Kulturministerin Lina Mendoni unterzeichnete eine Programmvereinbarung zwischen dem Kulturministerium, der Nationalen Griechischen Forschungsstiftung (NHRF) und dem Nationalen Zentrum für Naturwissenschaftliche Forschung „Demokritos“ (NKEF Demokritos).
Aktuell – Das Projekt verfügt über ein Gesamtbudget von 660.000 Euro und wird vom Kulturministerium aus eigenen Mitteln finanziert. Mit dieser Vereinbarung beauftragt das Kulturministerium die beiden Forschungseinrichtungen mit der Ausarbeitung des Forschungsprojekts „AmphiPoly“. Dieses Projekt befasst sich mit der Erforschung und Vermittlung der Polychromie des Grabmals von Kasta in Amphipolis. Ziel von AmphiPoly ist die wissenschaftlich dokumentierte Rekonstruktion des ursprünglichen Erscheinungsbildes der Grabdekoration, einschließlich ihrer Polychromie und Ikonographie, in allen ihren chronologischen Phasen. Auf Grundlage archäometrischer Messungen, digitaler Werkzeuge und historisch-archäologischer Forschung erfolgt die digitale, dreidimensionale Visualisierung und ästhetische Restaurierung.

Das Projekt zielt darauf ab, die Bedeutung, Nutzung und Datierung des Denkmals besser zu erfassen und seine ursprüngliche Dekoration wissenschaftlich zu dokumentieren. Diese ist durch Abnutzung und Umbauten an vielen Stellen schwer verständlich und rätselhaft geworden. Gleichzeitig bietet es ein innovatives, interaktives Museumserlebnis mit digitalen Technologien, die es den Besuchern ermöglichen, das Denkmal virtuell zu erkunden, seine architektonischen und dekorativen Elemente interaktiv zu entdecken und die archäometrischen Daten zu visualisieren, die eine wichtige Grundlage für die Restaurierung der Dekoration bilden.
Die Ergebnisse archäometrischer Messungen – durchgeführt von spezialisierten Laboren des NCSR „DEMOKRITOS“ in Zusammenarbeit mit renommierten Forschungsgruppen im Ausland – werden ebenso genutzt wie hochmoderne digitale Materialien aus 3D-Scans und digitalen Anwendungen zur Visualisierung und Dateninteraktion. Es werden physische Kopien ausgewählter Dekorationselemente (Fassade mit Sphinxen, Mosaik, Sockel mit Löwe) und digitale Modelle sowie Virtual-Reality-Videos (VR) für die Museumsnutzung erstellt. Bildende Künstler tragen mithilfe von KI-Werkzeugen und den archäometrischen Daten der abgenutzten, fehlenden oder undeutlichen ikonografischen Elemente – sowohl der Mosaiken als auch der bemalten Marmorfriese – kreativ zur digitalen Vervollständigung und Restaurierung bei. Es werden vergleichende Ergebnisse spektroskopischer Untersuchungen und hochauflösender Fotografien zeitgenössischer Grabmalereien aus dem antiken Makedonien herangezogen, zusammen mit verwandter Ikonographie, Stilistik und Maltechnik, wie beispielsweise dem Fresko der Entführung der Persephone aus Grab I von Aigai – das wahrscheinlich als Vorbild für das Mosaik des Grabes von Kasta diente – sowie die Ergebnisse laboranalytischer Datierungsanalysen von Mörtelproben und osteologischem Material aus dem Inneren des Grabes.
