Drohnenangriff auf britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri erschüttert Zypern

Mit einem dumpfen Einschlag auf dem Rollfeld der Royal Air Force endete in der Nacht zum Montag die bislang nur aus der Ferne verfolgte Eskalation im Nahen Osten auf europäischem Boden.
Von HB-Redakteur Dietmar Thelen

Aktuell – Auf der südlichen Spitze der Mittelmeerinsel Zypern traf eine unbemannte Drohne den britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Akrotiri. Verletzt wurde nach Angaben der zyprischen Behörden und des britischen Verteidigungsministeriums niemand. Der Sachschaden blieb den ersten Einschätzungen zufolge gering.

Der Angriff ereignete sich kurz nach Mitternacht. Nach Angaben aus Nikosia schlug das Fluggerät auf dem Rollfeld der Basis ein, die westlich der Hafenstadt Limassol liegt. Die Sicherheitsmechanismen des Stützpunkts griffen umgehend: Alarm wurde ausgelöst, das Gelände abgeriegelt. Die Landebahn sei getroffen worden, bestätigte die britische Innenministerin Yvette Cooper am Montag. Weitere Details könnten aus Sicherheitsgründen derzeit nicht genannt werden, doch seien „alle Vorsichtsmaßnahmen“ ergriffen worden.

Der Präsident der Republik Zypern, Nikos Christodoulides, sprach am Morgen von einer Drohne iranischer Bauart. Es handle sich nach bisherigen Erkenntnissen um eine sogenannte Shahed-Drohne, ein in Iran produziertes unbemanntes Fluggerät, das in verschiedenen Konflikten der vergangenen Jahre eingesetzt worden ist. Woher die Drohne gestartet wurde, blieb zunächst offen.

Zypern selbst, betonte Christodoulides, beteilige sich „in keiner Weise“ an militärischen Operationen und habe auch nicht die Absicht, dies zu tun. Sein Land befinde sich jedoch in engem Austausch mit europäischen Partnern und anderen Regierungen über die weitere Entwicklung. Die Inselrepublik ist Mitglied der Europäischen Union, während die beiden britischen Militärbasen auf ihrem Territorium – Akrotiri im Süden und Dhekelia im Osten – als britisches Hoheitsgebiet gelten.

London reagierte mit deutlichen Worten. Verteidigungsminister John Healey warnte vor „zunehmend wahllosen iranischen Vergeltungsangriffen“. Dem Sender Sky News zufolge seien zudem zwei iranische Raketen in Richtung Zypern abgefeuert worden. Das britische Verteidigungsministerium bestätigte den Drohnenangriff, äußerte sich jedoch zurückhaltend zu möglichen weiteren Bedrohungen.

Im Laufe des Montags verschärfte sich die Lage. Zwei weitere unbemannte Flugobjekte, die sich nach zyprischen Angaben im Anflug auf die britischen Stützpunkte befanden, wurden rechtzeitig abgefangen. Der Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis erklärte, die Luftabwehr habe die Drohnen neutralisiert, bevor sie Schaden anrichten konnten. Damit blieb es bei dem einen Einschlag auf dem Rollfeld von Akrotiri.

Die unmittelbaren Auswirkungen auf das zivile Leben waren dennoch spürbar. Der westlich gelegene Flughafen von Paphos wurde zeitweise evakuiert, wie der zyprische Rundfunk berichtete. Ankommende Maschinen wurden zum Hauptflughafen der Inselrepublik in Larnaka umgeleitet. Der Zivilschutz und das Innenministerium ordneten an, dass Bewohner der Dörfer innerhalb des britischen Stützpunktgebiets ihre Häuser verlassen und sich nach Limassol begeben sollten. Die Maßnahmen wurden mit Vorsichtserwägungen begründet.

Der Luftwaffenstützpunkt Akrotiri nimmt für Großbritannien eine strategisch herausgehobene Stellung ein. Er liegt auf einer weitläufigen, nahezu quadratischen Halbinsel an der Südspitze Zyperns und dient seit Jahrzehnten als Drehscheibe für Einsätze im Nahen Osten. Von hier aus werden Operationen koordiniert, Aufklärungsflüge gestartet und logistische Verbindungen unterhalten. Die Basis gilt als einer der wichtigsten militärischen Vorposten Londons außerhalb des Vereinigten Königreichs.

Premierminister Keir Starmer hatte erst kürzlich erklärt, Großbritannien gestatte den Vereinigten Staaten die Nutzung britischer Stützpunkte für defensive Maßnahmen zur Zerstörung iranischer Raketen und Abschussrampen. Vor diesem Hintergrund erhält der Angriff auf Akrotiri zusätzliche politische Brisanz. Er fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran, deren militärische Auseinandersetzungen bislang vor allem den Nahen Osten erfasst hatten.

Mit dem Einschlag auf zyprischem Boden ist diese Konfrontation nun auch in unmittelbare Nähe der Europäischen Union gerückt. Zypern selbst bemüht sich seit Jahren um eine vorsichtige Balance in der Region. Die Insel liegt geographisch nahe an Syrien, dem Libanon und Israel, ist zugleich Mitglied der EU und traditionell eng mit Griechenland verbunden.

Athen reagierte prompt. Verteidigungsminister Nikos Dendias kündigte im griechischen Rundfunk ERTNews an, zwei Fregatten sowie zwei F-16-Kampfflugzeuge nach Zypern zu verlegen. Die Kriegsschiffe verfügten über moderne Luft- und Drohnenabwehrsysteme. Griechenland verstärke damit seine militärische Unterstützung für die benachbarte Inselrepublik. Die Maßnahme sei als Signal der Solidarität und der Abschreckung zu verstehen.

Während die Ermittlungen zur Herkunft der Drohne andauern, bleibt die Sicherheitslage angespannt. Britische und zyprische Stellen arbeiten nach eigenen Angaben eng zusammen, um mögliche weitere Bedrohungen frühzeitig zu erkennen. Die Militärbasis selbst wurde in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Der Vorfall markiert eine neue Qualität der Auseinandersetzung. Erstmals wurde im Zuge der jüngsten Eskalation ein Ziel auf dem Territorium eines EU-Mitgliedstaates getroffen – wenn auch in einem Gebiet unter britischer Souveränität. Die Tatsache, dass keine Menschen zu Schaden kamen, wird in Nikosia und London als glücklicher Umstand gewertet. Gleichwohl unterstreicht der nächtliche Einschlag auf dem Rollfeld von Akrotiri die Verwundbarkeit selbst hochgesicherter militärischer Einrichtungen in einer Phase wachsender regionaler Spannungen. (dt)

Foto: Michael Christen/Pixabay