Tradition trifft Moderne: Die faszinierende Welt der griechischen Trachten

Wenn wir an traditionelle griechische Kleidung denken, haben die meisten von uns sofort das Bild langer, weißer Tuniken vor Augen, doch die griechische Mode hat eine weitaus tiefere und abwechslungsreichere Geschichte, die von der Antike bis in die Gegenwart reicht. Sie erzählt vom Wandel der Zeit, den Einflüssen verschiedener Kulturen und dem Stolz der Griechen auf ihre Traditionen.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou

Geschichte & Kultur – In der Antike spielte Kleidung eine zentrale Rolle, um gesellschaftliche Unterschiede sichtbar zu machen. Während die griechische Oberschicht kostbare, reich verzierte Gewänder aus Seide trug, war die Kleidung der niederen Schichten aus schlichteren Materialien gefertigt. Trotz dieser Unterschiede blieb ein Kleidungsstück über alle Gesellschaftsschichten hinweg verbreitet: der Chiton. Diese Tunika, meist aus Leinen oder Wolle, wurde locker um den Körper gewickelt und mit einem Gürtel in der Taille gehalten. Der Chiton war die Grundlage fast jedes Outfits und wurde von Männern wie Frauen getragen. Ab dem 5. Jahrhundert wurde der kürzere Chitoniskos, der nur bis zum Knie reichte, für Männer gängig.

Frauen trugen den Peplos, ein langes Gewand aus schwerer Wolle, das den gesamten Körper umhüllte und bis zu den Füßen reichte. Mit seiner kunstvollen Drapierung und der Nutzung von Accessoires wie dem Krédemnon, einem Tuch zum Schutz vor der Sonne, oder dem dekorativen Kopfschmuck Pòlos, unterschied sich der Peplos je nach Gesellschaftsschicht. Aristokratische Frauen legten besonderen Wert auf lange Schleppen und kunstvolle Verzierungen.

Mitte links: Hochzeitskleid von Skiathos, rechts: Tracht eines Mädchens auf der Insel Skiathos – Foto: Hellas-Bote

Ein weiteres wichtiges Kleidungsstück der antiken griechischen Mode war die Chlamys, ein Mantel, der vor allem von Männern getragen wurde. Dieser Wollumhang diente nicht nur als Reise- oder Militärmantel, sondern symbolisierte auch den Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Mit der Zeit fand die Chlamys sogar ihren Weg ins römische Reich, wo sie bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. getragen wurde.

Heute werden traditionelle griechische Trachten vor allem zu Festen und nationalen Feiertagen getragen. Dabei zeigen die Griechen ihren Stolz auf ihre kulturellen Wurzeln, während sie zur Musik des berühmten Sirtaki tanzen. Besonders auffällig ist, dass die modernen Trachten Elemente der antiken Mode und byzantinischer Gewänder übernommen haben. Während der osmanischen Herrschaft flossen auch türkische Einflüsse in die Kleidung ein.

Auf dem Festland Griechenlands lehnt sich die traditionelle Männertracht stark an die Militäruniformen des Unabhängigkeitskrieges gegen das Osmanische Reich an. Die bekannteste dieser Trachten ist die Fustanella, ein weißer Wollrock mit 400 Falten, die die Jahre der osmanischen Besatzung symbolisieren. Getragen wird die Fustanella von den Evzonen, der Präsidentengarde Griechenlands, bei feierlichen Anlässen. Dazu gehören lange weiße Socken, eine bestickte Weste und rote Tsarouchi-Schuhe mit einer markanten schwarzen Bommel.

Auf den griechischen Inseln fällt die traditionelle Männerkleidung etwas einfacher aus. Die typische Tracht besteht aus einer weiten, luftigen Hose und einem weißen Hemd. Eine ärmellose Jacke und ein Taillenband vervollständigen das Ensemble. Diese schlichte, aber elegante Kleidung zeugt von der praktischen Lebensweise der Inselbewohner.

Eine besondere Gruppe, die ihre eigene Tracht bewahrt hat, sind die Sarakatsanen, ein griechisches Nomadenvolk. Ihre traditionelle Frauenkleidung besteht aus einem plissierten schwarzen Wollkleid, das mit weißen Blusen und Schürzen kombiniert wird. Die Männer dieser Volksgruppe tragen schlichte Tuniken und Wolljacken, die die jahrhundertelange Tradition der Schafzucht und das Leben in der Natur widerspiegeln.

Die Pavlos-Melas-Tracht, die ursprünglich von mazedonischen Kämpfern getragen wurde, hat sich zu einem Symbol des griechischen Nationalstolzes entwickelt. Diese prächtige Männerkleidung besteht aus einer bestickten Tunika und weißen Hosen und wird heute von den Wächtern am Grab des Unbekannten Soldaten in Athen getragen. Sie erinnert an die Kämpfe um die Befreiung Griechenlands und ist ein Symbol der Unabhängigkeit und des Stolzes.

Auch die Frauentrachten variieren je nach Region. Ein Beispiel ist die Karagouna, eine prachtvolle Tracht aus Thessalien, die ursprünglich als Hochzeitskleid diente. Sie besteht aus einer bestickten roten Weste, einem weißen Mantel und einem langen, dunklen Kleid mit Fransen. Typisch für diese Tracht sind reich verzierte Halstücher und schwarze Armbänder, die von traditionellen Tanzgruppen bis heute getragen werden. (sd)

Mitte links: Wintertracht aus Karditsa – Foto: Hellas-Bote

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