Griechenland, 1930er Jahre: Während die Straßen von Athen von den Behörden streng überwacht wurden, schlichen sich in dunklen Tavernen leise Klänge hervor – Melodien, die Geschichten von Freiheit, Schmerz und Hoffnung erzählten. Diese Klänge gehörten dem Baglamas, einem winzigen Instrument, das mehr Bedeutung trug, als seine dekorative Größe vermuten lässt.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Aktuell/Kunst & Kultur – Der Baglamas, auch bekannt als „der Bouzouki der Gefängnisse“, entstand aus der Notwendigkeit heraus. Als die Rembetiko-Musik – das Herzstück der griechischen Subkultur – in den 1930er Jahren verboten wurde, mussten Musiker erfinderisch sein. Große Instrumente wie der Bouzouki waren zu auffällig und konnten leicht beschlagnahmt werden. Der Baglamas hingegen war klein genug, um ihn unter einem Kaminsims zu verstecken oder gar in den engen Zellen griechischer Gefängnisse zu fertigen.

Mit seinen drei Doppelsaiten schuf er eine Melancholie und Leidenschaft, die typisch für den Rembetiko-Sound ist. Die Musiker nutzen ihn sowohl als Rhythmus- als auch als Melodieinstrument, wobei er trotz seiner schlichten Erscheinung eine erstaunlich Klangfülle bot.
Heute ist der Baglamas weit mehr als ein Relikt vergangener Zeiten. Gemeinsam mit dem Bouzouki und dem Tsouras bildet er das musikalische Fundament des klassischen Rebetiko-Orchesters. Der Tsouras, eine kleinere Version des Bouzoukis, besitzt einen ähnlichen Klangcharakter und hat durch seine Bauweise einen etwas dunkleren Ton.
Beide Instrumente, Baglamas und Tsouras, tragen zur Vielfalt der griechischen Volksmusik bei und sind lebendige Zeugnisse kultureller Resilienz. Sie erinnern an die Kreativität und den Widerstandswillen der Rembetiko-Musiker, die trotz Verboten und Verfolgung nie verstummten.
Der Baglamas mag klein sein, doch er erzählt große Geschichten. Geschichten von Unterdrückung und Befreiung, von heimlichen Treffen und verbotenen Melodien. Sein Klang ist ein Echo der Vergangenheit, das in der Gegenwart weiterlebt – ein Symbol dafür, dass die Stimme der Kunst niemals ganz verstummen kann.
Die nächsten Töne des Baglamas könnten in einer Taverne erklingen, bei einem Festival oder einfach zu Hause, wo die Erinnerung an die mutigen Musiker der Vergangenheit weiterlebt. Denn die Geschichte des Baglamas ist nicht nur die Geschichte eines Instruments – sie ist ein Stück griechische Seele. (mv)





