Panagis Tsaldaris, geboren 1868 im malerischen Kamari in der Region Korinthia, war eine zentrale Figur der griechischen Politik in der turbulenten ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Geschichte – Seine akademische Laufbahn begann mit einem Studium der Rechtswissenschaften an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen, das er durch weiterführende Studien in Berlin und Paris ergänzte. Nach seiner Rückkehr nach Griechenland etablierte er sich als angesehener Rechtsanwalt und überzeugte sich den Respekt seiner Kollegen.
1919 heiratete Tsaldaris Lina Lambrou, die später als erste Frau ein Ministeramt in Griechenland bekleidet war und bis zu ihrem Tod 1981 eine bedeutende Rolle im politischen Leben des Landes spielte. Sein Neffe, Konstantinos Tsaldaris, trat in seine Fußstapfen und wurde ebenfalls Ministerpräsident.
Tsaldaris politischer Werdegang nahm 1910 Fahrt auf, als er erstmals als Abgeordneter in die Nationalversammlung gewählt wurde, ein Mandat, das er bis zu seinem Tod innehatte. Während der Spannungen zwischen König Konstantin I. und Ministerpräsident Eleftherios Venizelos stellte er sich auf die Seite des Monarchen. Nach Venizelos Rücktritt ernannte er 1915 das Amt des Justizministers im Kabinett von Dimitrios Gounaris. Seine Loyalität zum König führte jedoch während der Rückkehr von Venizelos zu seiner Verhaftung und anschließenden Deportation auf verschiedene ägäische Inseln von 1917 bis 1920.
Nach der Hinrichtung von Gounaris im Jahr 1922 übernahm Tsaldaris den Vorsitz der Volkspartei. Obwohl seine Partei 1923 von den Wahlen ausgeschlossen wurde, setzte er sich 1924 für die Wiederherstellung der Monarchie unter König Georg II. ein. ein. Während der Diktatur von General Theodoros Pangalos positionierte er sich als entschiedener Gegner des Regimes. Nach den Wahlen von 1926 trat er als Innenminister in der Regierung von Alexandros Zaimis ein, trat jedoch 1927 aufgrund von Differenzen über die Währungspolitik zurück.
In den Jahren 1928 bis 1933 führte Tsaldaris die Volkspartei in einer entschiedenen Opposition gegen die Regierung von Venizelos. Nach den Wahlen von 1932, bei denen seine Partei knapp hinter den Liberalen lag, hoffte er ein Angebot zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit ab. Stattdessen bildete er im November 1932 eine Koalitionsregierung mit Georgios Kondylis und Ioannis Metaxas, die jedoch bereits im Januar 1933 wieder zerbrach.
Ein erneuter Wahlsieg der Volkspartei im März 1933 ermöglichte es Tsaldaris, erneut das Amt des Ministerpräsidenten zu übernehmen. Während seiner Amtszeit schloss er ein wirksames Abkommen mit anderen Balkanstaaten und der Türkei, das zur Stabilisierung der Region beitrugen. Dennoch sah er sich innenpolitischen Herausforderungen gegenüber, insbesondere durch Spannungen innerhalb seiner eigenen Partei bezüglich der Rückkehr von König Georg II. Obwohl Tsaldaris ein Referendum über die Monarchie bevorzugte, führteen Druck von Militärführern wie General Alexandros Papagos und politische Intrigen im Oktober 1935 zu seinem Rücktritt zugunsten von Georgios Kondylis.
Nach seinem Rücktritt blieb Tsaldaris bis zu seinem Tod am 17. Mai 1936 ein engagierter Abgeordneter. Sein politisches Erbe ist tief in der griechischen Geschichte verankert, und seine Beiträge zur nationalen Politik werden bis heute anerkannt. Ein bemerkenswertes Beispiel für seine anhaltende Präsenz im kollektiven Gedächtnis Griechenlands ist die Umbenennung der Panagis-Tsaldaris-Straße in Keratsini bei Piräus im Jahr 2015. Diese Straße, benannt nach Tsaldaris, wurde in Gedenken an den ermordeten Rapper und Aktivisten Pavlos Fyssas umbenannt, was die fortwährende Relevanz von Tsaldaris Namen und Vermächtnis in der modernen griechischen Gesellschaft unterstreicht. (jk)





