Die Luft in der Kölner Kantine war bereits dicht vor Erwartung, lange bevor der erste Ton erklang. Am Mittwochabend drängten sich mehrere hundert Besucher in der ausverkauften Halle, um eine Musikerin zu erleben, die in den vergangenen Jahren zu den prägendsten Stimmen des modernen Bluesrocks geworden ist.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler
Magazin – Als Samantha Fish schließlich mit ihrer Band auf die Bühne trat, entwickelte sich der Abend zu einer Demonstration musikalischer Energie, technischer Präzision und ungebremster Spielfreude. Das Konzert bildete die erste von drei exklusiven Deutschlandstationen der „Paper Doll World Tour“. Neben Köln stehen auch Berlin und München auf dem Tourplan, wo die amerikanische Gitarristin ihr aktuelles Album „Paper Doll“ live vorstellt. Die Musikerin aus Kansas City hat sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt zu einem internationalen Headliner entwickelt. Eine Grammy-Nominierung für das 2023 erschienene Album „Death Wish Blues“, aufgenommen gemeinsam mit dem Rockmusiker Jesse Dayton, sowie ihr Auftritt als Opener beim Abschlusskonzert der Rolling-Stones-Tour 2024 markieren wichtige Stationen dieser Entwicklung.

Bevor Fish jedoch die Bühne übernahm, gehörte der Auftakt des Abends einem jungen Trio, das derzeit ebenfalls zunehmend Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Zac Schulze Gang eröffnete das Konzert mit einem Set, das von kompromisslosem Bluesrock geprägt war. Die drei Musiker verzichteten auf lange Ansagen oder dramaturgische Spielereien und setzten stattdessen auf unmittelbare musikalische Wirkung.
Frontmann Zac Schulze dominierte den Sound mit seiner Gitarre, meist gespielt auf einer schwarzen Fender Stratocaster. Der Ton war rau und druckvoll, die Riffs schnörkellos und direkt. In der Mitte des Sets griff er kurz zu einer Telecaster, um eine energische Version von „She Does It Right“ der britischen Pub-Rock-Band Dr. Feelgood zu spielen. Die Interpretation ließ kaum Zweifel daran, dass sich die Band stark an den klassischen Blues- und Rocktraditionen orientiert.

Über weite Strecken des etwa dreißigminütigen Auftritts hielt das Trio das Tempo hoch. Nur ein einziger Song nahm das Tempo kurzzeitig zurück, bevor die Band wieder in ein rasantes Rhythmusgeflecht zurückkehrte. Besonders Songs wie „High Roller“, „Walking the Dog“, „Woman“ und „Hole in My Pocket“ sorgten für spürbare Bewegung im Publikum.
Die Zac Schulze Gang hat sich in kurzer Zeit einen Namen in der europäischen Bluesrock-Szene gemacht. 2024 erhielt die Formation den UK Blues Emerging Band of the Year Award, ein Jahr später folgte die Auszeichnung als Young Artist of the Year. Ihr erstes Studioalbum „Straight to It“, das im September 2025 erschien, bildet derzeit den Kern ihres Live-Repertoires. Der Auftritt des Trios wirkte wie eine musikalische Verbeugung vor einer Zeit, in der Gitarrensoli nicht auf wenige Sekunden reduziert waren, sondern Raum für improvisierte Ausdehnung bekamen. Für viele Besucher, die sichtbar mit dieser Tradition aufgewachsen sind, schien das Konzert damit bereits vor dem eigentlichen Hauptact eine vertraute Atmosphäre zu schaffen.
Als Samantha Fish schließlich die Bühne betrat, änderte sich die Dynamik des Abends spürbar. Ohne große Einleitung setzte die Band mit dem Titelsong ihres neuen Albums ein. „Paper Doll“ eröffnete das Konzert mit einem markanten Slide-Riff, das sofort die Richtung vorgab: kraftvoller, gitarrenbetonter Bluesrock, getragen von einem dichten Rhythmusfundament.
Fish wird auf dieser Tour von einer eingespielten Formation begleitet. Ron Johnson am Bass, Jamie Douglass am Schlagzeug und Mickey Finn an den Keyboards bilden das Rückgrat des Bandsounds. Gemeinsam mit ihnen hat sie auch das aktuelle Album aufgenommen – ein Projekt, das bewusst eng an der Energie ihrer Liveauftritte orientiert wurde. Die Songs entstanden während einer intensiven Tourphase, wodurch sie bereits im Studio eine unmittelbare Bühnenatmosphäre bewahrten.
