Baumwanzen: Bunte Plagegeister der Pflanzenwelt

Baumwanzen sind faszinierend, aber oft unerwünschte Bewohner unserer Pflanzenwelt. Mit ihrer charakteristischen schildförmigen Gestalt und teilweise auffälligen bunten Farbtönen sind sie leicht zu erkennen. Doch ihr harmloses Erscheinungsbild täuscht: Baumwanzen können in der Landwirtschaft großen Schaden anrichten, insbesondere wenn sie in Massen auftreten.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris

Natur & Umwelt – Baumwanzen (Pentatomidae) zeichnen sich durch ihren prallen Körperbau und ihre meist schildförmige Gestalt aus. Das auffälligste anatomische Merkmal ist das vergrößerte Schildchen (Scutellum), das in einigen Fällen den gesamten Hinterleib bedeckt. Viele Arten der Baumwanzen haben eine farbenprächtige Erscheinung, wie beispielsweise die schwarz-rot gestreiften Vertreter der Gattung Graphosoma. Andere Arten verändern ihre Farbe je nach Jahreszeit, was sie zusätzlich schwer identifizierbar macht.

Die Wanzen verfügen über fünfgliedrige Fühler und dreigliedrige Tarsen. Besonders interessant ist ihr Verteidigungsmechanismus: Viele Baumwanzenarten besitzen Stinkdrüsen, mit denen sie unangenehm riechende, oft toxische Substanzen absondern. Diese Sekrete dienen der Abschreckung von Fressfeinden und manchmal auch der Betäubung von Beutetieren.

Die Ernährung der Baumwanzen ist ebenso vielfältig wie ihre äußere Erscheinung. Die meisten Arten saugen Pflanzensäfte, was sie zu unerwünschten Schädlingen im Agrarsektor macht. Arten wie die Getreidewanze (Aelia acuminata) und die Kohlwanze (Eurydema oleracea) können bei Massenvermehrung schwere Ernteverluste verursachen. Trotz ihres Schadpotenzials zeigen sich diese Insekten oft resistent gegenüber herkömmlichen Pestiziden, was ihre Bekämpfung erschwert.

Interessanterweise gibt es auch räuberische Baumwanzenarten, wie Stiretrus Anchorago , die als Nützlinge gelten. Diese räuberischen Arten ernähren sich von anderen Schädlingen und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung.

Mit weltweit etwa 6.000 genannten Arten gehören Baumwanzen zu den artenreichsten Familien innerhalb der Wanzen (Heteroptera). Allein in Europa sind 187 Arten bekannt, von denen rund 70 in Mitteleuropa vorkommen. Besonders in wärmeren Regionen Südeuropas, wie in Griechenland, sind sie in einer bemerkenswerten Vielfalt zu finden.

In Griechenland sind Baumwanzen weit verbreitet und kommen in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor – von landwirtschaftlichen Anbauflächen bis hin zu Wäldern und Küstenregionen. Das mediterrane Klima bietet ideale Bedingungen für eine Vielzahl von Wanzenarten, darunter auch solche, die für die Landwirtschaft von besonderer Bedeutung sind.

Die südlichen Regionen Griechenlands, insbesondere die Peloponnes und die Inseln, sind Hotspots für Baumwanzen, da der milde Winter und der heiße Sommer den Insekten das ganze Jahr über günstige Lebensbedingungen bieten. Hier trifft man oft auf Arten wie die bereits erwähnte Kohlwanze, die in großen Populationen auftreten und Schäden an Kulturpflanzen verursachen können. Gleichzeitig profitieren Nützlingsarten, wie die räuberische Stiretrus Anchorago , ebenfalls von diesen günstigen Bedingungen und tragen zur Regulierung von Schädlingen bei.

Die Fortpflanzung der Baumwanzen ist gut an ihre angepasste Umgebung. Die Weibchen legen ihre Eier in Gruppen auf ihren Wirtspflanzen ab. Die daraus schlüpfenden Larven leben meist gesellig und kommunizieren mittels Aggregationspheromonen, um zusammenzubleiben. Bei Gefahr sondern sie Alarmpheromone ab, durch die sich die Gruppe zerstreut.

Die Entwicklung der Larven erfolgt in fünf Stadien, bis sie das Erwachsenenstadium erreichen. Interessanterweise überwintern viele europäische Baumwanzenarten als ausgewachsene Wanzen und suchen im Herbst geschützte Orte, um den kalten Wintermonaten zu entgehen. (pv)

Foto: Hellas-Bote

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