Wenn morgens in Volos die ersten Sonnenstrahlen über den Pagasitischen Golf fallen, beginnt für die SUPERSTAR II ein Arbeitstag, der ganz nach dem Rhythmus der griechischen Inselwelt funktioniert.
Von HB-Redakteur Vangelis Makris
Volos – Das Schiff liegt schwer und selbstbewusst im Hafen, während sich dahinter die Silhouette des Pilion-Gebirges abzeichnet. Vor dem Bug liegt die Ägäis, vor ihr liegen Skiathos, Skopelos und Alonissos … drei Inseln, deren Namen nach Pinienwäldern, türkisfarbenem Wasser, weißen Häusern und langen Sommertagen klingen. Seit dem 29. April 2026 ist hier ein neuer großer Akteur unterwegs: Die SUPERSTAR II von Seajets hat den Dienst auf der Verbindung Volos–Sporaden aufgenommen und damit das bisher eingesetzte, deutlich ältere Schiff SUPERSTAR aus dem Jahr 1974 abgelöst.
Schon ihre Dimensionen machen deutlich, dass diese Fähre mehr ist als ein bloßes Transportmittel zwischen Festland und Inseln. Die SUPERSTAR II ist rund 123 Meter lang und 24 Meter breit und kann nach Angaben von Seajets bis zu 1.400 Passagiere und 200 Fahrzeuge aufnehmen. Damit gehört sie zu den stattlichen konventionellen RoPax-Fähren der griechischen Inselverbindungen. Auf der offiziellen Flottenseite wird sie als Passagier- und Fahrzeugfähre geführt; zu den Bordangeboten zählen unter anderem ein Café-Bar-Bereich, WLAN, Aufzüge, Einrichtungen für Haustiere, E-Ticketing und Angebote für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Die Zahlen erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Wer auf einer Fähre dieser Größe über das offene Deck blickt, erlebt eine andere Dimension des Reisens als an Bord eines schnellen Katamarans. Hier geht es nicht allein darum, möglichst schnell die nächste Insel zu erreichen. Die SUPERSTAR II ist vielmehr ein schwimmendes Bindeglied zwischen dem griechischen Festland und einer Inselregion, in der das Auto für viele Reisende ebenso wichtig ist wie der Koffer. Motorräder, Mietwagen, Familienfahrzeuge und Nutzfahrzeuge können mitreisen … ein entscheidender Vorteil für eine Inselwelt, in der Mobilität nach der Ankunft zum Teil des Urlaubserlebnisses wird.
Dass Seajets das Schiff ausgerechnet auf der Verbindung von Volos zu den Nördlichen Sporaden einsetzt, ist deshalb von besonderer Bedeutung. Volos liegt am Fuß des Pilion-Gebirges und ist eines der wichtigsten Tore zu dieser Inselgruppe. Die Route führt über Skiathos, Skopelos und Alonissos und verbindet damit drei Inseln, die unterschiedlicher kaum wirken könnten. Skiathos ist bekannt für seine Strände, das lebendige Hafenstädtchen und seine dichten Pinienwälder. Skopelos präsentiert sich ruhiger, grüner und stärker vom traditionellen Griechenland geprägt. Alonissos wiederum wirkt noch ursprünglicher und ist eng mit dem Meeresschutz und dem Nationalen Meerespark der Nördlichen Sporaden verbunden. Seajets selbst beschreibt Volos als einen besonders geeigneten Ausgangspunkt für die Reise zu den Sporaden und führt die SUPERSTAR II ausdrücklich als Verbindung von Volos in die Inselwelt auf.
Die Reise beginnt dabei nicht erst mit dem Ablegen. Gerade bei einer konventionellen Fähre gehört das Einlaufen in den Hafen zum Erlebnis. Lastwagen und Pkw rollen auf die Fahrzeugdecks, Passagiere suchen ihre Plätze, Gepäck wird verstaut, und während die Hafenmole langsam zurückbleibt, verändert sich die Perspektive. Volos wird kleiner, das Pilion-Gebirge zeichnet sich am Horizont ab und der Pagasitische Golf öffnet sich. Für Reisende nach Skiathos ist das der Moment, in dem aus der Anreise endgültig Urlaub wird.
Die SUPERSTAR II selbst ist allerdings kein Neubau. Ihre Geschichte reicht deutlich weiter zurück und erzählt zugleich etwas über die internationale Lebensgeschichte großer Fähren. Das Schiff wurde 1985 in Dänemark gebaut und trug vor seinem Wechsel zu Seajets den Namen COLOR VIKING. Im November 2022 wurde es von Color Line erworben. Nach dem Besitzerwechsel wurde die Fähre technisch modernisiert und im Innenbereich umgebaut, bevor sie für den Einsatz im griechischen Fährverkehr vorbereitet wurde.
Auch die Geschwindigkeit zeigt, dass die SUPERSTAR II einem anderen Konzept folgt als die bekannten High-Speed-Fähren von Seajets. Während schnelle Katamarane und Jets auf kurze Fahrzeiten und hohe Reisegeschwindigkeiten ausgelegt sind, steht bei einer konventionellen RoPax-Fähre die Kombination aus Passagierkomfort, Fahrzeugkapazität und Reichweite im Vordergrund. Unabhängig von einzelnen technischen Kennzahlen ist die Botschaft eindeutig: Mit der SUPERSTAR II ist auf der Volos-Sporaden-Verbindung ein deutlich größeres Schiff als der bisherige Oldtimer SUPERSTAR im Einsatz. Seajets bezeichnet sie als das größte Schiff, das bislang zu den Sporaden eingesetzt wurde. Das verändert nicht nur die Kapazität, sondern auch das Gefühl einer Reise. Die Bedeutung dieser Verbindung zeigt sich auch im Fahrplan. Für 2026 werden Verbindungen zwischen Volos und Skiathos, Skopelos sowie Alonissos angeboten; je nach Saison verkehren die Schiffe auf der Route an unterschiedlichen Wochentagen und mit angepassten Fahrplänen. Damit wird die Fährfahrt zu einem festen Bestandteil der touristischen Infrastruktur der Region, nicht nur zu einer saisonalen Ergänzung.
Seajets selbst hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der prägenden Namen des griechischen Fährverkehrs entwickelt. Die Reederei verfügt nach eigenen aktuellen Angaben über 29 Schiffe, verbindet 50 Inseln und bietet rund 400 Verbindungen zwischen Häfen der Ägäis an. Das Unternehmen bezeichnet seine Flotte als die größte High-Speed-Flotte der Ägäis und verfügt insgesamt über eine Passagierkapazität von rund 24.000 Personen sowie eine Fahrzeugkapazität von etwa 3.800 Fahrzeugen. Die SUPERSTAR II fällt dabei aus dem Rahmen des klassischen Schnellfähren-Images: Sie steht für eine langsamere, größere und stärker auf Fahrzeuge ausgerichtete Form des Inselverkehrs.
Wenn die Fähre am späten Nachmittag wieder Volos erreicht, liegen die Sporaden hinter ihr. Skiathos, Skopelos und Alonissos verschwinden langsam am Horizont, während die Küste von Thessalien näher rückt. Fahrzeuge rollen von Bord, Passagiere verschwinden in Richtung Bahnhof, Hotel oder Autobahn. Für viele beginnt nun erst der eigentliche Urlaub. Für die SUPERSTAR II dagegen geht der Arbeitstag weiter. Das Meer bleibt ihre Straße, Volos ihr Ausgangspunkt und die Sporaden ihr Ziel … eine Route, die seit dem Frühjahr 2026 mit einem neuen, großen Namen verbunden ist. (mav)




