Das Königreich Griechenland war eine Nation, geprägt von Triumphen, Krisen und tiefgreifenden Wandlungen. Zweimal in der Geschichte erhoben sich die Griechen unter der Fahne einer Monarchie, von ihrer Unabhängigkeit 1832 bis zu ihrem endgültigen Abschied von der Krone im Jahr 1973.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Geschichte – Zwischen politischem Ringen, territorialen Expansionsbestrebungen und inneren Konflikten bleibt das Königreich Griechenland ein faszinierendes Kapitel europäischer Geschichte, denn als der griechische Freiheitskampf gegen das Osmanische Reich 1821 begann, begann auch von Anfang an eine heroische und leidenschaftliche Auseinandersetzung. Mit Unterstützung der europäischen Großmächte – insbesondere Frankreichs, Großbritanniens und Russlands – konnten die Griechen in der Schlacht von Navarino 1827 einen entscheidenden Sieg erringen. Nach der Ermordung von Ioannis Kapodistrias, dem ersten Regierungschef des neu gegründeten Staates, wurde auf der Londoner Konferenz 1832 Prinz Otto von Bayern als erster König Griechenlands eingesetzt. Damit begann eine Epoche, in der sich das Land zwischen Tradition und westlichen Reformbestrebungen bewegte.
Das 19. Jahrhundert war für Griechenland geprägt von territorialen Zugewinnen und dem Streben nach nationaler Einheit. Unter der Vision der „Megali Idea“ (Große Idee) trachtete das Königreich danach, alle historisch griechischen Gebiete in einen einzigen Staat zu integrieren. 1864 wurden die Ionischen Inseln angegliedert, 1881 folgte Thessalien. Im Balkankrieg von 1912-1913 gewann Griechenland Makedonien und Kreta hinzu. Trotz dieser Erfolge blieb der Traum, Konstantinopel (Istanbul) wieder zur Hauptstadt eines neuen byzantinischen Reiches zu machen, unerfüllt.
Die Monarchie in Griechenland war nicht unumstritten. Bereits 1862 wurde Otto I. durch eine Revolution gestürzt. Ihm folgte Georg I. aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, dessen Linie bis zur Abschaffung der Monarchie regierte. Die erste große Krise kam im Ersten Weltkrieg, als König Konstantin I. eine neutrale Haltung anstrebte, während Premierminister Eleftherios Venizelos sich den Alliierten anschloss. Dies führte zur Spaltung des Landes und schließlich zum Exil des Königs.
1924 schaffte eine Volksabstimmung die Monarchie ab, doch sie wurde 1935 wiederhergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Griechenland mit den Folgen der deutschen Besatzung und eines Bürgerkriegs kämpfen. 1967 ergriff das Militär die Macht und zwang König Konstantin II. ins Exil. 1973 wurde die Monarchie erneut abgeschafft, und nach dem Ende der Diktatur im Jahr 1974 entschied sich die griechische Bevölkerung in einer Volksabstimmung klar für die Republik.
Auch nach der Abschaffung der Monarchie bleibt ihr Einfluss in Griechenland spürbar. Die Debatte um die Rückkehr der Krone wird zwar politisch nicht mehr ernsthaft geführt, doch Konstantin II., der letzte König Griechenlands, betrachtete sich bis zu seinem Tod als rechtmäßiger Monarch. Die Erinnerungen an die Herrschaft der Könige und deren tiefgreifenden Einfluss auf die griechische Geschichte werden in Museen, Bauwerken und zahlreichen kulturellen Hinterlassenschaften lebendig gehalten. (jk)





