Der Admiral – Ein weltgewandter Wanderer mit scharlachroten Flügeln

Der Admiral (Vanessa atalanta) gehört zu den bekanntesten und faszinierendsten Schmetterlingen der nördlichen Hemisphäre. Mit seinem edlen, kontrastreichen Flügelkleid aus tiefem Schwarz, leuchtendem Ziegelrot und schimmerndem Weiß zieht er seit Jahrhunderten die Aufmerksamkeit von Naturforschern und Schmetterlingsliebhabern auf sich.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Natur & Umwelt – Sein Name ist kein Zufall: Das Artepitheton atalanta leitet sich von der griechischen Jägerin Atalante ab – einer schnellen, mutigen Frauengestalt aus der Mythologie. Wie seine Namensgeberin ist auch dieser Falter von unbändiger Energie und Rastlosigkeit geprägt. Er ist ein Meister der Lüfte, der in weiten Wanderbewegungen von Süden nach Norden zieht und damit die Verbindung zwischen den Jahreszeiten und Kontinenten symbolisiert.

Der Admiral ist ein typischer Vertreter der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und kommt sowohl in Europa, Asien als auch Nordamerika vor. Er verkörpert die Anpassungsfähigkeit der Natur in Perfektion – robust genug, um kühle Regionen zu besiedeln, und zugleich feinfühlig in seinem Verhalten und seiner Lebensweise. Besonders im Mittelmeerraum, und dort auch in Griechenland, spielt er eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht.

Foto: Hellas-Bote

Mit einer Flügelspannweite von 55 bis 65 Millimetern zählt der Admiral zu den mittelgroßen Tagfaltern. Die Oberseiten seiner Flügel sind samtig schwarz gefärbt, durchzogen von einer gezackten ziegelroten Binde, die ihn unverkennbar macht. Die schwarzen Spitzen der Vorderflügel tragen auffällige weiße Flecken, während die Hinterflügel von einem orangeroten Saum mit kleinen schwarzen Punkten umgeben sind. Besonders in der Sonne entfalten die Flügel einen irisierenden Glanz, der je nach Lichteinfall leicht türkis schimmern kann.

Weibchen erkennt man an einem kleinen weißen Fleck im roten Band, während Männchen diesen nicht besitzen. Die Unterseite zeigt sich in gedeckteren, marmorierten Brauntönen – eine hervorragende Tarnung beim Ruhen auf Baumrinde oder Steinen. Diese duale Farbgestaltung macht den Admiral zu einem Meister der Anpassung: auffällig im Flug, unauffällig im Stillstand. Bemerkenswert ist die Variabilität der Art. Zahlreiche Aberrationen sind bekannt – einige Individuen zeigen gelbliche oder karminrote Binden, andere weisen veränderte Fleckenmuster auf. Diese Vielfalt ist Ausdruck einer erfolgreichen evolutionären Strategie, die es der Art ermöglicht, in unterschiedlichen Klimazonen zu überleben.

Das Leben des Admirals beginnt unscheinbar: Ein einzelnes, blassgrünes Ei wird vom Weibchen auf der Unterseite einer Brennnessel abgelegt. Nach wenigen Tagen schlüpft eine bedornte Raupe, die sich sofort ein kleines Blatthaus spinnt – ihre „Brennnesselröhre“. Dort verbringt sie die meiste Zeit geschützt vor Feinden. Die Raupen sind meist dunkelbraun bis schwarz und tragen eine Reihe gelbgrüner Flecken an den Seiten. Nach mehreren Häutungen verpuppt sich die Raupe in ihrem Versteck. Die Stürzpuppe glänzt oft bronzefarben und ist von feinen Linien überzogen. Nach rund zwei Wochen schlüpft schließlich der fertige Schmetterling – ein neuer Admiral, bereit für seine weiten Reisen.

In Mitteleuropa fliegen die Falter von Mai bis Oktober, in wärmeren Gebieten oft in bis zu drei Generationen. Besonders interessant ist ihr Wanderverhalten: Im Frühjahr ziehen sie nordwärts, im Herbst kehren sie in wärmere Regionen zurück. Manche Populationen überwintern sogar als Falter in geschützten Lagen – etwa in Weinbergen oder an Hausmauern. Der Admiral ist nahezu auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet. Seine Heimat erstreckt sich über Europa, Asien und Nordamerika bis in arktische Breiten. Selbst auf abgelegenen Inseln wie den Kanaren, Azoren oder Hawaii findet man ihn. Diese weite Verbreitung verdankt er seinem ausgeprägten Wanderverhalten, das ihn zu einem der erfolgreichsten Migranten unter den Insekten macht.

In Griechenland zählt der Admiral zu den häufigsten Tagfaltern – besonders im Frühling und Herbst, wenn er in großen Schwärmen durch Olivenhaine, Bergtäler und Küstenregionen zieht. Er bevorzugt hier warme, sonnige Lebensräume mit reichem Nektarangebot. Typische Beobachtungsorte sind die Ägäis-Inseln (z. B. Kreta, Lesbos, Rhodos) sowie die griechischen Gebirgsregionen des Pindos und des Olympos. Im mediterranen Klima Griechenlands findet der Admiral ideale Bedingungen vor: milde Winter, lange Sommer und zahlreiche Nektarpflanzen wie Thymian, Efeu, Oleander und Schmetterlingsflieder. Seine Raupen leben hier vor allem auf den Glaskräutern der Gattung Parietaria – etwa dem Aufrechten Glaskraut (P. officinalis), das in vielen griechischen Dörfern an Mauern wächst. Diese Pflanzen ersetzen in südlichen Gebieten die Brennnessel, die dort seltener vorkommt.

Interessant ist auch die Wanderroute vieler Admirale, die Griechenland als wichtigen Zwischenstopp nutzen. Im Frühjahr ziehen sie aus Nordafrika über Kreta und die Peloponnes weiter nach Norden – bis in die Alpen und sogar nach Skandinavien. Im Herbst kehren viele wieder in den Süden zurück, wobei manche Individuen in Griechenland überwintern. So wird das Land zu einem Drehkreuz dieser eleganten Wanderfalter.

Der Admiral ist äußerst anpassungsfähig. Er bewohnt Waldränder, Wiesen, Weinberge und auch urbane Gebiete. Besonders in Gärten lässt er sich oft auf Buddleja-Sträuchern, Wasserdost oder Efeublüten beobachten. Im Herbst saugt er gern an überreifem Obst, manchmal sogar an Baumsaft oder Tierkadavern – eine wichtige Nahrungsquelle vor der langen Wanderung. Sein Verhalten ist energiegeladen und territorial: Männchen bewachen von erhöhten Punkten aus ihr Revier und vertreiben Eindringlinge mit rasanten Flugmanövern. Die Paarung findet meist in den frühen Abendstunden statt, oft nach den großen Zugbewegungen gen Süden.

Der Admiral reagiert sehr sensibel auf klimatische Veränderungen. Mit steigenden Temperaturen hat sich seine Flugzeit in den letzten Jahrzehnten deutlich verlängert – in manchen Regionen erscheint er heute sechs Wochen früher als noch vor 50 Jahren. In Griechenland und Südeuropa werden inzwischen mehrere Generationen pro Jahr beobachtet. Ein wärmeres Klima begünstigt seine Ausbreitung, doch zunehmende Trockenheit kann die Lebensräume seiner Raupenpflanzen gefährden. (jk)

Foto: Hellas-Bote