Giardini-Naxos, Sizilien – Ein Ort, an dem sich antike Träume mit dem Rauschen der Wellen vermischen.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler
Reisen – Die malerische Gemeinde an der Ostküste Siziliens, nur einen Steinwurf von Taormina entfernt, ist weit mehr als ein beliebter Badeort. Giardini-Naxos ist ein lebendiges Echo der Vergangenheit – ein Ort, an dem die ersten griechischen Kolonisten vor fast 2800 Jahren das Licht der westlichen Zivilisation entzündeten.
Im Jahr 735 v. Chr. setzten die ersten Griechen aus Chalkis auf Euböa ihre Segel Richtung Westen. Sie landeten an einem sanft geschwungenen Küstenstreifen Siziliens, der heute unter dem Namen Giardini-Naxos bekannt ist – und gründeten dort Naxos, die erste griechische Kolonie auf Sizilien. Diese Pioniertat markierte den Beginn einer weitreichenden Hellenisierung der Insel, die sich von hier aus nach Katane (Catania, 730 v. Chr.), Leontinoi (Lentini) und vermutlich auch nach Zankle (heutiges Messina, um 728 v. Chr.) ausbreitete.
Naxos war mehr als nur ein Siedlungsprojekt – es war ein spiritueller und kultureller Neuanfang, in dem griechische Sprache, Götterwelt, Philosophie und Handelskunst Einzug in das westliche Mittelmeer hielten. Die Stadt war mit Mauern umgeben, Tempeln geschmückt und von einer lebendigen Agora erfüllt – ein kleiner hellenistischer Kosmos an der sizilianischen Küste.
Die Blütezeit von Naxos währte jedoch nicht ewig. Hippokrates von Gela unterwarf die Stadt, und während des Peloponnesischen Krieges schlug sich Naxos 415 v. Chr. auf die Seite Athens. Diese Entscheidung sollte verhängnisvoll sein. Im Jahr 403 v. Chr. wurde Naxos von Dionysios I. von Syrakus zerstört. Die überlebenden Bewohner fanden Zuflucht im benachbarten Tauromenion, dem heutigen Taormina.
Doch obwohl die Stadt zerfiel, blieb ihr Geist erhalten. In der heutigen Gemeinde Giardini-Naxos lebt dieses Erbe weiter – nicht nur in Steinen, sondern im Herzen der Stadt.
Wer durch die Straßen von Giardini-Naxos wandert, spürt die Nähe zur Geschichte. Besonders eindrucksvoll ist der Archäologische Park von Naxos, direkt am Meer gelegen. Hier können Besucher die Reste antiker Stadtmauern, Fundamente eines Aphrodite-Tempels und zahlreiche archäologische Fundstücke bestaunen. Das angeschlossene Museum bewahrt kostbare Artefakte, die die Verbindung zwischen Griechenland und Sizilien über Jahrtausende hinweg dokumentieren.
Ein stilles Wahrzeichen aus späterer Zeit ist die Kirche Maria SS. Raccomandata aus dem 18. Jahrhundert – ein Zeugnis der spirituellen Kontinuität, das sich harmonisch in das historische Erbe einfügt.
Heute leben rund 9363 Menschen in Giardini-Naxos. Sie arbeiten vor allem im Tourismus und in der Landwirtschaft, doch viele von ihnen verstehen sich auch als Hüter einer einzigartigen Vergangenheit. Die Nähe zu Messina (50 km), Catania (40 km) und die Anbindung über die A18 sowie den Bahnhof Taormina-Giardini machen den Ort gut erreichbar. Der Flughafen Fontanarossa in Catania bringt Gäste aus aller Welt an diesen geschichtsträchtigen Küstenabschnitt. (sk)





