Am frühen Morgen, wenn die Sonne gerade über den Horizont steigt, sieht man am griechischen Kerkini-See die eleganten Kormorane in der Luft kreisen oder still auf Felsen sitzen, ihre Flügel zum Trocknen weit ausgebreitet.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Diese mysteriösen „Seeraben“, wie sie im Volksmund genannt werden, sind nicht nur ein symbolisches Wahrzeichen dieses Sees, sondern auch eindrucksvolle Jäger und Meister der Anpassung in verschiedenen Lebensräumen. Der Kerkini-See, ein beeindruckendes Feuchtgebiet im Nordgriechenland, bietet ideale Bedingungen für diese Wasservögel, die hier in großen Kolonien brüten.
Kormorane sind weltweit verbreitet und haben sich mit über 40 Arten an unterschiedlichste Lebensräume angepasst. Die Vogelart lebt sowohl an Meeresküsten als auch an Binnengewässern und zeigt in ihrem Aussehen zwei Haupttypen: Die meisten Kormorane sind einfarbig schwarz oder dunkelbraun mit einem metallischen Glanz, während andere Arten zweifarbig sind, mit einer dunklen Oberseite und einer weißen Unterseite. Diese Färbungsunterschiede treten oft geografisch auf – auf der Südhalbkugel sind mehr zweifarbige Arten zu finden, während im Norden die einfarbigen dominieren.

In Griechenland, wie am Kerkini-See, trifft man hauptsächlich auf den Gemeinen Kormoran (Phalacrocorax carbo). Diese Kunst ist ein Meistertaucher, der geschickt im klaren Wasser Fische jagt. In beeindruckenden Formationen bewegen sich die Vögel mit kräftigen Flügelschlägen über die Wasseroberfläche und tauchen dann blitzschnell ab, um ihre Beute zu fangen.
Der Kerkini-See ist ein Paradies für Wasservögel, und Kormorane nutzen dieses Feuchtgebiet als wichtigen Brut- und Rastplatz. Mit ihren weit zurückgesetzten Beinen wirken sie an Land etwas ungeschickt, doch im Wasser zeigen sie beeindruckende Eleganz und Schnelligkeit. Sie tauchen mit Leichtigkeit und können bis zu 50 Meter tief absteigen, um ihre Hauptbeute – Fische – zu jagen. In Griechenland trifft man sie oft auch in Küstenregionen und Lagunen, wo sie in der Nähe von Fischern leben, was gelegentlich zu Spannungen führt, da die Vögel große Fische verzehren.
Ein besonders beeindruckendes Schauspiel bietet sich, wenn die Kormorane in Gruppen auf der Wasseroberfläche sitzen, ihre glänzenden schwarzen Flügel weit geöffnet sind, um das Gefieder zu trocknen. Diese auffällige Haltung dient dazu, das wasseraufnehmende Gefieder schneller zu trocknen, da Kormorane trotz ihrer Bürzeldrüse das Wasser nicht vollständig abweisen können – ein evolutionärer Vorteil, der ihnen das schnelle Tauchen erleichtert.
Der Kormoran gilt in vielen Teilen der Welt als umstritten, da er als Konkurrent der Fischer angesehen wird. Doch gerade am Kerkini-See ist er Teil eines komplexen Ökosystems, das von einer Vielzahl von Fischarten und Wasservögeln abhängt. Durch seine Jagd auf Fische reguliert der Kormoran auch die Populationen kleiner Fische, wurde das Gleichgewicht im Ökosystem des Meeres unterstützt.
Obwohl der Gemeine Kormoran weltweit nicht als gefährdet gilt, gibt es einige Arten, die durch Umweltveränderungen, Verschmutzung und die Überfischung ihrer Nahrungsgrundlagen bedroht sind. Am Kerkini-See werden die Kormorane jedoch sorgfältig überwacht, und Naturschützer arbeiten daran, das empfindliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu bewahren. (pv)





