewegungen Griechenlands. Aus Sicht der Organisatoren sei der Fall Maggos untrennbar mit diesem Konflikt verbunden, weil sein Engagement gegen die Industrieanlage letztlich zu den Ereignissen geführt habe, die nun Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren sind. Auf Bannern war unter anderem die Forderung nach einer Verurteilung der angeklagten Polizeibeamten sowie nach einem Ende staatlicher Gewalt gegen Demonstrierende zu lesen.

Der Fall Vasilis Maggos beschäftigt Griechenland mittlerweile seit sechs Jahren und gilt als einer der bekanntesten Fälle mutmaßlicher Polizeigewalt der vergangenen Jahre. Mit der Fortsetzung des Strafverfahrens richtet sich der Blick nun erneut auf die Gerichte. Für die Familie des Verstorbenen und zahlreiche Unterstützer bleibt die juristische Aufarbeitung der entscheidende Schritt bei der Klärung der Verantwortung für die Geschehnisse des Sommers 2020. (mav)