Der Palmenstrand von Preveli zählt zu den landschaftlich faszinierendsten Orten auf der Insel Kreta. Eingebettet in die raue Küstenlandschaft an der Südküste der Insel, bietet er eine einzigartige Kombination aus Natur, Geschichte und Erholung. Die dichten Palmenhaine, die von einer wilden Schlucht umgebenen Felsen und die idyllische Lage am Libyschen Meer machen Preveli zu einem der bemerkenswertesten Reiseziele Kretas.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou
Reisen/Kreta – Der Palmenstrand von Preveli liegt etwa 23 Kilometer südlich von Rethymno, der Hauptstadt des Regionalbezirks, und etwa 8,5 Kilometer südöstlich von Plakias. Er liegt in einer kleinen, durch Felsformationen abgeschirmten Bucht an der Küste des Libyschen Meeres. An der Stelle, wo der Megalopotamos (auch Kourtaliotis genannt) in das Meer mündet, hat sich über Jahrtausende eine dramatische Schlucht, die Preveli-Schlucht, geformt. Der Fluss fließt von den Bergen des Kouroupa-Massivs herab und mündet in die Lagune des Preveli-Strandes.
Die felsigen Ausläufer der Schlucht und der angrenzenden Berge umschließen den Strand und lassen ihn wie einen geheimen Rückzugsort wirken. Die gesamte Umgebung wird von der rauen Natur Kretas dominiert, die sich harmonisch mit den sanften Palmenhainen vereint.

Der Palmenstrand von Preveli ist besonders bekannt für seinen dichten Hain der kretischen Dattelpalme ( Phoenix theophrasti ), der dem Strand seinen charakteristischen exotischen Charme verleiht. Diese Palmenart ist eine der wenigen Palmenarten Europas und kommt neben Preveli vor allem am Strand von Vai im Osten Kretas vor.
Der Strand selbst erstreckt sich über etwa 210 Meter und ist bis zu 50 Meter breit. Der Sand hat eine leicht graue Färbung, die dem Strand ein wildes und naturbelassenes Erscheinungsbild verleiht. Der Megalopotamos bildet kurz vor seiner Mündung einen kleinen See, der von Palmen und Schilf umgeben ist und von den Touristen häufig für entspannende Bootsausflüge genutzt wird. Die malerischen Tamarisken und der üppige Oleander bieten den Besuchern natürlichen Schatten, während das klare Wasser des Libyschen Meeres zum Baden einlädt.
Die Preveli-Schlucht birgt nicht nur natürliche Schätze, sondern auch archäologische. Im Jahr 2009 entdeckten amerikanische Archäologen Steinwerkzeuge, die auf ein Alter von etwa 130.000 Jahren datiert wurden. Diese Entdeckung ist besonders bedeutsam, da sie nahelegt, dass Kreta bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war. Die Werkzeuge, die zu Schab- und Spaltgeräten verarbeitet wurden, weisen darauf hin, dass ihre Ersteller wahrscheinlich über den Seeweg nach Kreta gelangten, was auf hochentwickelte Seefahrtstechniken bereits in dieser frühen Epoche hingewiesen wurde.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Palmenstrand von Preveli zu erreichen. Die beliebteste Route führt über einen steilen, aber mittlerweile gut ausgebauten Pfad entlang der Felsen, der von einem Parkplatz der Schlucht oberhalb ausgeht. Von hier aus führt der Weg über Stufen und Serpentinen hinab zum Strand. Obwohl dieser Weg anstrengend sein kann, wird man mit atemberaubenden Aussichten auf die Schlucht und das Meer belohnt.
Eine weitere Möglichkeit bietet der Nachbarstrand Drymiskiano Ammoudi im Osten, von dem aus ein ebenfalls beschwerlicher Pfad zum Palmenstrand führt. Alternativ verkehren in der Hochsaison Boote von Plakias und Agia Galini, die Besucher direkt zum Strand bringen. Der schwerste, aber auch abenteuerlichste Zugang führt durch die Preveli-Schlucht selbst, was jedoch eine Herausforderung darstellt, da einige Stellen nur kletternd oder schwimmend überwunden werden können.
Nicht nur der Strand selbst, sondern auch seine Umgebung ist reich an Sehenswürdigkeiten. Oberhalb der Preveli-Schlucht thront das historische Kloster Moni Preveli, das im 16. Jahrhundert gegründet wurde. Es spielte eine bedeutende Rolle während der kretischen Aufstände gegen die Osmanen und war während des Zweiten Weltkriegs ein Zufluchtsort für Widerstandskämpfer.
In der Nähe des Strandes befinden sich außerdem die Ruinen des Kato Moni Preveli, eines älteren Klosters, das im 19. Jahrhundert bei einem Aufstand niedergebrannt wurde. Auch die kleine Kapelle Agios Savvas, die versteckt inmitten der Bäume am östlichen Ufer des Strandes liegt, gehört zu den interessanten historischen Überresten der Region. (sd)





