Am Agios Konstantinos-Park der griechischen Hafenstadt Volos dort, wo die Straßen Vlachava und Dimitriados aufeinandertreffen, erhebt sich ein vergleichsweise junges Bauwerk, das dennoch tief in der religiösen Erinnerung der Region verwurzelt ist: die Kirche Agios Apostolos O Neos.
Von HB-Redakteur Vangelis Makris
Volos – Die kleine Kapelle, gelegen an der Adresse 291 Dimitriados in der griechischen Hafenstadt Volos, ist dem Andenken eines Heiligen gewidmet, dessen kurzes Leben und gewaltsamer Tod bis heute Teil der orthodoxen Überlieferung sind.
Der Namensgeber, Apostolos der Neue, zählt zu jenen Figuren der Kirchengeschichte, deren Biografie eng mit den politischen und gesellschaftlichen Spannungen ihrer Zeit verknüpft ist. Geboren wurde er im Jahr 1667 im Dorf Agios Lavrentios in der Region Magnesia auf der Halbinsel Pilion. Seine Eltern, Costas Stamatiou und Melo, hinterließen ihm kaum mehr als den familiären Namen; bereits im Alter von fünfzehn Jahren war Apostolos Waise.
Wie viele junge Männer seiner Zeit suchte er sein Auskommen fern der Heimat und gelangte schließlich nach Istanbul, dem damaligen Konstantinopel. Dort fand er Arbeit in einer Taverne und erlernte nebenbei die türkische Sprache – eine Fähigkeit, die später eine entscheidende Rolle in seinem Schicksal spielen sollte. Vier Jahre nach seiner Ankunft verschärfte sich die Lage in seiner Heimatregion: Die Bevölkerung litt unter drückenden Steuerlasten, die von den lokalen Machthabern erhoben wurden.
Apostolos entschloss sich, aktiv zu werden. Er wandte sich an die Vertreter der osmanischen Verwaltung und half dabei, konkrete Vorschläge zur Entlastung der Bevölkerung zu formulieren. Gleichzeitig unterstützte er die Bildung eines Komitees aus Einwohnern seiner Heimat, das deren Interessen gegenüber den Behörden vertreten sollte. Dieser ungewöhnliche Schritt, der eine frühe Form kollektiver Interessenvertretung darstellte, stieß jedoch auf den Widerstand des lokalen Woiwoden. Dieser erklärte die vorgelegten Dokumente kurzerhand für gefälscht und ließ mehrere Mitglieder des Komitees verhaften und nach Konstantinopel bringen.
Als die Nachricht davon die Heimat erreichte, entsandten die Bewohner eine Delegation in die Hauptstadt. Ihr Ziel war es, sich an die Valide Sultan, die Mutter des Sultans, zu wenden, um die Freilassung der Gefangenen zu erwirken. Doch die Gesandten waren mit den Gepflogenheiten des Hofes nicht vertraut. Apostolos bot seine Hilfe an, übersetzte ihre Anliegen und übergab den Bericht an einen hochrangigen Beamten. Was als Versuch der Vermittlung gedacht war, wurde ihm zum Verhängnis.
Auf Betreiben des Woiwoden wurde Apostolos verhaftet und angekettet. Ihm wurde eine mehrjährige Strafzahlung auferlegt, doch die Situation eskalierte weiter. Intrigen innerhalb der eigenen Reihen, insbesondere die Verleumdung durch einen Landsmann, führten schließlich dazu, dass der Woiwode ihn als Drahtzieher der gesamten Angelegenheit betrachtete. Die Entscheidung fiel zugunsten einer exemplarischen Bestrafung.
Nach einem gescheiterten Fluchtversuch begann eine Phase der Repression, die nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch den Versuch religiöser Zwangskonversion umfasste. Apostolos sollte durch Beschneidung zum Islam übertreten. Als dies scheiterte, wurde er vor religiöse Autoritäten geführt, die ihn mit Versprechen von Reichtum und gesellschaftlichem Aufstieg zum Glaubenswechsel bewegen wollten. Seine Antwort, überliefert in zahlreichen kirchlichen Schriften, war von bemerkenswerter Entschlossenheit geprägt: Er bekannte sich offen zum Christentum und erklärte, jede Form des Todes um seines Glaubens willen anzunehmen.
Die Entscheidung über sein Schicksal fiel schließlich durch einen Wesir. Nach einer Nacht schwerer Folter wurde Apostolos im Morgengrauen an einen Ort nahe dem Goldenen Horn geführt. Dort vollstreckte der Henker die Todesstrafe durch Enthauptung. Apostolos war zu diesem Zeitpunkt erst 19 Jahre alt.
Berichte über die Ereignisse nach der Hinrichtung sind Teil der hagiographischen Überlieferung. Demnach soll eine unerklärliche Erscheinung von Menschenmengen beobachtet worden sein, die sich dem Leichnam näherten und ebenso plötzlich wieder verschwanden. Sein Körper wurde ins Meer geworfen, während der Kopf als Beweis der Vollstreckung den Behörden übergeben wurde.
Die christliche Gemeinde setzte sich später erfolgreich dafür ein, den Kopf des Märtyrers zu erhalten. Er wurde zunächst in einem silbernen Reliquiar im Tempel des Heiligen Dimitrios in Kurtuluş aufbewahrt, bevor er schließlich in seine Heimat zurückgebracht wurde. Heute befindet sich die Reliquie in der Diözese Dimitriada in Magnesia.
Die orthodoxe Kirche erkannte Apostolos als Heiligen an und begeht seinen Gedenktag jährlich am 16. August. In Volos erinnert die Kapelle Agios Apostolos O Neos an sein Leben und Sterben. Das Bauwerk selbst ist schlicht gehalten, doch seine Lage oberhalb des Meeres und seine Einbindung in das städtische Gefüge verleihen ihm eine besondere Präsenz. Für Gläubige wie Besucher ist es weniger ein architektonisches Monument als vielmehr ein Ort der Erinnerung an Standhaftigkeit im Angesicht existenzieller Bedrohung. (mav)





