Die „Trata“ – Ein Tanz zwischen Geschichte, Glaube und Meer

Alle zwei Jahre verwandelt sich die kleine Stadt Megara in Attika in ein lebendiges Zeugnis griechischer Tradition: Dann tanzen die Frauen der Stadt den uralten Gedenktanz „Trata“ – ein Ritual, das tief im kulturellen Gedächtnis Griechenlands verankert ist.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Geschichte – Am Dienstag nach Ostern versammeln sich die Teilnehmerinnen in traditionellen Gewändern auf dem Platz vor der Kapelle des „Heiligen Johannes des Tänzers“, um ein lebendiges Erbe zu feiern, das bis in vorosmanische Zeiten zurückreicht.

Die Legende erzählt, dass diese Kapelle während der osmanischen Herrschaft an nur einem Tag erbaut wurde – ein Wunder, das heute durch den Tanz geehrt wird. Doch die Wurzeln der Trata reichen wohl noch tiefer. Folkloristen vermuten, dass die charakteristischen Bewegungen des Tanzes, die das Einholen von Fischernetzen symbolisieren, auf ein viel älteres Ritual zurückgehen: einen Tanz, der einst dem Erfolg der Fischer gewidmet war – ein beseeltes Dankesfest für die Gaben des Meeres.

Auch auf den Ägäischen Inseln lebt die Trata fort – dort meist in Form eines syrtischen Tanzes, begleitet vom bekannten Lied „Η τράτα μας η κουρελού“ („Unsere alte Fischerkutter-Decke“). Ob auf Hochzeiten, Dorffesten oder familiären Feiern: Der Tanz gehört fest zum sozialen Leben und wird stets mit Stolz und Lebensfreude aufgeführt. Auf der Insel Ikaria erhält die Trata durch besondere Bewegungen im Refrain zudem einen ganz eigenen lokalen Charakter.

Was alle Formen dieses Tanzes vereint, ist die tiefe Verbundenheit mit dem Meer, das in der griechischen Kultur nicht nur Lebensgrundlage, sondern auch Mythos, Geschichte und Sehnsuchtsort ist. Die Trata ist damit mehr als nur ein Tanz: Sie ist eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Arbeit und Fest, zwischen Mensch und Meer. (jk)

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