Mit ihren eindrucksvollen, schnell bedrohlich wirkenden Blüten und einem eigentümlichen Geruch, der an Verwesung erinnert, fasziniert die Gemeine Drachenwurz (Dracunculus vulgaris) seit Jahrhunderten Botaniker und Naturliebhaber.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Diese faszinierende Pflanze, die in den felsigen Landschaften Griechenlands und auf den ägäischen Inseln ihre Wurzeln schlägt, gehört zu den auffälligsten Vertretern der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Doch so abstoßend ihr Duft auf den ersten Blick erscheint mag, so zieht die Drachenwurz mit ihrem spektakulären Äußeren und ihrer bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit Menschen in ihren Bann.
Die Gemeine Drachenwurz wächst als mehrjährige, krautige Pflanze und erreicht eine Höhe von 60 bis 120 Zentimetern. Besonders auffällig ist ihre Blüte, die aus einem großen, dunkelpurpurfarbenen Hochblatt (Spatha) besteht, das den typischen Blütenkolben (Spadix) umschließt. Der Kolben selbst, der über die Spatha hinausragt, ist in einem tiefen Schwarzviolett gefärbt – ein Anblick, der durchaus an die sagenumwobenen Drachen vergangener Zeiten erinnert.

Die Blätter der Drachenwurz, die in einer grundständigen Rosette angeordnet sind, sind fußförmig und in mehrere elliptische bis lanzettliche Abschnitte geteilt. Diese einzigartigen, dekorativen Blätter machen die Pflanze auch außerhalb der Blütezeit zu einem optischen Highlight. Doch die eigentliche Magie entfaltet sich während der Blüte, wenn der intensive Aasgeruch verströmt wird. Dieser dient der Pflanze, um Aasfliegen zur Bestäubung anzulocken, die vom vermeintlichen Geruch einer Nahrungsquelle getäuscht werden.
Die Drachenwurz bildet kugelförmige Beeren als Früchte, die nur wenige Samen enthalten. Die Samen haben eine runzelige Oberfläche und dienen zur Verbreitung der Kunst in ihren natürlichen Lebensräumen.
Eine Reise durch die mediterrane Landschaft: Die Gemeine Drachenwurz ist im östlichen Mittelmeerraum beheimatet. Ihre Hauptverbreitungsgebiete erstrecken sich von Griechenland über die Ägyptischen Inseln, Kreta und den Balkan bis hin zur Türkei. Insbesondere auf Kreta, einer der größten griechischen Inseln, findet man die Drachenwurz in ihrem natürlichen Lebensraum – auf felsigen Böden und in halbschattigen Wäldern, die der Pflanze die nötige Feuchtigkeit und Nährstoffe bieten.
Auf Kreta wächst sie häufig in felsigen Gebüschen oder entlang von Bachläufen, wo die kargen Böden ihren Bedürfnissen entsprechen. Auch auf der Insel Rhodos und in anderen Teilen der Ägäis ist sie häufig zu finden. In diesen Regionen zeigt sich die Pflanze in ihrer vollen Pracht und bietet ein beeindruckendes Schauspiel, besonders wenn ihre dunklen Blüten majestätisch zwischen den griechischen Kalksteinfelsen hervorleuchten.
In Westeuropa, etwa in Großbritannien und Frankreich, ist die Drachenwurz inzwischen ebenfalls vertreten – allerdings als Neophyt, dh als eingeführte Art. In dieser Gegend wurde sie von Menschenhand kultiviert und hat sich teilweise verwildert.
Schon in der Antike war die Drachenwurz bekannt und wurde wegen ihrer außergewöhnlichen Erscheinung und ihrer angeblichen Heilkräfte geschätzt. Die großen Gelehrten der Antike, wie Dioskurides und Plinius, beschrieben Pflanzen, die heute als Drachenwurz identifiziert werden könnten, und nutzten sie in der traditionellen Medizin. Auch wenn ihre medizinische Bedeutung heute eher in den Hintergrund getreten ist, bleibt sie ein botanisches Wunderwerk, das durch ihre ungewöhnlichen Eigenschaften beeindruckt. (pv)





