Die Orientalische Hornisse (Vespa orientalis) – eine Bewohnerin wüstenartiger Regionen und eine imposante Kreatur mit einzigartiger Anpassung – ist ein faszinierendes Beispiel für die evolutionäre Brillanz der Natur.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Diese besondere Hornissenart, in Teilen Europas heimisch, hat die Fähigkeit, Wüstenhitze zu ertragen und sich sowohl in heißen, trockenen Umgebungen als auch in urbanisierten Landschaften wohlzufühlen. Besonders in Griechenland begegnet man den orientalischen Hornisse in den warmen, sonnigen Gebieten des Peloponnes und auf der Insel Zypern, wo sie sich perfekt an das mediterrane Klima angepasst haben. Doch was zeichnet diese beeindruckende Wespe aus, welche Arten und Farbvarianten es gibt und wie gestaltet sich ihr Leben in menschlicher Nähe? Ein tieferer Blick in die faszinierende Welt dieser Hornisse bringt Aufschluss über eine der erstaunlichsten Wespenarten der Welt.
Die Orientalische Hornisse beeindruckt mit ihrer Größe: Arbeiterinnen erreichen eine Länge von etwa 25 Millimetern, während die Königinnen auf bis zu 35 Millimeter anwachsen. Optisch hebt sich die Vespa orientalis durch ihre warme braune Grundfarbe ab, die in den meisten Fällen von markanten gelben Binden oder Flecken durchzogen wird. Dies unterscheidet sie von der bekannten Europäischen Hornisse (Vespa crabro), deren Hinterleib leuchtend gelb-schwarz gefärbt ist, und von der eingeschleppten Asiatischen Hornisse (Vespa velutina), die hauptsächlich schwarz mit einem gelben Band auf dem vierten Tergit erscheint.
Die Orientalische Hornisse zeigt eine überraschende Vielfalt in ihrer Farbgebung, die sich je nach Region unterscheidet. Diese Farbvarianten, wie Vespa orientalis jurinei aus Albanien mit dunkelbraunem, schwarzem Hinterleib oder Vespa orientalis aegyptica aus Ägypten mit größeren gelben Flecken, sind von ihrem Ursprungsgebiet beeinflusst. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei diesen Varianten jedoch nicht um eigenständige Unterarten, sondern lediglich um regionale Farbmuster handelt.
Eine der faszinierendsten Eigenschaften der Orientalischen Hornisse ist die Fähigkeit, Sonnenenergie zu nutzen. Forschungen der Universität Tel Aviv entdeckten in den frühen 1990er Jahren die außergewöhnliche Fähigkeit der Hornissen-Kutikula, Licht in elektrische Energie umzuwandeln. Diese natürliche Solarzellen-Funktion könnte der Hornisse dabei helfen, ihre Aktivitäten an heißen Tagen zu unterstützen, indem sie die gewonnene Energie sowohl zur Kühlung als auch zur Wärmeerzeugung nutzen kann.
Die Vespa orientalis besiedelt ein weites Gebiet, das sich von der östlichen Mittelmeerregion bis nach Indien und Nordafrika erstreckt. In Griechenland ist die Kunst vor allem auf dem Peloponnes und auf Zypern verbreitet, wo die Hornisse den trockenen, heißen Sommern trotzt und sowohl in städtischen als auch ländlichen ländlichen Gebieten lebt. In Europa kommt sie hauptsächlich im Südosten vor, von Albanien über Bulgarien bis Süditalien. Ein überraschender Fund der Orientalischen Hornisse in Marseille 2021 deutete auf eine mögliche Einschleppung hin, während eine Sichtung im August 2024 in Deutschland sogar die erste dokumentierte Präsenz in Mitteleuropa markierte.
Die Orientalische Hornisse baut ihre Nester vorwiegend unterirdisch, meist in verlassenen Bauten von Kleinsäugern. Dabei erreicht die Nesttiefe bis zu 60 Zentimeter. Auch wenn oberirdische Nester existieren, bevorzugt die Hornisse die Deckung des Bodens. In urbanen Gebieten wie den Dörfern und Städten Griechenlands wählt sie häufig Bauwerke und menschliche Siedlungsbereiche für ihre Nester. Einmal gegründet, wächst das Volk langsam heran: Ab etwa Mitte Juli erreicht ein durchschnittliches Nest eine Größe von rund 250 Arbeiterinnen, die Zahl kann bis September auf 400 anwachsen.
Die Orientalische Hornisse ist bei Imkern gefürchtet, denn sie ist ein geschickter Jäger von Honigbienen. Diese werden oft direkt am Flugloch der Bienenstöcke abgefangen, und die Hornissen plündern in geschwächten Völkern auch den wertvollen Honigvorrat.
Obwohl die Orientalische Hornisse von Imkern als Plage betrachtet wird, spielt sie eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie ist ein wesentlicher Nahrungsbestandteil für den Bienenfresser, einen Vogel, der im Sommer große Kolonien bildet und Hornissen jagt. Auch Gottesanbeterinnen sind natürliche Feinde, die die Hornissen trotz ihrer Stachelabwehr erfolgreich als Nahrung nutzen. (pv)





