Johannes der Täufer, eine der markantesten Persönlichkeiten der biblischen und historischen Überlieferung, wird in der griechisch-orthodoxen Kirche als Prophet, Wegbereiter Jesu Christi und Heiliger verehrt.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos
Götter & Gelehrte – Sein asketisches Leben, seine eindringliche Bußpredigt und sein mutiges Auftreten machten ihn zu einem zentralen Bindeglied zwischen den Traditionen des Alten und Neuen Testaments. Seine außergewöhnliche Lebensgeschichte wird am 7. Januar, unmittelbar nach dem Erscheinungsfest, besonders geehrt – einem der ältesten und bedeutsamsten Gedenktage in der orthodoxen Kirche.
Geboren etwa um 5 v. Chr. in den Hügeln Judäas, wurde Johannes als Sohn des Priesters Zacharias und der Elisabet, einer Angehörigen des Aaronitischen Geschlechts, in eine fromme und traditionsreiche Familie hineingeboren. Schon vor seiner Geburt soll der Engel Gabriel seine besondere Berufung offenbart haben: Johannes sollte das Volk zur Umkehr aufrufen und den Weg für den Messias bereiten. Sein Name, hebräisch Jôḥānān („Der Herr ist gnädig“), weist bereits auf die Gnade Gottes hin, die durch ihn offenbar werden sollte.
In jungen Jahren zog Johannes in die Wüste, wo er ein Leben der Askese führte, gekennzeichnet durch strenge Enthaltsamkeit und Gebet. Die Evangelien berichten von seiner Kleidung aus Kamelhaaren und seiner Nahrung aus Heuschrecken und wildem Honig – Symbole seiner Nähe zur Natur und seines Verzichts auf weltliche Annehmlichkeiten.
Als Johannes im Alter von etwa 30 Jahren am Jordan zu predigen begann, zog er eine große Anhängerschaft an. Seine Botschaft war eindringlich: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 3,2). Johannes rief die Menschen zur Buße auf und bot ihnen eine Taufe zur Vergebung der Sünden an – ein rituelles Eintauchen ins Wasser als Zeichen der inneren Reinigung.
Am Höhepunkt seines Wirkens taufte Johannes Jesus von Nazaret. Diese Begegnung markiert einen Wendepunkt in der Heilsgeschichte. Die Evangelien schildern, wie sich der Himmel öffnete und eine Stimme sprach: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Mt 3,17). Mit dieser Taufe bestätigte Johannes Jesus als den verheißenen Messias.
Johannes unerschütterliche Standhaftigkeit führte schließlich zu seinem Martyrium. Er prangerte die unrechtmäßige Ehe des Tetrarchen Herodes Antipas mit Herodias an, was ihn ins Gefängnis brachte. Auf Betreiben von Herodias und durch die intrigante Forderung ihrer Tochter Salome wurde Johannes enthauptet. Die orthodoxe Kirche gedenkt Johannes des Täufers nicht nur am 7. Januar (Namenstag von Ioanna, Ioannis und Prodromos), sondern auch an weiteren Festtagen: Am 29. August erinnert sie an seine Enthauptung, am 24. Februar und 25. Mai an die Auffindungen seines Hauptes sowie am 23. September an seine wundersame Empfängnis.
Johannes ist nicht nur eine prägende Figur des Christentums. Auch im Islam wird er als Prophet (Yaḥyā) verehrt, der in Weisheit und Tugend herausragte. Seine Bedeutung reicht über religiöse und kulturelle Grenzen hinaus und inspiriert bis heute Menschen weltweit. Der Schrein Johannes des Täufers in der Umayyaden-Moschee in Damaskus ist ein bedeutender Ort der Verehrung und ein Symbol für die verbindende Kraft dieses außergewöhnlichen Mannes. (jk)

