Ein Leben zwischen Fischernetz und Kreuz – Die eindrucksvolle Gestalt des heiligen Andreas.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Gedächtnis: 30. November (Andreastag, Fest des heiligen Apostels Andreas); nach dem julianischen Kalender 13. Dezember (gregorianisch).
Götter & Gelehrte – Der Heilige Andreas, Bruder des Simon Petrus und einer der zwölf Apostel, nimmt in der christlichen Überlieferung eine besondere Stellung ein. Als einer der ersten Jünger, die Jesus folgten, wurde er „der Erstberufene“ genannt – ein Titel, der sein tiefes Vertrauen und seine unmittelbare Bereitschaft zum Glauben symbolisiert. Seine Geschichte ist ein beeindruckendes Zeugnis von Hingabe, Mission und Martyrium.
Andreas stammte aus der galiläischen Stadt Bethsaida, gelegen am See Gennesaret. Gemeinsam mit seinem Bruder Simon Petrus war er Fischer – ein einfacher Beruf, der durch die Begegnung mit Jesus eine tiefere Bedeutung erhielt. Ursprünglich war er ein Schüler Johannes des Täufers, doch als dieser Jesus als das „Lamm Gottes“ bezeichnete, zögerte Andreas nicht. Er folgte dem Ruf des Messias und brachte auch seinen Bruder zu ihm – ein Akt der Brüderlichkeit und des missionarischen Eifers.
Nach dem Pfingstereignis begann Andreas seine Missionstätigkeit. Frühchristliche Quellen und apokryphe Schriften berichten von seinen Reisen in den Osten des Römischen Reiches – unter anderem nach Kleinasien, Skythien (heutiges Schwarzmeergebiet), Thrakien und Griechenland. Besonders eng verbunden ist sein Wirken mit der Stadt Patras in Achaia, wo er schließlich den Märtyrertod erlitt.
Andreas wird in der Überlieferung auch als der geistige Begründer der Kirche von Konstantinopel verehrt – ein Symbol für die Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten des Christentums.
Der Überlieferung nach wurde Andreas zur Zeit des römischen Kaisers Nero in Patras gekreuzigt – jedoch nicht wie Jesus an einem traditionellen Kreuz, sondern an einem X-förmigen Kreuz, das heute als „Andreaskreuz“ bekannt ist. Diesem Symbol begegnet man nicht nur in der religiösen Kunst, sondern auch auf Fahnen, Wappen und Bauwerken in vielen Teilen Europas. Der Apostel soll darum gebeten haben, nicht auf dieselbe Weise wie sein Herr zu sterben – aus Ehrfurcht und Demut. Sein Tod wurde damit zum Sinnbild der Nachfolge bis ans äußerste Ende.
Andreas genießt bis heute höchste Verehrung in Ost und West. Er ist der Nationalheilige Schottlands, Schutzpatron Russlands, Rumäniens, Griechenlands sowie zahlreicher Fischer, Seefahrer und Wasserträger. Seine Reliquien wurden über Jahrhunderte hinweg verehrt, unter anderem in Patras, Amalfi und Rom. In der orthodoxen Kirche gilt er zudem als „Erzapostel“ und Begründer der byzantinischen Kirche.
Der 30. November – Andreastag – ist reich an volkstümlichem Brauchtum. In vielen Regionen galt er als Tag der Weissagung, vor allem für junge Frauen, die in der Andreasnacht Zeichen für ihre zukünftige Ehe suchten. Bauernregeln wie „Wenn’s an Andreas schneit, der März sich nicht vom Winter befreit“ zeigen die tief verwurzelte Bedeutung des Tages in der agrarischen Lebenswelt. (mv)

