Unter den Kuppeln der Zeit – Das Besistan von Thessaloniki als gewebtes Gedächtnis

Das Besistan, ein Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert, erhebt sich in Thessaloniki wie ein stiller Zeuge vergangener Epochen, in denen Händler, Kaufleute und Reisende nicht nur Waren, sondern auch Geschichten und Träume tauschten.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Reisen/Geschichte – Errichtet in den Jahren zwischen 1455 und 1459 während der Herrschaft von Sultan Mehmed II., dem berühmten Eroberer von Konstantinopel, oder nach manchen Quellen etwas später unter Bayezid II., trägt das Gebäude Spuren, die weit mehr sind als steinerne Architektur – es ist ein gelebtes Kapitel europäischer und griechischer Geschichte.

Sein Name stammt vom türkischen „bez“, dem Wort für Stoff, und in diesen Mauern wurden tatsächlich Stoffe von unschätzbarem Wert gehandelt. Doch das Besistan war nicht nur Markt, sondern auch Schatzkammer, ein Ort, an dem Währungen bestimmt, kostbare Dokumente verwahrt und die Qualität von Waren streng geprüft wurden. Es war ein Herzstück osmanischer Urbanität, wie es in Städten des Balkans und Anatoliens vielfach zu finden war. Doch in Griechenland blieben nur drei dieser steinernen Wunder erhalten – in Thessaloniki, Larisa und Serres.

Die Architektur des Besistans erzählt von der Strenge und Harmonie osmanischer Baukunst. Rechteckig im Grundriss, mit vier Eingängen, die sich wie Tore zur Welt öffnen, und sechs bleigedeckten Kuppeln, die sich wie Himmel über den Köpfen der Händler wölben. Doppelbögen tragen das Gewicht der Jahrhunderte, als wären sie Brücken, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verweben. Vor der großen Feuersbrunst von 1917, die Thessaloniki nahezu auslöschte, belebten 69 Geschäfte im Inneren und 44 weitere an den Außenseiten das Besistan. Man kann sich das Stimmengewirr, den Duft exotischer Gewürze, den Glanz von Stoffen und Schmuck vorstellen, die einst den Raum erfüllten.

Doch das Schicksal der Stadt spiegelt sich auch in diesem Bau. Brände, Erdbeben – wie 1759 und erneut 1978 – ließen Mauern wanken und Kuppeln bersten. Restaurierungen in den 1980er Jahren stärkten das Fundament, doch die Narben blieben sichtbar. Heute ist das Besistan noch immer belebt, kleine Geschäfte, vor allem Tuchhändler, bewahren seine ursprüngliche Bestimmung. (mv)

Foto: Hellas-Bote/KI