„Paper Doll“ umfasst neun Stücke, die sich stilistisch zwischen klassischem Blues, Rock und weiteren amerikanischen Musiktraditionen bewegen. Diese Vielseitigkeit spiegelte sich auch im Konzertprogramm wider. Zwar blieb der Bluesrock das dominante Element des Abends, doch immer wieder schimmerten Einflüsse aus Country, Funk oder Americana durch.
Die Bühne der Kantine verwandelte sich dabei schnell in einen Ort konzentrierter musikalischer Dynamik. Fish wechselte mehrfach die Gitarren, jede mit eigenem klanglichen Charakter. Eine weiße Gibson SG lieferte den aggressiven Rocksound, während eine silberne Gibson ES-335 wärmere Bluesfarben beisteuerte. Ergänzt wurde das Arsenal durch eine Delaney-Gitarre und eine Supro Belmont. Verstärkt wurde der Sound über einen Mesa/Boogie-Verstärker, der den Gitarrenklang mit hoher Durchsetzungskraft in den Raum trug. In Kombination mit dem treibenden Schlagzeugspiel von Jamie Douglass und dem präzisen Bass von Ron Johnson entstand ein dichter, druckvoller Gesamtklang.
Besonders eindrucksvoll war ein Moment, in dem Fish zu einer Zigarrenkisten-Gitarre griff. Dieses einfache Instrument, bekannt aus der frühen Bluesgeschichte, verlieh dem Song „Poor Black Mattie“ eine rohe, fast archaische Klangfarbe. Der Titel, ursprünglich von RL Burnside, entwickelte sich zu einem der emotionalen Höhepunkte des Konzerts. Neben ihrem virtuosen Gitarrenspiel überzeugte Fish auch als Sängerin. Ihre Stimme besitzt eine raue, charaktervolle Färbung, die hervorragend zu den bluesgetränkten Songs passt. Gleichzeitig verfügt sie über genügend Kraft, um sich mühelos gegen die laut spielende Band zu behaupten.
Zu den markanten Momenten des Abends gehörten unter anderem „I’m Done Runnin’“, „Bulletproof“, „Dream Girl“, „Fortune Teller“ und „Better Be Lonely“. In diesen Songs zeigte sich die ganze Bandbreite ihres musikalischen Ausdrucks – von riffgetriebenem Rock bis zu atmosphärisch dichter Bluesdramaturgie. Ein weiteres Highlight bildete „Black Wind Howling“, das mit dunkler Klangfarbe und ausgedehnten Gitarrenlinien eine fast hypnotische Wirkung entfaltete. Die Kantine reagierte darauf mit lautem Applaus und rhythmischem Mitklatschen.
Der dramaturgische Aufbau des Konzerts war auffällig kompakt. Zwischen den Songs ließ sich Fish kaum Zeit für längere Ansagen; stattdessen ging ein Stück beinahe nahtlos in das nächste über. Diese Struktur hielt die Spannung hoch und verlieh dem gesamten Auftritt einen fließenden Charakter.
Gegen Ende des Konzerts folgte eine besonders ausgedehnte Version von „Going Down South“. Der Song entwickelte sich zu einer improvisierten Bluesrock-Session, in der Fish ihre Gitarrenarbeit immer weiter steigerte. Die Band reagierte darauf mit einem stetig anwachsenden Rhythmus, der das Publikum förmlich mitriss. Für die Zugabe ergab sich schließlich eine unerwartete Begegnung zweier Generationen von Bluesrock-Gitarristen. Zac Schulze kehrte auf die Bühne zurück, diesmal mit eigener Gitarre, und spielte gemeinsam mit Samantha Fish und ihrer Band den finalen Song des Abends. Der spontane Zusammenschluss sorgte im Saal für zusätzlichen Jubel. Der gemeinsame Jam entwickelte sich zu einem ausgedehnten Finale, das den Abend mit einem letzten Energieschub abschloss. Als die Musiker schließlich die Bühne verließen, blieb ein Publikum zurück, das einen intensiven Konzertabend erlebt hatte – geprägt von Gitarrenriffs, rhythmischer Wucht und der ungebrochenen Faszination des Bluesrocks. (sk)





