Apelles, der unsichtbare Meister der Antike

In der goldenen Dämmerung des antiken Griechenlands, als Philosophie und Kunst in harmonischem Einklang standen, lebte ein Maler, dessen Name die Jahrhunderte überdauerte, obwohl keines seiner Werke die Zeit überstand: Apelles. Geboren zwischen 375 und 370 v. Chr. in Kolophon oder Ephesos, durchlief er eine künstlerische Ausbildung bei Ephoros und dem renommierten Pamphilos von Sikyon, einem Verfechter der Verbindung von Malerei mit Mathematik und Geometrie.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Geschichte – Apelles Ruhm wuchs rasch, und er wurde zum bevorzugten Maler am Hof Alexanders des Großen. Nur er durfte den Herrscher porträtieren, eine Ehre, die auch dem Bildhauer Lysipp und dem Steinschneider Pyrgoteles zuteil wurde. Seine Werke, obwohl verloren, leben in den Beschreibungen antiker Autoren weiter. Besonders berühmt war das Gemälde der „Anadyomene“, das die Göttin Aphrodite zeigt, wie sie dem Meer entsteigt und sich das Wasser aus dem Haar wringt. Dieses Bild wurde später nach Rom gebracht und im Tempel des Asklepios auf Kos ausgestellt.

Eine weitere bedeutende Darstellung war die „Verleumdung des Apelles“, ein allegorisches Werk, das auf eine falsche Anschuldigung gegen ihn zurückgeht. Der Maler Antiphilos hatte ihn beim König Ptolemaios I. beschuldigt, an einer Verschwörung beteiligt gewesen zu sein. Nachdem sich seine Unschuld herausstellte, schuf Apelles dieses Gemälde als Reaktion auf die Intrige.

Apelles Einfluss reichte weit über seine Zeit hinaus. In der Renaissance wurde er zum Inbegriff des idealen Künstlers. Sandro Botticelli ließ sich von der „Verleumdung des Apelles“ inspirieren und schuf ein gleichnamiges Gemälde, das heute in den Uffizien in Florenz zu sehen ist. (jk)

Apelles, Attikafigur auf dem Kunsthistorischen Museum Wien – Foto: Manuela Gößnitzer, CC BY-SA 4.0, wikimedia.org