Mitten im Herzen der antiken Agora erhebt sich der Tempel des Hephaistos, ein nahezu unversehrtes Monument griechischer Baukunst, das den Glanz der Vergangenheit bis heute ausstrahlt. Aus pentelischem Marmor errichtet, beeindruckt dieser dorische Ringhallenstempel mit einer Anmut, die ihn zu einem der besterhaltenen antiken Heiligtümer der griechischen Welt macht.
Von HB-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz
Reisen/Athen – Lange Zeit wurde der Tempel als Theseion bezeichnet, da die Byzantiner glaubten, hier ruhten die Gebeine des legendären Helden Theseus. Doch Bauinschriften und archäologische Funde machen klar, dass der Tempel Hephaistos gewidmet ist, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Besonders die metallverarbeitenden Werkstätten im umliegenden Viertel machen deutlich, warum Hephaistos als Patron dieser Handwerker hier verehrt wurde.
Der Bau begann um 449 v. Chr. und zog sich über zwei Jahrzehnte hin, bis der Tempel 415 v. Chr. schließlich geweiht wurde. In einer Zeit politischer Umbrüche entstand, konnte das Bauwerk während des Nikias-Friedens vollendet werden. Dieser geschichtliche Kontext ist bis heute auf der Agora spürbar. Der Tempel erhebt sich auf einer dreistufigen Basis aus Kalkstein und Marmor. Seine dorischen Säulen erstrecken sich in einer anmutigen Harmonie von 13,71 Meter Breite und 31,78 Meter Länge und tragen einen metopenverzierten Fries, der an der Ostseite Szenen aus dem Leben des Herakles und Theseus zeigt. Besonders bemerkenswert ist die Verwendung von Parischem Marmor, die prachtvolle, skulptierte Metopen und blaue und rote Farbkontraste zur Schau stellt.
Im Inneren des Tempels finden sich zusätzliche ionische Akzente – ein faszinierender Bruch zur sonst streng dorischen Architektur. Die Cella, der Innenraum, verwaltete einst die Kultbildgruppe von Hephaistos und Athena, vermutlich eine meisterhafte Arbeit des Bildhauers Alkamenes. Die Säulenanordnung erinnert an den Parthenon und lässt den Raum monumental erscheinen, trotz einer nachträglichen Planänderung, die ihn verkürzte.
Während der byzantinischen Zeit wurde der Tempel in eine christliche Kirche umgewandelt und dem Heiligen Georg gewidmet. Diese sakrale Transformation halb, das Gebäude durch die Jahrhunderte zu bewahren, obwohl viele Verzierungen zerstört wurden. Während der osmanischen Herrschaft blieb es die bedeutendste griechisch-orthodoxe Kirche in Athen. König Otto I., der erste König des modernen Griechenlands, wurde 1834 mit einer Messe in dieser Kirche empfangen. Später diente das „Theseion“ als erstes archäologisches Museum Athen. (cs)





