Drei Länder schließen sich zusammen, um Meeresschildkröten im Mittelmeer zu schützen

Anlässlich des kürzlich am 16. Juni gefeierten Welttags der Meeresschildkröten wird für ein weiteres Jahr die Notwendigkeit hervorgehoben, Meeresschildkröten und ihre wertvollen Ökosysteme zu schützen. Im Mittelmeer wird das Thema besonders wichtig, da die Klimakrise zunehmend Küstengebiete und Nistplätze verändert.

Natur & Umwelt – Das von der Europäischen Union mitfinanzierte LIFE Adapts-Projekt koordiniert dringende Naturschutzmaßnahmen in Griechenland, Zypern und Italien, überwacht neue Bruttrends und untersucht die Widerstandsfähigkeit von Küstenökosystemen gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Gleichzeitig intensivieren die Projektpartner die Feldaktionen und setzen in den drei Ländern öffentliche Informations- und Sensibilisierungsinitiativen um, um die gemeinsamen Anstrengungen zum Schutz der Meeresschildkröten und der Küstenökosysteme des Mittelmeerraums zu stärken.

Griechenland: Stärkung der Überwachung in neuen Bereichen

In Griechenland setzt ARCHELON seine langjährige Tätigkeit zur Überwachung und zum Schutz wichtiger Brutgebiete der Karettschildkröte (Caretta caretta) auf Kreta, auf der Peloponnes und auf Zakynthos fort. Im Rahmen des von der Europäischen Union mitfinanzierten LIFE Adapts-Projekts wurden die Feldaktionen nun auf neue Projektgebiete in Epirus und Korfu ausgeweitet.  Dort wurden bereits die ersten Erhebungen dieser Saison durchgeführt und Spuren von Meeresschildkröten festgestellt.

Während der aktuellen Laichzeit wird in diesen beiden Gebieten auch eine systematische Überwachung eingeleitet, um die Bemühungen zur Bewertung und zum Schutz neuer entstehender Brutgebiete zu stärken. Gleichzeitig werden Drohnen eingesetzt, um Nistgebiete und das Risiko eines Meeresspiegelanstiegs durch den Klimawandel zu bewerten, während an ausgewählten Stränden Thermometer installiert wurden, um Daten zu Sandtemperatur und Brutbedingungen zu sammeln. Diese Daten tragen zu einem besseren Verständnis der potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf die Fortpflanzung der Meeresschildkröten bei.

Zypern: Überwachung und Bewertung der Widerstandsfähigkeit von Stränden

In Zypern sind die Folgemaßnahmen bereits in vollem Gange. Mehr als 100 Nester beider Meeresschildkrötenarten wurden an den im Rahmen des Projekts überwachten Stränden identifiziert und geschützt, während die Erhebung von Temperaturdaten zur Bewertung der Widerstandsfähigkeit von Brutstränden gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels begonnen hat.

Gleichzeitig werden Messungen der Eigenschaften der Strände durchgeführt, mit dem Ziel, ein System zur Bewertung des Risikos durch steigenden Meeresspiegel in den Brutgebieten zu schaffen.

Italien: Zunehmende Anzahl von Nestern und Aufklärungsveranstaltungen

In Italien, von Sizilien und Kalabrien bis zum Golf von Tarent und der Toskana, laufen ebenfalls Überwachungsmaßnahmen, an denen Hunderte von Freiwilligen und Fachleuten an der Suche, dem Schutz und der Verwaltung von Nestern entlang der italienischen Küste beteiligt sind.

Diese systematische Arbeit hat in den letzten Jahren bedeutende Ergebnisse erzielt, wobei die Zahl der Nester stetig zunimmt, insbesondere in den südlichen Gebieten und an den nördlichsten Küsten. Anlässlich des Welttages der Meeresschildkröten werden in Sizilien Veranstaltungen organisiert, bei denen die ersten Nester dieser Saison registriert wurden, ebenso wie die Freilassung rehabilitierter Schildkröten, Bildungsaktivitäten und Strandreinigungen.

Die Rolle des LIFE Adapts-Projekts

Das europäische Projekt LIFE Adapts (Climate Change ADAPTations to Protect Turtles and Monk Seals), mitfinanziert von der Europäischen Union und koordiniert von der Universität Pisa, ist eine der wichtigsten Initiativen zur Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels im Mittelmeerraum.

An dem Projekt beteiligt sind unter anderem WWF Italien, ARCHELON in Griechenland, MEDTRACS, das Zentrum für Ozeanographie der Universität Zypern sowie das Department of Fisheries and Marine Research (Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Umwelt) in Zypern.

