Bei einer Protestversammlung am Sonntag kritisierten die Bewohner die geplante Umgestaltung des Fischereihafens. Sie befürchten den Verlust von Sandstränden, mehr touristischen Bootsverkehr und eine massive Veränderung ihres Küstendorfes. Statt einer Ausweitung des Hafenbetriebs fordern sie Investitionen in Umwelt- und Infrastrukturmaßnahmen.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Achillio/Volos – Der Widerstand gegen die geplante Umwandlung des Fischereihafens von Achillio in eine Hafenzone wächst. Am Sonntag, dem 25. Oktober, versammelten sich zahlreiche Anwohner auf dem Dorfplatz, um gegen die vorgelegten Planungen zu protestieren. Sie sehen in dem Projekt einen tiefgreifenden Eingriff in die Küstenlandschaft, der nicht nur das Erscheinungsbild des Dorfes, sondern auch die Nutzung der Strände und den Alltag der Bevölkerung verändern könnte. Bereits am Mittwoch, dem 21. Oktober, hatten Vertreter der Anwohner bei einer Sitzung des Gemeinderats ihre Einwände vorgebracht. Nach Angaben der Bewohner wurden ihre Bedenken jedoch zurückgewiesen. Die Gemeindeverwaltung habe erklärt, die Planung auf Grundlage des bestehenden Entwurfs weiterzuverfolgen.
Im Zentrum der Kritik steht die Befürchtung, dass aus dem bislang von Fischerei und dörflichem Leben geprägten Hafen ein deutlich stärker auf den touristischen Bootsverkehr ausgerichteter Standort werden soll. Nach Ansicht der Anwohner würde das Vorhaben vor allem darauf abzielen, mehr Tagesboote aufzunehmen und Achillio zu einem Verkehrsknotenpunkt für weitere touristische Ziele zu machen.

Besonders kritisch sehen sie die geplante Ausweisung des gesamten Küstenabschnitts als Hafenzone. Diese könnte nach ihrer Einschätzung die Nutzung der Strände durch Badegäste erheblich einschränken. Auch die vorgesehenen Terrassen und Kais sowie die Verlängerung bestehender Betonpfeiler ins Meer könnten große Teile der vorhandenen Sandstrände beeinträchtigen oder zerstören. Weitere Liegeplätze für Tagesboote und die Erweiterung des zentralen Anlegers würden den Bootsverkehr zusätzlich verstärken. Zugleich drohe der bestehende Spielplatz an nutzbarer Fläche zu verlieren. Auch den geplanten Abriss und Wiederaufbau des kleinen Fischerbootunterstands kritisieren die Bewohner wegen der aus ihrer Sicht übermäßigen Verwendung von Beton.
Für die Kritiker geht es damit um mehr als einzelne Baumaßnahmen. Sie befürchten, dass die natürliche Küstenlandschaft und die gewachsenen Strukturen des Dorfes schrittweise einer touristisch ausgerichteten Hafeninfrastruktur weichen könnten.
Bei der Protestversammlung verwiesen die Anwohner zudem auf aus ihrer Sicht wesentliche planerische und rechtliche Voraussetzungen, die bislang nicht erfüllt seien. Nach ihren Angaben fehlten eine genehmigte Umweltverträglichkeitsstudie und eine Untersuchung zum Oberflächenabfluss. Außerdem gebe es keine geeignete Anlage zur Behandlung der Abwässer, die von Tages- und Sportbooten erzeugt werden. Auch eine genehmigte Änderung des regionalen Landnutzungsplans von Pteleos stehe nach Darstellung der Bewohner aus. Darüber hinaus sei das für die Verwaltung des Hafens vorgesehene Organ noch nicht eingerichtet. Die Gemeindeverwaltung verweise zwar auf das Hafenamt von Almyros, dieses existiere jedoch bislang nicht, kritisieren die Anwohner.
Die Forderungen richten sich deshalb nicht grundsätzlich gegen jede Verbesserung des Hafens. Vielmehr verlangen die Bewohner eine Entwicklung, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen des Ortes orientiert und Umweltbelange von Beginn an berücksichtigt.
Als Alternative zu den derzeitigen Planungen schlagen die Anwohner eine Reihe konkreter Maßnahmen vor. Dazu gehören geeignete Einrichtungen zur Annahme und fachgerechten Behandlung von Schiffsabwässern und anderen Rückständen sowie eine biologische Abwasserbehandlungsanlage für die Haushalte.

Darüber hinaus fordern sie Verbesserungen bei der Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Straßennetzes, eine bessere Anbindung an die Fernverkehrsachse PATHE und eine Lösung für den Mangel an geordneten Parkplätzen. Auch der Zustand der Ringstraße müsse überprüft werden. Ein besonderes Anliegen bleibt der Schutz der Strände, die sowohl von den Bewohnern als auch von Besuchern genutzt werden. Nach Auffassung der Kritiker sollte die Gemeinde zunächst bestehende Infrastrukturprobleme lösen und den ökologischen Zustand der Küste sichern, anstatt den Hafenbetrieb auszuweiten.
Die Anwohner machten deutlich, dass sie Entwicklung nicht allein an der Zahl der Boote messen wollen, die künftig im Hafen anlegen können. Entscheidend seien vielmehr die Lebensqualität der Bevölkerung, der Schutz der natürlichen Umgebung und die Frage, ob wirtschaftliche Vorteile tatsächlich dem Ort und seinen Bewohnern zugutekommen. Achillio dürfe nicht einen Teil seines Naturreichtums opfern, um immer mehr Touristen zu bedienen, lautet ihre zentrale Botschaft. Sie verlangen eine langfristige Planung, die den Charakter des Küstendorfes bewahrt und ökologische sowie soziale Folgen berücksichtigt. Nachdem die Gemeindeverwaltung nach Darstellung der Bewohner an den bisherigen Planungen festhalten will, kündigten diese an, ihren Widerstand mit weiteren Maßnahmen zu verstärken. (ma)





