Seit 1999 erhebt sich am 21. März die Poesie wie eine ewige Muse und feiert ihre sprachliche Vielfalt – ein Tag, den die UNESCO ins Leben rief, um der Dichtung neuen Raum zu geben.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Aktuell/Kunst & Kultur – Besonders Griechenland, die Wiege der abendländischen Lyrik, trägt diesen Geist in sich: Von den epischen Gesängen Homers bis hin zur modernen Lyrik eines Odysseas Elytis – die griechische Dichtung formte und formt noch immer unsere Vorstellung von Schönheit, Wahrheit und Menschlichkeit.
Gerade in einer sich wandelnden Gesellschaft und einer digitalen Welt, in der Worte oft flüchtig erscheinen, bleibt die Poesie ein Anker der Kultur. Der Welttag der Poesie erinnert daran, dass Verse Brücken schlagen – zwischen Sprachen, Kulturen und Zeiten. Und so erklingen auch heute die Stimmen der Dichter aus Hellas und der Welt, vereint in der Melodie des Wortes. (mv)
Orakel des Nebels
Von Maria Papadaki
Im Schatten ragt der Tempel auf,
von Efeu sanft umschlungen,
die Zeit verweht im Flüstertauf,
wo Götter einst gesungen.
Ein Echo ruft aus dunkler Gruft,
die Sybille spricht in Träumen,
im Weihrauch steigt des Schicksals Duft,
geformt aus Sternenräumen.
Auf Pythias Lippen schwebt das Wort,
geboren aus dem Lichte,
doch wer es hört, zieht aus dem Ort
als Spielball der Gerichte.
O Zeus, o Hades, seid ihr nah?
Ihr webt die Menschenspur.
Ein Pfad aus Gold, ein Pfad aus Grau,
gezeichnet nur durch Spur.
Der Nebel sinkt, das Wort vergeht,
kein Sterblicher es hält,
und doch bleibt das, was niemand versteht,
die Wahrheit dieser Welt.





