Die Lamien, jene faszinierenden unheimlichen Kreaturen aus der griechischen Mythologie, haben die Fantasie der Menschen über Jahrtausende hinweg angeregt. Benannt nach dem Ungeheuer Lamia, sind sie auch im heutigen Volksglauben Griechenlands als dämonische, vampirähnliche Wesen präsent. Ihre Legende lebt nicht nur in alten Geschichten, sondern auch in der modernen Vampirliteratur weiter.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Götter & Gelehrte – Den Überlieferungen zufolge sind Lamien (griechisch λάμιες) unersättlich nach jungem menschlichem Blut. Ihr bevorzugtes Ziel: schöne junge Männer, die sie mit ihrer betörenden Erscheinung in ihren Bann ziehen. Trotz ihrer grausamen Absichten steht die Lamia damit in einer verführerischen Ambivalenz zwischen Gefahr und unwiderstehlicher Attraktivität.
Der Einfluss der Lamien auf den neuzeitlichen Vampirglauben in Griechenland bleibt ein Streitthema. Während die Lamien als nichtmenschliche Dämonen beschrieben werden, verkörpert der Vrykolakas – der griechische Vampir – ein verstorbenes menschliches Wesen, das in einem schaurigen Zwischenzustand zwischen Leben und Tod verharrt. Diese Unterscheidung wirft die Frage auf, inwieweit die Legende der Lamien tatsächlich als Ursprung des Vampirglaubens gelten kann.
Das Wort „Lamia“ birgt sprachhistorische Rätsel. Es könnte vom griechischen „λαιμός“ (lämós), was so viel wie Rachen oder Kehle bedeutet, stammen. Alternativ wird eine Verbindung zum arabischen Begriff „lahama“ für „zerfleischen“ oder „zerreißen“ vermutet – eine passende Anspielung auf die blutrünstige Natur der Lamien.
Die Präsenz der Lamien in der zeitgenössischen Kultur ist unübersehbar. Besonders eindrucksvoll erscheint ihre Darstellung im Konzeptalbum The Lamb Lies Down on Broadway von Genesis, in dem der Protagonist Rael den mysteriösen Wesen begegnet. Diese musikalische Interpretation fügt dem Mythos eine weitere Facette hinzu und zeigt, wie die Faszination für die Lamien bis heute anhält. (mv)





