Der Paradiesvogelstrauch, wissenschaftlich als Erythrostemon gilliesii bekannt, fasziniert Naturfreunde weltweit mit seiner leuchtenden Erscheinung und seinem außergewöhnlichen Blütenwuchs.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Natur & Umwelt – Auch wenn er unter dem volkstümlichen Namen „Paradiesvogelblume“ bekannt ist, steht er botanisch in keinerlei Verwandtschaft zur tatsächlichen Paradiesvogelblume (Strelitzia). Der südamerikanische Strauch, der zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) gehört, bringt neben seiner ornamentalen Schönheit auch eine interessante Geschichte und eine Vielfalt an Anwendungsmöglichkeiten mit sich.
Erythrostemon gilliesii wächst je nach Niederschlagsmenge auf einer Höhe von einem bis vier Metern. Die doppelt gefiederten Blätter messen 10 bis 15 cm und bestehen aus einer Reihe kleiner, symmetrisch angeordneter Blättchen. Doch das wahre Highlight dieses Strauches sind seine bis zu 20 cm langen Blütentrauben, deren leuchtend gelbe Blütenblätter mit langen, feuerroten Staubblättern besetzt sind – ein atemberaubender Anblick, der dem Strauch seine exotische Anziehungskraft verleiht. Die Samenkapseln des Paradiesvogelstrauchs sind mit kleinen roten Drüsenhaaren versehen, die sie samtig und auffällig erscheinen lassen.
In seinem natürlichen Lebensraum, den subtropischen Regionen Argentiniens und Uruguays, gedeiht die Pflanze als Zierstrauch in Privatgärten, Parks und öffentlichen Anlagen. Ihre Anpassungsfähigkeit hat jedoch auch in trockenen Klimazonen wie Texas und dem südwestlichen Teil der USA ihre Beliebtheit gefördert, wo sie als „Wüstenparadiesvogel“ oder „Yellow Bird of Paradise“ bekannt ist. Auch im Mittelmeerklima des Marmarameers in der Türkei, wo sie als „Paşabıyığı“ oder „Cennetkuşu ağacı“ (Paradiesvogelbaum) bezeichnet wird, gilt der Strauch hervorragend. Im trockenen Karoo-Gebiet Südafrikas findet sich Erythrostemon gilliesii ebenfalls in strandlicher Häufigkeit.
In den indigenen Kulturen des Amazonas spielt Erythrostemon gilliesii eine lange überlieferte Rolle in der traditionellen Medizin. Sie wird dort zur Fieberreduktion und zur Behandlung von Wunden und Husten genutzt. Allerdings birgt die Pflanze auch gesundheitliche Risiken: Die Samen und grünen Kapseln sind giftig und führen zu starkem Erbrechen und anderen gastrointestinalen Symptomen, wenn sie versehentlich eingenommen werden. Überlieferungen hatten angeblich Amazonas-Medizinmänner auch Kenntnisse über die abortive Wirkung der Wurzel, die bei unsachgemäßer Anwendung im ersten Schwangerschaftsdrittel Fehlgeburten hervorrufen könnten. (pv)





