Ein Leben für Kunst und Glauben: Fotis Kontoglou

Es beginnt in einem kleinen Küstenort Kleinasiens, wo das glitzernde Wasser der Ägäis auf die Straßen von Ayvalik trifft. Hier, am 8. November 1895, erblickte Fotios Apostolellis das Licht der Welt – ein Junge, der später unter dem Namen Fotis Kontoglou die griechische Kunstlandschaft wie kaum ein anderer prägen sollte.
Von HB-Redakteurin Ebru Ataman

Kunst & Kultur – Schon früh war sein Leben von Verlust und Neuanfang geprägt: Nur ein Jahr nach seiner Geburt starb sein Vater Nikolaos, und die Erziehung von Fotis und seinen drei älteren Brüdern übernahm Onkel Stephanos Kontoglou, Vorsteher des Klosters der Heiligen Paraskevi. Fortan trug der junge Fotis den Namen seines Onkels – ein Symbol für die enge Verbindung von Familie und Tradition, die sein späteres Werk prägen sollte.

Bereits in der Schulzeit zeigte sich Kontoglous künstlerisches Talent. Er war Mitglied einer Schülergruppe, die eine kleine Zeitschrift namens „Melissa“ herausgab, die er mit Zeichnungen bereicherte. Nach seinem Abschluss 1912 am Gymnasium von Ayvalik führte ihn sein Weg nach Athen, wo er die Hochschule der Bildenden Künste besuchte. Einen Abschluss erlangte er nie – zu stark zog es ihn in die Ferne. 1914 wanderte er nach Paris aus, das pulsierende Herz der europäischen Kunstszene, wo er Werke aller Stilrichtungen studierte und gleichzeitig als künstlerischer Leiter der Zeitschrift Illustration arbeitete. Zwei Jahre später gewann er einen ersten Preis für die künstlerische Gestaltung des Romans Hunger von Knut Hamsun – ein früher Beleg für seine außergewöhnliche Begabung.

Seine Reisen führten ihn 1917 nach Spanien und Portugal, bevor er 1918 nach Frankreich zurückkehrte und dort sein erstes literarisches Werk, Pedro Cazas, veröffentlichte. Nach Kriegsende kehrte Kontoglou 1919 nach Griechenland zurück und gründete mit Ilias Venezis und Stratis Doukas den Kulturverein „Neue Menschen“. Neben literarischem Schaffen unterrichtete er an der Mädchenschule von Ayvalik Französisch und Kunstgeschichte – Tätigkeiten, die seine Liebe zur Kultur und Bildung festigten.

Die politische und gesellschaftliche Krise der Kleinasiatischen Katastrophe zwang Kontoglou zur Flucht nach Lesbos, bevor er auf Einladung renommierter griechischer Schriftsteller nach Athen zog. Hier, im Herzen Griechenlands, traf er unter anderem Nikos Kazantzakis, dessen Begeisterung für Kontoglous Roman ihn in der literarischen Szene schnell bekannt machte. 1923 führte ihn seine tiefe Religiosität zum Heiligen Berg Athos. In den jahrhundertealten Klöstern lernte er die byzantinische Malerei kennen, eine Begegnung, die sein künstlerisches Schaffen nachhaltig beeinflusste. Mit dem Bildband Die Kunst des Athos veröffentlichte er seine ersten Studien, und seine Werke fanden bald den Weg auf Ausstellungen.

1925 heiratete Kontoglou Maria Chatzikambouris, und das Paar ließ sich in Nea Ionia, einem Athener Stadtteil, nieder. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete er nicht nur als Maler, sondern auch als Ikonenrestaurator für das Byzantinische Museum in Athen, in Mystra auf dem Peloponnes und für das Koptische Museum in Kairo. Seine Fresken und Ikonen schmücken zahlreiche Kirchen in Attika, Rhodos und anderen Teilen Griechenlands. Besonders beeindruckend sind die großen Wandbilder im Athener Rathaus, ebenso wie Porträts berühmter Persönlichkeiten, darunter der Schriftsteller Alexandros Papadiamantis. Kontoglous Stil verbindet die Tradition der byzantinischen Malerei mit modernen Einflüssen und schuf so einen unverwechselbaren, zeitlosen Ausdruck.

Als Schriftsteller veröffentlichte er neben Pedro Cazas Werke wie Giavas Thalassinos, Ayvalik, meine Heimat, Gesegneter Zufluchtsort und Meere, Boote und Schiffsherren. Seine literarische und künstlerische Leistung wurde vielfach ausgezeichnet: 1961 erhielt er für Ausdrucksformen der orthodoxen Ikonographie die Anerkennung der Akademie von Athen. Zwei Jahre später wurde ihm für Ayvalik, meine Heimat ein Preis griechischer Literaturkritiker verliehen; zudem ehrte ihn die Akademie für sein Lebenswerk. Am 13. Juli 1965 endete das Leben des großen Künstlers und Schriftstellers nach den Folgen einer postoperativen Infektion in Athen. (ea)

Foto: Rudy and Peter Skitterians/Pixabay