Am 6. Januar feiert die christliche Welt die Epiphanie, auch als Theophanie bekannt. Dieser Feiertag, der in Ost und West unterschiedliche Schwerpunkte hat, verbindet Glauben, Tradition und die Feier der Schöpfung. Während die katholische Kirche den Tag oft mit den Heiligen Drei Königen in Verbindung bringt, denken die orthodoxen Christen ausschließlich der Taufe Jesu im Jordan.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Aktuell/Glauben – Die Taufe Jesu wird in der orthodoxen Kirche als Offenbarung der Heiligen Dreifaltigkeit betrachtet. Dieses Ereignis bildet das Zentrum der Feierlichkeiten. Der Name „Theophanie“ bedeutet wörtlich „Erscheinung Gottes“ und verweist auf die göttliche Manifestation bei der Taufe: Jesus Christus, der Sohn, wurde getauft, der Heilige Geist erschien in Form einer Taube, und die Stimme Gottes sprach vom Himmel.

Der Tag ist ein Aufruf, die Elemente der Natur zu würdigen, und wird oft mit der Großen Wasserweihe (Megalos Agiasmos) begonnen. Dieser Ritus geht auf das 4. Jahrhundert zurück und ist eine der ältesten Traditionen der orthodoxen Kirche.
Die Große Wasserweihe findet nach einem eindrucksvollen Gottesdienst im Freien statt – an Flüssen, Seen oder am Meer. Der Priester taucht dreimal ein Kreuz ins Wasser, begleitet von Gebeten zur Segnung der gesamten Schöpfung. Anschließend wirft er das Kreuz ins Wasser, woraufhin mutige Gläubige hineinspringen, um es zu bergen.
Der Finder des Kreuzes erhält einen besonderen Segen und übernimmt eine wichtige Rolle in der Gemeinschaft: Gemeinsam mit dem Priester zieht er von Haus zu Haus, um mit einem Basilikumzweig, der ins geweihte Wasser getaucht wird, den Segen in die Wohnungen zu bringen. Der Basilikumstrauß, der bei diesem Ritual verwendet wird, ist ein kraftvolles Symbol. Sein griechischer Name „Vasilikos“ leitet sich vom Wort „König“ ab und erinnert an die göttliche Natur Jesu.
Das geweihte Wasser wird von den Gläubigen in kleinen Fläschchen mit nach Hause genommen, wo es für Segnungen verwendet wird. Häuser, Tiere, Felder und auch Menschen werden damit gesegnet, um sie vor Krankheit, Unglück und Nicht zu schützen. Im Volksglauben wird dem Wasser eine heilende und schützende Wirkung zugeschrieben, die in schwierigen Zeiten Trost und Hoffnung spendet.
Neben der Großen Wasserweihe gibt es viele weitere Bräuche, die die Epiphanie zu einem besonderen Fest machen. In Griechenland und Zypern lassen Gläubige weiße Tauben frei, die den Heiligen Geist symbolisieren und den Segen des Himmels auf die Erde bringen sollen. Kinder ziehen von Tür zu Tür, singen die traditionelle „Kalanta“ und wünschen „Kali Fotisi“ – eine gute Erleuchtung.
Auch kulinarische Bräuche spielen eine Rolle: Auf Zypern werden „Loukoumades“, honigsüße Krapfen, gebacken, die Glück und Fruchtbarkeit symbolisieren. In einem alten Ritual werden einige davon den „Kallikantzaroi“ geopfert, schelmischen Kobolden, die während der zwölf Weihnachtstage ihr Unwesen treiben. Mit der Wasserweihe am Epiphaniefest endet ihre Zeit, und sie ziehen sich in die Unterwelt zurück.
Die Epiphanie, die in Griechenland und auf Zypern ein gesetzlicher Feiertag ist, zählt zu den ältesten Festen des Christentums. Sie wurde bereits im 4. Jahrhundert im Osten des Römischen Reiches gefeiert und markiert bis heute den Höhepunkt der Weihnachtszeit.
Die Verbindung zwischen Wasser, Licht und göttlicher Offenbarung macht die Epiphanie zu einem einzigartigen Fest. Sie vereint die spirituelle Bedeutung der Taufe Jesu mit der Bewahrung der Schöpfung und inspiriert die Gläubigen dazu, Dankbarkeit für die Gaben der Natur zu zeigen und den Segen des Göttlichen in ihrem Alltag weiterzugeben.
Namenstag von: Fotis, Theofanis, Fanis, Fotini und Fani (mv)