Ziel von LIFE Adapts ist es, spezifische Anpassungsstrategien zum Schutz von Flaggschiffarten wie Meeresschildkröten und dem Mittelmeer-Mönchsrobben zu entwickeln, durch die Überwachung von Brutplätzen, die Entwicklung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, die Verringerung anthropogener Belastungen an Stränden und die aktive Beteiligung lokaler Gemeinschaften.

Um diese Ziele zu erreichen, werden moderne Werkzeuge eingesetzt, wie Drohnen, Umwelt-DNA (eDNA), Satellitentelemetrie und systematische Strandüberwachung.

Mehr Nester, aber auch neue Herausforderungen

Die zunehmende Präsenz von Meeresschildkröten an der italienischen Küste ist ein sehr positives Zeichen, bringt aber gleichzeitig neue Herausforderungen mit sich. Im Zeitraum 2020–2025 wurden in den vom WWF überwachten Gebieten mehr als 1.000 Nester registriert, wobei die letzte Brutsaison einen historischen Rekord aufstellte.

In Griechenland wurden bereits mehr als 1.000 Nester von ARCHELON-Freiwilligen und Forschern für 2026 an den wichtigsten Niststränden des Landes registriert und geschützt.

Allerdings bedrohen steigende Sandtemperaturen, steigende Meeresspiegel und menschliche Aktivitäten an den Stränden den Fortpflanzungserfolg der Art und das Überleben der Küken.

Koordinierte Aktionen im gesamten Mittelmeer

Der Wert von LIFE Adapts liegt in seiner internationalen Dimension, die es ermöglicht, die Klimakrise auf mediterraner Ebene durch den Austausch von Wissen und Erfahrungen anzugehen.

Griechenland beherbergt einige der wichtigsten Niststrände für Meeresschildkröten im Mittelmeer, mit Rekordzahlen an Nestern, die das Land zu einem Maßstab für Naturschutz und wissenschaftliche Forschung machen. Im Jahr 2025 haben ARCHELON-Freiwillige und Forscher an etwa 97 Kilometern Stränden in Zakynthos, dem Peloponnes und Kreta etwa 10.700 Karettkopfnester erfasst und geschützt. Im Golf von Kyparissia wurden etwa 6.100 Nester registriert, was einen Anstieg von 74 % gegenüber dem Durchschnitt der vorangegangenen zwölf Jahre darstellt. Ausgrabungen der Nester am Ende der Periode zeigten, dass etwa 490.000 Jungtiere es sicher ins Meer schafften.

Zypern hingegen ist ein Anwendungsgebiet innovativer Überwachungsmethoden, während die Tatsache, dass beide Arten der Mittelmeerschildkröten (Karettschildkröte und Grüne Karettschildkröte) an den Stränden nisten, einzigartige Möglichkeiten für vergleichende Forschung zu den Auswirkungen des Klimawandels bietet.

Trotz ihrer Unterschiede nähern sich die Maßnahmen in den drei Ländern auf gemeinsame Ziele:

  • Verständnis der Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf Laichgebiete
  • Identifizierte Strände, die trotz steigender Temperaturen für die Produktion männlicher Küken geeignet bleiben können
  • Schutz kritischer Strände und Lebensräume, die durch Erosion und menschliche Aktivitäten bedroht sind
  • Entwicklung von Anpassungsstrategien, die im gesamten Mittelmeerraum umgesetzt werden können
  • Aktive Beteiligung von Bürgern, Fachleuten und Institutionen an einem gemeinsamen Einsatz

Auf diese Weise trägt das Projekt maßgeblich zur Bewältigung einer globalen Herausforderung bei: Der Schutz der Meeresschildkröten bedeutet sowohl widerstandsfähigere Küstenlinien als auch widerstandsfähigere lokale Gemeinschaften.

Ein Aufruf an alle

Der Welt-Meeresschildkrötentag ist eine Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass der Schutz ihrer Schildkröten eine gemeinsame Verantwortung ist. ARCHELON lädt Bürger, Besucher und Fachleute dazu ein, aktiv mitzuwirken, indem sie Belästigungen an Niststränden vermeiden, künstliche Beleuchtung einschränken und Eingriffe, die die natürliche Umwelt stören, reduzieren.

„Meeresschildkröten zu schützen bedeutet, unsere Küsten zu schützen und sich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Die Lösungen, die wir für diese Arten umsetzen, sind dieselben, die wir brauchen, um die Klimakrise zu bewältigen.“

Erfahren Sie mehr über das LIFE Adapts-Projekt auf https://archelon.gr/news/life-adapts Website (opm)