Kulturministerin Lina Mendoni erklärte: „Das Makedonische Grab in Kasta, einem emblematischen Denkmal von enormer historischer und archäologischer Bedeutung, erfordert einen ganzheitlichen Ansatz – Grab, kreisförmige Umfassungsmauer und Grabanlage mit ihren besonderen und einzigartigen Merkmalen –, um seinen umfassenden Schutz zu gewährleisten. Das Kulturministerium setzt mit seinen zuständigen Abteilungen und mit Mitteln aus dem Nationalen Forschungsrahmenprogramm 2021–2027 der Region Zentralmakedonien sowie aus dem Nationalen Entwicklungsprogramm und dem regulären Haushalt in Höhe von insgesamt über 11 Millionen Euro die letzte Phase der Sanierungs- und Restaurierungsprojekte um. Ziel ist es, alle Maßnahmen bis Ende 2027 abzuschließen. Der erste Teil der Projekte umfasst die Restaurierung und Aufwertung eines Teils der Umfassungsmauer und die Neugestaltung des äußeren Korridors, der durch das Grab führt, sowie den Schutz und die Aufwertung des Grabschachts. Im letzten Bereich wird die seit der Antike fragmentierte und beschädigte zweiflügelige Marmortür wieder eingesetzt.“ Die Wiederaufstellung – ein technisch besonders anspruchsvolles Projekt – stellt das historische Erscheinungsbild des Denkmals wieder her. Der zweite Teil des Projekts umfasst den Bau des Museums und der Ausstellungsfläche, die Infrastruktur für die Öffentlichkeit sowie die Anlage der Wege innerhalb der archäologischen Stätte. Aufgrund der Besonderheit des Denkmals, das nur eine geringe Besucherzahl zulässt, dient die Ausstellungsfläche der Information der Besucher mithilfe digitaler und multimedialer Anwendungen in Kombination mit Funden aus dem Grab. Im Rahmen der Programmvereinbarung beauftragt das Kulturministerium die beiden wichtigsten Forschungseinrichtungen des Landes, die Nationale Forschungsstiftung und das NCSR „Demokritos“, mit einem umfangreichen Forschungsprogramm, das die Projekte der Abteilungen des Kulturministeriums ergänzt. Das Ministerium nutzt modernste wissenschaftliche Erkenntnisse, Technologien und Archäometrie, um die ursprüngliche Polychromie, Ästhetik und symbolische Bedeutung des Gräberkomplexes mit größtmöglichem Respekt zu erforschen und zu dokumentieren. Mit dem Projekt AmphiPoly schaffen wir eine neue, umfassend dokumentierte Datenbank und bieten gleichzeitig der internationalen Öffentlichkeit moderne Instrumente zum Verständnis und zur Erfahrung des Denkmals. Das Kulturministerium investiert systematisch in interdisziplinäre Forschung und arbeitet mit unseren akademischen und Forschungseinrichtungen zusammen, um den Schutz und die Förderung unserer Denkmäler auf fundierten wissenschaftlichen Daten zu gründen. Dieses Projekt ist ein Modell für eine kreative Partnerschaft zwischen Archäologie, Museologie und Technologie und bestätigt, dass kulturelles Erbe auf eine Weise hervorgehoben werden kann, die die Vergangenheit würdigt und gleichzeitig dynamisch mit der Zukunft kommuniziert. Die koordinierte und systematische Datenerhebung wird voraussichtlich eine Fülle von Daten generieren.nicht nur für die Kunstgeschichte und die Geschichte der Grabarchitektur des antiken Makedoniens, sondern auch für umfassendere Aspekte des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens jener Zeit.“
Der Präsident der Nationalen Forschungsstiftung, Demosthenes Sarigiannis, erklärte: „Die Programmvereinbarung, die wir mit dem Kulturministerium zur Erforschung und Förderung der Polychromie des Grabmals von Kasta im antiken Amphipolis unterzeichnen, ist ein wichtiger Schritt für die wissenschaftliche Forschung und zugleich für den modernen Umgang unseres Landes mit seinem kulturellen Erbe. Mithilfe interdisziplinärer Methoden, fortschrittlicher, zerstörungsfreier Analyseverfahren und hochpräziser digitaler Anwendungen wollen wir die ursprüngliche Farbpracht des Monuments so vollständig wie möglich rekonstruieren und neue Aspekte der makedonischen Grabarchitektur beleuchten. Als Direktor und Präsident des Verwaltungsrats der Nationalen Forschungsstiftung bin ich überzeugt, dass diese Zusammenarbeit die entscheidende Rolle zukunftsweisender Forschung für die Verwaltung und Förderung des kulturellen Erbes sowie die Bedeutung einer fruchtbaren Partnerschaft zwischen Staat, Forschungseinrichtungen und der lokalen Bevölkerung unterstreicht. Unser Ziel ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugängliches Wissen und in ein für die Öffentlichkeit erlebbares Erlebnis umzuwandeln und so den internationalen Ruf der Tumvos Kastas und von Amphipolis zu stärken.“
Der Vorstandsvorsitzende und Direktor des Nationalen Zentrums für Naturwissenschaftliche Forschung „Demokritos“, Evangelos Karkaletsis, erklärte: „Die Beteiligung von Demokritos am AmphiPoly-Projekt des Kulturministeriums ist die Fortsetzung unserer langjährigen Arbeit in der Archäometrie sowie in mikroanalytischen und zerstörungsfreien spektroskopischen Verfahren zur Erforschung des kulturellen Erbes. Unsere Forschungsteams, deren Expertise von Innovationen in der Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) zur Untersuchung antiker Polychromie über die präzise und valide Datierung organischer Materialien und Mörtel bis hin zur Bestimmung der Herkunft von Marmor reicht, werden wesentlich zum tieferen Verständnis der Rolle und Bedeutung des Grabmals von Kasta in der Antike beitragen. Mit modernen Laboren, spezialisierten Wissenschaftlern und internationaler Zusammenarbeit arbeiten wir daran, neue Aspekte des Monuments zu erschließen und die dokumentierte Entstehung eines einzigartigen archäologischen Ensembles zu belegen.“ (opm)





