Mit einem klanggewaltigen Auftritt vor der eindrucksvollen Kulisse der Altstadt hat das GrEcho Brass Ensemble am Montagabend einen weiteren musikalischen Höhepunkt des renommierten Nafplio-Festivals gesetzt.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Peloponnes/Nafplio – Das preisgekrönte Kulturereignis, das seit Jahren zu den bedeutendsten Klassikfestivals Griechenlands zählt, verwandelte die ehemalige Hauptstadt des Landes erneut in einen Treffpunkt für Musikliebhaber aus aller Welt. Vor zahlreichen Besuchern präsentierten die zwölf Musiker ein ebenso abwechslungsreiches wie publikumsnahes Programm, das von klassischer Ballettmusik über Operette bis hin zu Filmmusik und Tango reichte.
Als die letzten Sonnenstrahlen die Fassaden der venezianischen Gebäude in warmes Licht tauchten und die Abendluft vom Meer her über die Plätze der Stadt strich, füllten sich die Reihen vor der Bühne. Ein erwartungsvolles Murmeln lag über dem Publikum, das sich aus Einheimischen, Urlaubern und eigens angereisten Festivalgästen zusammensetzte. Dann betraten die Musiker des GrEcho Brass Ensembles die Bühne und eröffneten den Konzertabend mit „Koryfo“, einem Marsch des griechischen Komponisten Spyros Prosoparis. Bereits mit den ersten kraftvollen Fanfaren zeigte das Ensemble seine außergewöhnliche Klangkultur und Präzision.

Unter der Leitung von Dirigent Stathis Soulis entwickelte sich ein Konzert, das die Vielseitigkeit eines modernen Blechbläserensembles eindrucksvoll unter Beweis stellte. Reinhold Glières temperamentvoller „Russischer Matrosentanz“ aus dem Ballett „Der rote Mohn“ brachte schwungvolle Rhythmen und virtuose Passagen auf die Bühne. Die Musiker wechselten dabei mühelos zwischen kraftvoller Klangentfaltung und fein abgestimmten lyrischen Momenten.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Medley „Die Magie von Andrew Lloyd Webber“, das in einer Bearbeitung von Alekos Katsios erklang. Bekannte Melodien aus den Erfolgswerken des britischen Musicalkomponisten verschmolzen zu einer farbenreichen Klangreise, die vom Publikum mit sichtbarer Begeisterung aufgenommen wurde. Immer wieder waren zustimmendes Nicken und spontane Reaktionen auf die vertrauten Themen zu beobachten.
Auch die Filmmusik nahm im Programm einen wichtigen Platz ein. Mit „La passerella di addio“ aus Federico Fellinis Filmklassiker „8½“ erinnerte das Ensemble an die unverwechselbare Musik von Nino Rota. Die nostalgische Atmosphäre der Komposition fügte sich dabei auf besondere Weise in das historische Ambiente Nafplios ein. Später kehrte Rota nochmals zurück ins Programm, als die Musiker die „Godfather Saga“ interpretierten. Die weltbekannten Melodien aus „Der Pate“ entfalteten in der Bearbeitung für Blechbläser eine eindrucksvolle Mischung aus Melancholie, Dramatik und Eleganz.
Für einen humorvollen Akzent sorgte Chris Hazells Werk „Die drei Messingkatzen“, vertreten durch den Satz „Kraken“. Hier zeigte das Ensemble seine Fähigkeit, musikalischen Witz und technische Präzision miteinander zu verbinden. Die lebendige Interpretation löste mehrfach Schmunzeln im Publikum aus.
Einen atmosphärischen Kontrast bildete anschließend Astor Piazzollas Tango-Suite. Mit rhythmischer Schärfe, markanten Akzenten und fein ausgearbeiteten dynamischen Abstufungen brachten die Musiker die Leidenschaft und Spannung des argentinischen Tangos eindrucksvoll zur Geltung. Besonders die Posaunen und das Hornregister verliehen den Werken eine markante Klangfarbe.
Im weiteren Verlauf des Abends wandte sich das Ensemble der Operettenwelt zu. Aus Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ erklang das berühmte Duett von Hanna und Danilo in einer Bearbeitung von Spyros Mavropoulos. Die Melodien wirkten auch ohne Gesang unmittelbar und ließen die Eleganz der Wiener Operettentradition aufleben.

Mit „Guadalajara“ des mexikanischen Komponisten Pepe Guízar wechselte die musikalische Reise schließlich nach Lateinamerika. Die schwungvolle Bearbeitung sorgte für mitreißende Stimmung und brachte zusätzliche klangliche Farben ins Programm. Zum Abschluss präsentierten die Musiker eine Bearbeitung des beliebten griechischen Liedes „Schick mir ein paar Blumen, wenn du möchtest“ von Kostas Giannidis. Die bekannte Melodie bildete einen passenden Schlusspunkt eines Konzerts, das internationale Musiktraditionen mit griechischer Kultur verband.
Das GrEcho Brass Ensemble zählt zu den profiliertesten Blechbläserformationen Griechenlands. Die Formation besteht aus elf Blechbläsern und einem Schlagzeuger und verfolgt das Ziel, die klanglichen Möglichkeiten eines Brass Ensembles in unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen zu präsentieren. Gleichzeitig engagiert sich das Ensemble für künstlerische Kooperationen und ist regelmäßig bei bedeutenden Festivals und kulturellen Institutionen im In- und Ausland vertreten.
Zum Ensemble gehören die Trompeter Kostas Nikas, Dionysis Agalianos, Alexandros Mavropoulos und Nikos Sarris, die Hornisten Christos Kaloudis und Nikolaos Kaloudis, die Posaunisten Spyros Farougias, Stavros Klavanidis, Petros Karatsolis und Giorgos Markou, Tubist Konstantinos Aslanidis sowie Schlagzeuger Panagiotis Ziavras. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Stathis Soulis.
Der Auftritt war Teil des diesjährigen Nafplio-Festivals, das als eines der wichtigsten Kulturereignisse Griechenlands gilt. Das Festival wurde vom Verband Griechischer Musikkritiker als bestes Festival des Landes ausgezeichnet und hat sich seit seiner Gründung zu einer internationalen Plattform für klassische Musik entwickelt. Mehr als 300 griechische und internationale Künstler haben im Laufe der Jahre an den Veranstaltungen mitgewirkt, darunter zahlreiche weltbekannte Solisten, 25 Streichquartette sowie 20 Sinfonie- und Kammerorchester. Darüber hinaus bietet das Festival regelmäßig jungen Nachwuchskünstlern die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.
Die Konzerte finden traditionell an den historischen Plätzen und Monumenten Nafplios statt und zeichnen sich durch bewusst niedrig gehaltene Eintrittspreise aus. Dieses Konzept hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Festival zu einem Publikumsmagneten entwickelt hat. Mehr als 200.000 Besucher aus Griechenland und dem Ausland haben die Veranstaltungen bislang besucht. Neben den Einwohnern Nafplios und Gästen aus der Region reisen jedes Jahr zahlreiche Musikfreunde aus Athen und anderen Teilen Griechenlands an. Viele von ihnen kehren regelmäßig zurück und gehören inzwischen zu den treuen Begleitern des Festivals. (mv)





