Im Glanz des roten Lebens: Griechenlands uralte Ostertradition

Es ist weit mehr als nur eine liebevolle Gepflogenheit: In Griechenland gehört das Färben von Eiern in kräftigem Rot zu den bewegendsten Bräuchen der Karwoche. Am Gründonnerstag, der in Griechenland als Μεγάλη Πέμπτη (Megali Pempti) – der „Große Donnerstag“ – bekannt ist, erfüllen sich die Häuser mit dem Duft von Zwiebelschalen und dem warmen Glanz frisch polierter Eier.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Aktuell – Die rote Farbe ist tief in der christlichen Symbolik verwurzelt. Sie erinnert an das vergossene Blut Jesu während seiner Kreuzigung – und gleichzeitig an seine triumphale Auferstehung und den Sieg des Lebens über den Tod. Das Ei selbst steht als Sinnbild für das Grab Christi, in dessen Innerem neues Leben keimt, verborgen wie das Küken in der Schale.

Der Ursprung des Brauches ist von zahlreichen Legenden umrankt. Eine erzählt von Maria, der Mutter Jesu, die den römischen Soldaten rot gefärbte Eier brachte, um sie zu Milde gegenüber ihrem Sohn zu bewegen. Ihre Tränen, so heißt es, ließen die Eier rot erstrahlen. Andere Versionen berichten davon, dass Maria Magdalena dem römischen Kaiser Tiberius rot gefärbte Eier überreichte, um ihm die Wahrheit von Christi Auferstehung zu verkünden.

Ungeachtet der Überlieferung: In nahezu jedem griechischen Haushalt werden am Gründonnerstag die Eier kunstvoll gefärbt und anschließend mit Öl zum Glänzen gebracht. Das erste Ei erhält eine besondere Weihe – es wird der Jungfrau Maria gewidmet, nicht angerührt, sondern als Schutz- und Glücksbringer bis zum nächsten Osterfest bei einer Marienikone aufbewahrt. Danach wird es feierlich auf den Feldern oder in den Ställen vergraben und soll dort Fruchtbarkeit schenken.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag folgt ein weiterer lebendiger Brauch: Beim „Tsoungrisma“ schlagen Familienmitglieder und Freunde ihre Eier gegeneinander. Das Ei, dessen Schale unversehrt bleibt, verheißt seinem Besitzer ein Jahr voller Glück und Segen.

Während heute vielfach fertige Eierfarben für das intensive Rot verwendet werden, greifen Traditionsliebhaber gern zu natürlichen Methoden: Etwa dem Färben mit Zwiebelschalen oder Roter Bete.

So färbt man Eier mit Zwiebelschalen:

500 g Schalen von roten Zwiebeln
10 weiße Eier
125 ml roten Weinessig
Wasser

Die Schalen und den Essig in Wasser aufkochen, dann 15 Minuten köcheln lassen und abkühlen. Die gewaschenen Eier anschließend im Sud kochen – je länger, desto intensiver wird das Rot.

Oder mit Roter Bete:

3–4 frische Rote-Bete-Knollen
Wasser
10 weiße Eier

Die Rote Bete kleinschneiden, mit Wasser aufkochen und die Eier darin 30 bis 45 Minuten sanft köcheln lassen.

Am Ende aber bleibt gleich, ob traditionell oder modern: Das Rot der Ostereier in Griechenland strahlt weit über das Fest hinaus – als ein lebendiges Zeugnis von Glaube, Hoffnung und neuem Leben. (mv)

Foto: Hellas-Bote