Mit dem zweiten Teil der Videoreihe „Die Welt der Innovation“ vertiefen #YPPO und das MOMUS – Museum of Modern Art ihren Blick in die faszinierende Kostakis-Sammlung. Unter dem Titel „Kunst und Emotion“ rückt diesmal eine außergewöhnliche künstlerische Bewegung in den Mittelpunkt, die den Anspruch hatte, die menschliche Wahrnehmung grundlegend zu verändern.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Kunst & Kultur – Im Zentrum steht der Künstler und Musiker Michael Matiusin, der in den 1920er Jahren am Staatlichen Institut für Kunstpädagogik in St. Petersburg die sogenannte „Organische Bildung“ begründete. Seine Idee war ebenso radikal wie visionär: Die Welt als ein zusammenhängendes, lebendiges System zu begreifen, in dem Natur und Kunst denselben Gesetzmäßigkeiten folgen.
Maßgeblich beeinflusst wurde Matiusin dabei von seiner früh verstorbenen Frau, der Dichterin und Künstlerin Elena Guro. Ihre Werke und Gedanken prägten seine Überzeugung, dass Kunst weit mehr sein kann als reine Darstellung – nämlich ein Mittel, um die Grenzen menschlicher Wahrnehmung zu erweitern.
An der Fakultät für „Organische Bildung“ verfolgten Matiusin und seine Schüler ein ehrgeiziges Ziel: die Sinne des Menschen neu zu schulen und das Verständnis von Raum zu transformieren. In experimentellen Ansätzen verbanden sie Malerei, Musik, Bewegung und sogar biologische Forschung. Ihr Bestreben war es, eine „erweiterte Sicht“ auf die Welt zu entwickeln – eine Wahrnehmung, die über das rein Visuelle hinausgeht.
Eine zentrale Rolle spielten dabei Licht und Farbe. Sie wurden nicht länger nur als gestalterische Mittel verstanden, sondern als Ausdruck der materiellen Struktur des Raumes selbst. In innovativen Experimenten, etwa der Übertragung von Klang in visuelle Formen, untersuchten die Künstler die Wechselwirkungen zwischen Ton, Farbe und Gestalt.
Das Ergebnis war eine völlig neue Auffassung von Kunst: nicht als statisches Objekt, sondern als sinnliche Erfahrung, die mehrere Wahrnehmungsebenen gleichzeitig anspricht. Emotion wurde dabei zum verbindenden Element – als unmittelbares Erleben eines Zusammenspiels von Klang, Bewegung und Bild.
Das zweite Video der Reihe zeigt eindrucksvoll, wie visionär diese Ansätze waren – und wie stark sie bis heute unser Verständnis von interdisziplinärer Kunst prägen. Gefördert im Rahmen des europäischen Programms NextGenerationEU, wird hier nicht nur Geschichte vermittelt, sondern auch ein Impuls für die Zukunft gesetzt: Kunst als Raum, in dem Wissenschaft, Gefühl und Wahrnehmung zu einer neuen Einheit verschmelzen. (mv)




