Die Evzonen, einst als Eliteeinheiten der griechischen Myrmidonen und später als königliche Leibgarde gegründet, stehen heute als Symbol für das historische Erbe und die ungebrochene Identität Griechenlands.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Kultur & Geschichte – Seit der Abschaffung der Monarchie sind die Evzonen als Teil der Präsidialgarde fest im modernen Staat verwurzelt, und ihre unverwechselbaren Uniformen sowie der feierliche Wachwechsel vor dem Grab des unbekannten Soldaten am Syntagma-Platz in Athen sind für Besucher wie Einheimische eine beeindruckende und respektvolle Hommage an die Vergangenheit.
Von der Antike bis zur Moderne: Eine lange Tradition
Die Wurzeln der Evzonen reichen tief in die Geschichte Griechenlands zurück. Bereits in der Antike galten sie als die Eliteeinheiten der Myrmidonen, die von Achilleus, einem der größten Helden der griechischen Mythologie, angeführt wurden. Diese Elitekrieger schützen das hellenische Territorium gegen fremde Eroberer und waren für ihre Tapferkeit und Unerschrockenheit im Kampf bekannt.
Mit der Unabhängigkeitsbewegung gegen die osmanische Herrschaft im 19. Jahrhundert traten die Evzonen erneut ins Rampenlicht der Geschichte. Sie spielten eine entscheidende Rolle im Befreiungskampf Griechenlands und trugen wesentlich zur Gründung des modernen griechischen Staates bei.

Die königliche Leibgarde: Gründung unter König Otto
Die moderne Geschichte der Evzonen begann im 19. Jahrhundert unter der Herrschaft des bayerischen Königs Otto von Griechenland. Der junge König gründete die Leibgarde, um die königliche Familie zu schützen und gleichzeitig das nationale Erbe zu pflegen. Die Uniform der Evzonen, die bis heute ein markantes Erkennungsmerkmal dieser Elitesoldaten ist, wurde von Königin Amalia entworfen. Ihre Tracht ist reich an Symbolik und Tradition: Der weiße, gefältelte Rock (Fustanella) erinnert an die Kleider der Krieger der griechischen Unabhängigkeitskämpfer, während der Fermeli, eine bestickte Weste, aufwendig von den Soldaten selbst angefertigt wird. Die auffälligen, schwerfälligen Schuhe, die sogenannten Tsarouchia, sind mit Quasten versehen und symbolisieren die Entschlossenheit der Soldaten.
Ein dunkles Kapitel: Die Besetzung durch die Wehrmacht
Die glorreiche Geschichte der Evzonen erlebte während des Zweiten Weltkriegs jedoch einen tragischen Einschnitt. Nach der Besetzung Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht im Jahr 1943 wurden unter deutscher Aufsicht drei Evakuierungsregimenter aufgestellt. Diese Truppen, die auf Deutschland vereidigt wurden, sorgten in der griechischen Bevölkerung für Kontroversen und Ablehnung. Die von der Kollaborationsregierung aufgestellten Bataillone, die in Uniform der traditionellen Evzonen kämpften, wurden hauptsächlich im Kampf gegen die kommunistischen Partisanen der ELAS eingesetzt. Nach der Befreiung Griechenlands im Jahr 1944 wurden diese Einheiten entwaffnet, und das dunkle Kapitel wurde für die Evzonen beendet.
Die Evzonen heute: Stolze Wachposten und nationale Repräsentanten
Mit dem Ende der Monarchie und der Gründung der griechischen Republik verändert sich auch die Rolle der Evzonen. Seit 1974 sind sie Teil der Präsidialgarde, die als Ehrenformationsvertretung und auch zeremonielle beide Aufgaben übernimmt. Sie stehen für Kontinuität und Respekt vor der griechischen Geschichte und tragen maßgeblich zum nationalen Selbstverständnis bei. Auch heute gelten sie als Eliteregiment der griechischen Armee.
Der berühmte Wachwechsel vor dem Parlamentsgebäude am Syntagma-Platz ist eine der beliebtesten Attraktionen Athens. Jedes Jahr beobachten Tausende von Touristen und Einheimischen dieses beeindruckende Schauspiel, bei dem die Wachposten vor dem Grab des unbekannten Soldaten ihre Positionen tauschen. Diese Zeremonie, die jede Stunde stattfand, erinnert an die Opfer der griechischen Soldaten in den zahlreichen Kriegen der Vergangenheit und verbindet das antike Erbe Griechenlands mit der Gegenwart. (mv)





