Die Große Seespinne zählt zu den beeindruckendsten Lebewesen des Mittelmeeres. Mit ihrem breiten, stachelbesetzten Panzer und einer Beinspannweite von bis zu einem halben Meter ist sie nicht nur die größte Krabbe der Region, sondern auch eine besonders gefragte Delikatesse. Doch während Gourmets in Griechenland und anderen Mittelmeerländern ihre Scheren schätzen, steht die Art zunehmend unter Druck. Überfischung und Lebensraumverlust bedrohen diese eindrucksvolle Spezies.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Die Große Seespinne (Maja squinado) ist ein wahrer Mittelmeerbewohner. Während ihre atlantische Verwandte, Maja brachydactyla, zunächst als Teil derselben Art galt, stellte sich 1998 heraus, dass Maja squinado ausschließlich im Mittelmeer beheimatet ist. Ihre bevorzugten Lebensräume sind felsige Untergründe und die artenreichen Kelpwälder, die sich in Tiefen von bis zu 50 Metern erstrecken. Insbesondere an den Küsten Griechenlands, wo das klare Wasser und die zahlreichen Unterwasserriffe ideale Bedingungen bieten, fühlt sich die Große Seespinne besonders wohl.
Die Große Seespinne ist leicht an ihrem charakteristischen dreieckigen, nach vorn gestreckten Panzer zu erkennen. Ihr Carapax ist mit zahlreichen Stacheln besetzt, die sie vor Fressfeinden schützen. Ihre kräftigen Beine sind ebenfalls mit Borsten versehen, die ihr helfen, sich sicher auf dem Meeresgrund zu bewegen. Ihre Färbung variiert von rot bis weißlich, was ihr in felsigen Küstenlandschaften eine hervorragende Tarnung verleiht. Besonders imposant ist das erste Schreitbeinpaar, das mit gleichgroßen Scheren ausgestattet ist.

Die Große Seespinne wandert jahreszeitlich zwischen flachen Küstengewässern und tieferem Wasser. Während die Jungtiere im Sommer in nur wenigen Metern Tiefe auf kleinen Riffen leben, ziehen sich die erwachsenen Tiere im Winter in bis zu 40 Meter tiefere Regionen zurück. Diese Wanderungen erfolgen oft in Gruppen, was den Eindruck eines mystischen Zuges der Meeresriesen erweckt.
Ihre Ernährung ist vielseitig, jedoch auf die bodenlebenden Organismen beschränkt. Besonders sessile Tiere wie Weichtiere, Stachelhäuter und kleine Krustentiere stehen auf dem Speiseplan, den die Seespinne mit ihren zangenartigen Scheren geschickt erbeutet. Auch Algen werden nicht verschmäht.
Die steigende Nachfrage nach der Großen Seespinne als Delikatesse hat ihre Bestände massiv dezimiert. In Griechenland ist sie besonders in den gehobenen Restaurants beliebt, wo sie als exquisiter Leckerbissen auf den Speisekarten steht. Doch genau dieser kulinarische Ruhm hat dazu geführt, dass die Fangzahlen kontinuierlich anstiegen und die Population stark zurückging. Überfischung ist heute die größte Bedrohung für diese Spezies, und viele Bestände sind in kritischem Zustand.
Inzwischen wird intensiv an Möglichkeiten geforscht, die Große Seespinne in Aquakulturen zu züchten, um die natürlichen Bestände zu entlasten und die Nachfrage zu decken. Erste Erfolge in der Aufzucht der Larven und Jungtiere im Labor geben Hoffnung, dass diese majestätische Krabbe auch in Zukunft die Meere des Mittelmeers bevölkern wird.
Die Fortpflanzung der Großen Seespinne ist komplex. Nach der Paarung, die unmittelbar nach der letzten Häutung des Weibchens erfolgt, tragen die Weibchen die befruchteten Eier mehrere Monate mit sich. Die Larven schlüpfen nach etwa neun Monaten und durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien, bis sie schließlich als juveniles Tier den Meeresboden besiedeln. Diese lange Entwicklungszeit ist einer der Gründe, warum der Erhalt der Art so wichtig ist.
In Griechenland, wo die Küstengewässer reiche Vorkommen an Großen Seespinnen boten, gerät die Art immer mehr in den Fokus des Artenschutzes. Während Fischer und Gastronomen weiterhin von den Beständen profitieren möchten, ist der Schutz dieser faszinierenden Spezies unerlässlich. Ohne gezielte Schutzmaßnahmen, wie Fangquoten oder Schonzeiten, droht die Große Seespinne bald nur noch in Aquakulturen und nicht mehr in freier Wildbahn zu existieren. (pv)





