Fehmarn ist eine Insel der kurzen Wege. Vom Strand zum Hafen, vom Leuchtturm zum nächsten Hof, von der Ostsee in wenigen Minuten zurück ins Inselinnere. Doch in Burg lässt sich eine Reise antreten, für die selbst eine Insel eigentlich viel zu klein wäre.
Von HB-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath
Weltweit – Sie führt zurück in eine Zeit, als noch keine Menschen über die Erde liefen, weiter zu gewaltigen Dinosauriern und schließlich bis zu den physikalischen Kräften, die unsere moderne Welt bestimmen. Die Galileo Wissenswelt macht aus dieser Zeitreise ein Erlebnis für die ganze Familie und zeigt, dass ein Museum weder still noch staubig sein muss.

Auf rund 3.200 Quadratmetern im Hauptgebäude am Ortseingang von Burg treffen zwei Welten aufeinander: die BioWelt mit ihrer Reise durch die Geschichte des Lebens und die TechnikWelt, in der physikalische Gesetze selbst ausprobiert werden können. Dahinter steckt ein ungewöhnliches Museumskonzept. Statt Wissen lediglich zu präsentieren, soll es unmittelbar erfahrbar werden. Anfassen, ausprobieren, staunen und experimentieren gehören ausdrücklich dazu.
Besonders eindrucksvoll wird dieses Prinzip dort, wo die Dimensionen der Erdgeschichte sichtbar werden. In der BioWelt begegnen Besucher Fossilien, Mineralien und Dinosauriermodellen und verfolgen die Entwicklung des Lebens von seinen frühen Anfängen bis zum Menschen. Zwischen Millionen Jahre alten Zeugnissen der Vergangenheit wirken die gewaltigen Originale wie Zeitfenster in eine Welt, die kaum vorstellbar ist. Ein juveniles Skelett des Entenschnabeldinosauriers Hypacrosaurus stebingeri erinnert an die Zeit der großen Dinosaurier. Noch imposanter ist der Schädel eines Mosasauriers: Mit 155 Zentimetern Länge gehört das Original zu den größten seiner Art, die in einem deutschen Museum zu sehen sind. Und dann steht da ein Wollhaarmammut – nicht als Rekonstruktion, sondern als originales Skelett. Plötzlich bekommt die letzte Eiszeit eine ganz andere Nähe.

Nach der Reise durch die Urzeit wechselt die Perspektive. In der TechnikWelt geht es nicht mehr darum, was vor Millionen Jahren geschah, sondern um Kräfte, die auch heute überall um uns herum wirken. Mehr als 200 interaktive Stationen und Experimente laden dazu ein, selbst Hand anzulegen. Bewegung, Schwerkraft, Elektrizität und andere physikalische Phänomene werden nicht nur erklärt, sondern vorgeführt und ausprobiert. Der Erdbebensimulator lässt Besucher die Kräfte spüren, die sonst nur aus Nachrichtenbildern bekannt sind. Bei der Draisinenfahrt wird aus einem technischen Prinzip eine praktische Erfahrung. Und ein Heißluftballon macht anschaulich, wie warme Luft einen ganzen Korb samt Passagieren in die Höhe bringen kann.
Dann wird es spektakulär: Die Teslaspule erzeugt bei den regelmäßigen Vorführungen elektrische Entladungen, die wie künstliche Blitze durch den Raum zucken. Was zunächst nach einer spektakulären Show aussieht, wird dabei zum anschaulichen Physikunterricht. Genau darin liegt die besondere Stärke der Galileo Wissenswelt: Das Staunen kommt zuerst und die Erklärung folgt unmittelbar.

Die Wurzeln des Museums reichen zurück bis an den Hafen von Burgstaaken. Dort entstanden zwischen 2003 und 2009 drei eigenständige Museen: die Experimenta, das Naturkundemuseum Planet Erde und das Überseemuseum. Ihre Sammlungen wuchsen, ebenso die Zahl der Besucher – und schließlich auch der Platzbedarf. 2013 erhielten die Bereiche Technik und Naturkunde ein neues Zuhause am Ortseingang von Burg und wurden gemeinsam mit dem Überseemuseum unter dem Namen Galileo Wissenswelt zusammengeführt. Die historische Halle in Burgstaaken blieb als Außenstelle erhalten.
Dort verändert sich der Blickwinkel erneut. Die Ausstellung Übersee widmet sich Kunst, Kultur und traditionellem Handwerk aus verschiedenen Teilen der Welt. Masken, Gegenstände des täglichen Lebens und kunsthandwerkliche Arbeiten erzählen von Gesellschaften, deren Lebenswelten oft weit von der europäischen entfernt sind. Ein besonderes Exponat ist das bespielbare Gamelan. Das traditionelle indonesische Instrumentenensemble ist nicht nur ein Ausstellungsstück, sondern kann tatsächlich zum Klingen gebracht werden. So wird aus einer Begegnung mit fremder Kultur eine unmittelbare Erfahrung.

Inzwischen reicht die Geschichte der Galileo Wissenswelt über Fehmarn hinaus. Seit 2018 gibt es auch auf Rügen eine Erweiterung des Museumsangebots. Das Grundprinzip aber bleibt dasselbe: Wissen soll nicht nur gelesen, sondern erlebt werden.
Vielleicht ist es gerade dieser Wechsel zwischen gewaltigen Zeiträumen und unmittelbaren Experimenten, der den Reiz der Galileo Wissenswelt ausmacht. Eben noch steht man vor dem Schädel eines urzeitlichen Meeresräubers, wenige Minuten später beobachtet man einen künstlichen Blitz. Man kann über die Entwicklung des Lebens staunen, die Kräfte eines Erdbebens nachempfinden oder ein physikalisches Experiment selbst in Gang setzen. Für Kinder ist das Abenteuer, für Erwachsene häufig eine überraschende Auffrischung längst vergessenen Schulwissens. Und für beide gilt: Wer die Galileo Wissenswelt verlässt, hat Fehmarn für einige Stunden aus einer völlig anderen Perspektive kennengelernt. (nb)




