Weiße Kränze erinnern in Volos an das Ende der deutschen Besatzung

Weiße Kränze mit Schleifen vor einem Denkmal, dahinter das Grün der Bäume und die Gebäude des modernen Volos. Ein Ort, an dem sich die Geschichte der griechischen Hafenstadt jedes Jahr im Oktober verdichtet.
Von HB-Redakteurin Ebru Ataman

Volos – Am Montag, dem 19. Oktober 2026, erinnerte Volos mit einer Gedenkandacht und einer Kranzniederlegung an die Befreiung von der deutschen Besatzung vor 82 Jahren. Die von der Stadt organisierte Zeremonie fand am Denkmal der Nationalen Widerstandsbewegung auf dem Riga Fereou-Platz hinter dem Rathaus statt. Vertreter der örtlichen Behörden nahmen an der Veranstaltung teil.

Der 19. Oktober 1944 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte von Volos. Nach dreieinhalb Jahren Besatzung zogen die letzten deutschen Truppen aus der Stadt ab. Die Glocken der Kirchen und die Sirenen der Fabriken verkündeten das Ende der Besatzungszeit. Kämpfer des 54. Regiments der griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS, das in der Region Pilion operierte, rückten in Volos ein. Auf den Straßen versammelten sich die Einwohner, um die Befreiung zu feiern.

Hinter diesem Tag lagen Jahre der Angst, des Hungers, der Verfolgung und der Gewalt. Die deutsche und zuvor die italienische Besatzungsmacht hatten die Bevölkerung mit Repressionen, Verhaftungen und Hinrichtungen eingeschüchtert. Zugleich entwickelte sich in den Bergen des Pilion und in der Stadt ein vielfältiger Widerstand. Menschen unterstützten Verfolgte, organisierten Hilfe für Bedürftige und schlossen sich den Widerstandsgruppen an. Die Befreiung war deshalb nicht allein das Ende militärischer Besatzung, sondern auch der Moment, in dem sich die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit Bahn brach.

Die letzten Tage vor dem Abzug der deutschen Truppen waren ebenfalls von Gewalt geprägt. Am 13. Oktober 1944 griffen alliierte Flugzeuge deutsche Schiffe im Hafen von Volos an. Die Explosionen forderten Menschenleben und wirkten sich auch auf bewohnte Bereiche der Stadt aus. Nur sechs Tage später endete die Besatzung. Historische Fotografien dokumentieren die Freude der Bevölkerung über die Befreiung und bewahren Eindrücke eines Ereignisses, das sich tief in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingeschrieben hat.

Das Denkmal auf dem Riga Fereou-Platz erinnert an die Männer, Frauen und Jugendlichen, die sich dem nationalsozialistischen Besatzungsregime widersetzten und für die Freiheit kämpften. Die jährliche Kranzniederlegung gehört zu den zentralen Formen des öffentlichen Gedenkens in Volos. Sie würdigt die Opfer der Besatzungszeit und hält die Erinnerung an den Widerstand wach.

Auch in diesem Jahr wurde die Zeremonie von weiteren Veranstaltungen begleitet. Die Staatlichen Archive der Region Magnesia öffneten am 19. Oktober ihre Sammlungen für die Öffentlichkeit. Unter dem Titel „Volos frei: 19. Oktober 1944“ präsentierten sie historische Fotografien, persönliche Tagebücher, Untergrundzeitungen, Gerichtsakten und Zeugnisse von Widerstandskämpfern. Dokumente über den Alltag, den Schulunterricht und die Versorgung der Bevölkerung machten deutlich, wie stark die Besatzungszeit sämtliche Lebensbereiche geprägt hatte. Die Ausstellung wurde bereits seit 2017 als jährliche Erinnerungsveranstaltung durchgeführt. (ea)

Foto: Hellas-Bote