Von Hellas nach Apulien: Gallipoli und das griechische Vermächtnis

Gallipoli, eine Perle Süditaliens an der Küste Apuliens, trägt nicht nur die Schönheit seiner Lage, sondern auch das Erbe einer alten Hochkultur: Griechenland. Die Ursprünge der Stadt reichen bis in die Zeit der griechischen Kolonisation zurück – ein kultureller Schatz, der bis heute in der Architektur, im Stadtbild und im Namen selbst nachhallt.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler

Reisen – Die Hafenstadt wurde von griechischen Siedlern im 7. oder 6. Jahrhundert v. Chr. als Kallipolis (griechisch: Καλλίπολις) gegründet – was treffend „Schöne Stadt“ bedeutet. Sie war Teil der Magna Graecia, dem Netz griechischer Kolonien im Süden Italiens, das ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. entstand. Die Nähe zu Taras (heute Tarent), einer der bedeutendsten griechischen Städte Italiens, führte im 3. Jahrhundert v. Chr. zur politischen Allianz: 265 v. Chr. verbündete sich Kallipolis mit Taras gegen die expandierenden Römer. Der Widerstand war vergeblich – Gallipoli wurde Teil des Römischen Reiches und erhielt den Status eines Municipiums.

Foto: Ingo Kuebler, CC BY-SA 3.0, wikimedia.org

Im 5. Jahrhundert n. Chr. fielen Vandalen in die Region ein und plünderten die Stadt. Wie viele Orte des ehemaligen Weströmischen Reiches durchlebte Gallipoli in den folgenden Jahrhunderten eine wechselhafte Geschichte.

Ab dem 11. Jahrhundert fiel Gallipoli unter normannische Herrschaft, wurde später Teil des staufischen Reichs unter Kaiser Friedrich II., und gelangte schließlich 1266 an das Haus Anjou. In dieser Zeit wurde das heutige Castello di Gallipoli erbaut und mehrfach erweitert – bis heute ein markantes Symbol der Stadt.

1484 versuchten die Venezianer, die Kontrolle über Gallipoli zu erlangen. Trotz erbitterten Widerstands wurde die Stadt eingenommen, jedoch nicht zerstört – ein seltener Akt in jener kriegerischen Zeit. Im 16. Jahrhundert geriet Gallipoli unter spanischen Einfluss, der sich in militärischer Architektur und städtischer Organisation niederschlug. Zur Zeit der Napoleonischen Kriege kämpfte das franzosenfreundliche Gallipoli im Jahr 1809 gegen die englische Flotte – ein Beweis für seine strategische Bedeutung.

Bis 1986 war Gallipoli zudem Bischofssitz – ein Hinweis auf seine kirchliche und kulturelle Bedeutung über die Jahrhunderte hinweg. Heute erinnern Museen, Kirchen und archäologische Fundstücke an die lange Geschichte der Stadt.

Noch immer lebt in Gallipoli der Geist Hellas. Die Altstadt, mit ihren verwinkelten Gassen, weißen Fassaden und der Nähe zum Meer, wirkt wie eine Fortsetzung der griechischen Inselarchitektur. Das mediterrane Licht, die enge Verbindung zur Seefahrt, die Weinkultur und selbst die Ortsnamen der Umgebung (wie Alezio oder Galatone) weisen auf eine hellenistische Vergangenheit hin.

Wer Gallipoli besucht, wandelt also nicht nur durch eine malerische Hafenstadt, sondern durch Jahrtausende europäischer Geschichte – und durch einen Ort, der tief im Geist des antiken Griechenlands verwurzelt ist. (sk)

Foto: Holger Uwe Schmitt, CC BY-SA 4.0, wikimedia.org