Mit 60 Stundenkilometern über die Ägäis: Die „Flying Dolphin Erato“ verbindet Volos mit den Sporaden

Im Hafen von Volos fällt sie schon von Weitem auf: gelb und blau lackiert, schlank, vergleichsweise schmal und deutlich kleiner als die großen Autofähren, die ebenfalls in der griechischen Hafenstadt verkehren. Die „Flying Dolphin Erato“ liegt derzeit im Einsatz auf der Verbindung zu den Nördlichen Sporaden und bringt Passagiere vom Festland in Richtung Skiathos, Skopelos und Alonissos.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris

Volos – Erst in der vergangenen Woche zeigte sich das Tragflügelboot erneut im Hafen von Volos. Für den Beobachter an Land ist es ein ungewöhnlicher Anblick, denn die „Erato“ unterscheidet sich nicht nur optisch deutlich von konventionellen Fähren. Das Schiff ist ganz auf Geschwindigkeit und die Beförderung von Menschen ausgelegt. Fahrzeuge bleiben an Land.

Sobald das Tragflügelboot Fahrt aufnimmt, kommt seine besondere Konstruktion zum Einsatz. Unter dem 34,5 Meter langen Schiffskörper befinden sich feste Tragflächen. Mit zunehmender Geschwindigkeit erzeugen diese Flügel Auftrieb. Ab ungefähr 20 Knoten hebt sich der Rumpf immer weiter aus dem Wasser. Der Widerstand sinkt, und das Hydrofoil kann seine hohe Reisegeschwindigkeit erreichen.

Foto: Hellas-Bote

Rund 32 Knoten sind im normalen Fahrbetrieb möglich, je nach Bedingungen können es etwa 35 Knoten werden. Das entspricht ungefähr 60 bis 65 Kilometern pro Stunde. Für ein Passagierschiff dieser Größe ist das ein beträchtliches Tempo. Während klassische Fähren vergleichsweise schwer durch das Wasser laufen, scheint die „Erato“ bei entsprechender Geschwindigkeit über der Wasseroberfläche zu gleiten.

Genau darin liegt der Reiz dieser Technik. Bei leichtem Seegang werden die Bewegungen des Schiffes durch die Tragflügel reduziert, weil der Rumpf weitgehend aus dem Wasser gehoben wird. Für die Passagiere entsteht dadurch eine schnelle und bei geeigneten Bedingungen vergleichsweise ruhige Überfahrt.

Ganz unabhängig vom Wetter ist das System allerdings nicht. Bei starkem Seegang kann das Tragflügelboot wieder auf dem Rumpf fahren. Bei schweren Wetterbedingungen können Verbindungen deshalb auch kurzfristig ausfallen. Auf den offenen Strecken zwischen Volos und den Sporaden bleibt die Wetterlage ein entscheidender Faktor für den Betrieb.

Die „Flying Dolphin Erato“ ist derzeit auf genau diesem Inselkorridor unterwegs. Vom Hafen von Volos führt die Verbindung zunächst nach Skiathos. Die Überfahrt dauert ungefähr eine Stunde und 25 Minuten. Anschließend können Passagiere Skopelos erreichen – sowohl den Hafen von Glossa als auch die Inselhauptstadt Chora. Bis Alonissos beträgt die Fahrzeit rund drei Stunden und fünf Minuten.

Die Kapazität des Schiffes liegt bei etwa 155 bis 161 Passagieren. Sitzplätze sind die Regel; eine Mitnahme von Autos oder Lastwagen ist nicht vorgesehen. Wer mit der „Erato“ reist, lässt sein Fahrzeug deshalb in Volos zurück oder muss für die Weiterreise auf eine andere Fährverbindung ausweichen.

Hinter dem auffälligen Schiff steht die griechische Reederei Aegean Flying Dolphins mit Sitz in Piräus. Das Unternehmen betreibt schnelle Personenverbindungen sowohl im Bereich des Saronischen Golfs als auch zwischen Volos und den Nördlichen Sporaden.

Die Flotte besteht aus drei Speedbooten: „Athina“, „Venus I“ und „Erato“. Während „Athina“ und „Venus I“ auf den Verbindungen zwischen Piräus und den Saronischen Inseln eingesetzt werden, übernimmt die „Erato“ die Verbindung von Volos in Richtung Sporaden. Von Piräus aus werden unter anderem Ägina und Angistri bedient.

Technisch blickt die „Erato“ dabei auf eine bemerkenswerte Geschichte zurück. Das Schiff gehört zur Kometa-Bauart, einer Familie von Tragflügelbooten, die ursprünglich in der Sowjetunion entwickelt wurde. Die Konstruktion war für schnelle Personentransporte auf Flüssen und in Küstengewässern gedacht. Das Grundprinzip findet sich bis heute bei Hydrofoils wie der „Erato“ wieder.

34,5 Meter Länge treffen auf gerade einmal 5,8 Meter Breite. Der Tiefgang beträgt ungefähr 1,80 Meter. Diese vergleichsweise schlanke Bauweise und die Tragflügeltechnik ermöglichen die für das Schiff charakteristische Geschwindigkeit.

Im Hafen von Volos wirkt die „Erato“ zunächst fast unscheinbar. Erst aus der Nähe werden die Proportionen deutlich. Noch auffälliger wird das Schiff jedoch, sobald es den Hafen verlässt und beschleunigt. Dann zeigt sich, wofür die ungewöhnliche Konstruktion geschaffen wurde: Der Rumpf hebt sich, die Tragflächen übernehmen einen Teil der Aufgabe des Schiffskörpers, und aus dem kleinen Fährschiff wird ein schnelles Verkehrsmittel für die Inselwelt der Ägäis.

Für die Nördlichen Sporaden ist die Verbindung vom Festland damit eine wichtige Möglichkeit für Reisende ohne Fahrzeug. Skiathos, Skopelos und Alonissos sind von Volos aus direkt erreichbar. Die „Flying Dolphin Erato“ übernimmt dabei weiterhin ihren Platz auf dem Wasser – schnell, schmal und unverkennbar anders als die großen Autofähren, die sonst das Bild griechischer Häfen prägen. (pv)

Foto: Hellas-Bote